1. Sport
  2. 1. FC Köln

1. FC Köln: Chefscout Martin Bülles ist Entdecker der Stars von morgen

1. FC Köln : Martin Bülles ist der Entdecker der Stars von morgen

Martin Bülles hat bei seiner Arbeit schon unzählige Fußballplätze im Rheinland besucht. Als Nachwuchschefscout des 1. FC Köln ist der gebürtige Bonner immer auf der Suche nach neuen Talenten.

Zwei Treffer erzielte der Youngster Ismail Jakobs in der laufenden Saison für den 1. FC Köln. Sein Debüt gab der 20-Jährige am 11. Spieltag noch unter dem damaligen FC-Coach Achim Beierlorzer, aufgeblüht ist der gelernte Außenverteidiger aber erst unter dem neuen Trainer Markus Gisdol. Jakobs steht für die erfolgreiche Verjüngungskur bei den Geißböcken. Auf ihm, aber auch auf Noah Katterbach und Jan Thielmann ruhen die Hoffnungen der Kölner. Nicht nur perspektivisch, auch aktuell.

Für Martin Bülles sind die drei Spieler allerdings mehr als Hoffnungsträger. Für den 38-Jährigen sind die Nachwuchskicker der Beleg für eine gute Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum. Bülles ist Nachwuchschefscout des 1. FC Köln und insofern verantwortlich für die Entdeckung der Talente, die zu kommenden FC-Stars werden sollen. „Natürlich ist das ein tolles Gefühl, wenn du die Jungs dann im Stadion siehst“, sagt Bülles. „Dafür fährst du halt auf die Plätze.“

„Wir grasen jedes noch so kleine Dorf ab“

Und Bülles fährt normalerweise auf einige Plätze. „Es gibt in Köln, in der Kölner Umgebung und im gesamten Verband keinen Verein, den wir noch nicht gesehen haben. Wir grasen jedes noch so kleine Dorf ab.“ Woche für Woche ist er und sein Team im Einsatz auf der Suche nach neuen Talenten. Mit seinen hauptamtlichen Mitarbeitern bewertet er die Youngster ab 14 Jahren, für den Bereich U7 bis U13 sind mehr als 20 Nahgebietssichter für den FC unterwegs. „50 Prozent der Arbeit finden allerdings im Büro statt“, erklärt Bülles, der sich dementsprechend viel am Geißbockheim aufhält.

Es werden Daten gepflegt, Analysen betrieben, die Sichtungen der vergangenen Wochen bewertet und sich mit den U-Trainern über die eigenen Kader ausgetauscht. Für Bülles eine Herzensangelegenheit, auch, weil er sich dem Verein verbunden fühlt. Der Wahl-Kölner kommt ursprünglich aus Bonn, hat dort zunächst in Lannesdorf, später einige Jahre in Friesdorf gespielt. Durch das Sportstudium an der Sporthochschule in Köln knüpfte er viele Kontakte und war schließlich als Stützpunkttrainer in Hürth aktiv.

„Ich glaube schon zu wissen, worauf es ankommt“

Ab 2007 arbeitete er als Co-Trainer diverser Junioren Mannschaften von der U15 bis U19 des FC. „Irgendwann stand ich vor der Entscheidung, entweder der FC bietet mir eine feste Stelle oder ich schaue mich in meinem Berufsfeld Sportjournalismus neu um“, sagt Bülles. „Damals gab mir der Jugendchef Frank Schaefer die Chance, als hauptamtlicher Scout zu arbeiten. Da musste ich nicht lange überlegen.“

Eine Win-Win-Situation: Bülles verdient Geld mit seiner Leidenschaft und der für den FC, die Geißböcke profitieren wiederum von seiner Expertise. „Ich glaube schon zu wissen, worauf es ankommt“, sagt Bülles. Und das ist viel mehr als nur der Eindruck auf dem Platz. „Man hat manchmal ein Aha-Erlebnis und sieht sofort, dass da ein Ausnahmetalent ist“, sagt der 38-Jährige. „Aber zu einem guten Spieler gehört mehr. Man beobachtet ihn mehrfach, auch sein soziales Umfeld oder wie er sich in der Mannschaft gibt.“

Weg vom Talent zum Bundesligaspieler ist weit

Einer dieser Spieler ist Noah Katterbach. „Wir haben ihn ja schon ganz früh geholt. Er identifiziert sich mit dem FC“, sagt Bülles. „Seit der U8 ist er regelmäßig rund 70 Kilometer aus der Eifel gefahren.“ Sein Potenzial hat Katterbach schon bewiesen. Der Weg vom Talent zum Bundesligaspieler ist allerdings weit. Ein gutes Probetraining oder eine starke Leistung unter der Beobachtung der Scouts ist nur der Anfang. „Es ist ein langer, intensiver Prozess“, sagt Bülles. „Man muss auch sehr behutsam vorgehen und das Inter-
esse geheim halten.“

Denn schon im Alter ab 14, 15 Jahren verfügt ein Großteil der Nachwuchskicker über einen Spielerberater. Wir suchen lieber den direkten Kontakt zu der Familie. „Die binden wir von vornherein mit ein. Es müssen ja eine Bereitschaft und ein ernsthaftes Interesse vorliegen“, sagt der Scout. Es folgen mehrere Besuche und Gespräche und dann die Verpflichtung. Die Trainer werden in den Prozess in der Regel nicht mit eingebunden, treffen auch nicht die Auswahl. „Wir als Scouting-Abteilung haben uns schon einen sehr guten Ruf erarbeitet. Man vertraut uns“, sagt Bülles, der sich aber auch seiner Verantwortung bewusst ist. „Natürlich steckt da auch Druck dahinter. Es geht ja inzwischen auch um viel Geld. Aber wir gehören nicht zu den Champions-League-Clubs, die sich die richtig teuren Transfers leisten können.

Und selbst wenn es zu einer Verpflichtung kommt, ist die große Fußballkarriere nicht selbstverständlich. Im Gegenteil: „Jedes Talent muss sich bewusst sein, dass es nur wenige schaffen. Die anderen 90 oder 95 Prozent sorgen aber für die Jungs, die oben ankommen, für hohes Trainings- und Spielniveau und werden hier sehr gut ausgebildet“, so Bülles. „Je früher du aber ein Talent bindest, umso größer die Erfolgschancen.“

Marcel Hartel dient als gutes Beispiel. 2002 wechselte der damals Sechsjährige vom SC West zum FC. Bis 2017 war Hartel für Köln aktiv, bevor er zunächst zu Union Berlin und schließlich nach Bielefeld wechselte. „Es ist immer schade, wenn uns ein Spieler verlässt, den wir so lange begleitet haben“, sagt Bülles. „Aber das ist das Geschäft und oft finden die Spieler wie jetzt Mark Uth zurück zum FC.“

FC muss auch Rückschläge hinnehmen

Zu dem Geschäft gehört es auch, Niederlagen einzustecken. „Für manche Eltern und Spieler bin ich natürlich auch der Blitzableiter, wenn es dann nicht mit der großen Karriere klappt. Aber ich finde, wir als Verein gehen sehr fair und transparent mit den Familien um“, erklärt der 38-Jährige. „Es tut uns natürlich leid, wenn es nicht klappt.“

Auch bei den Scouts läuft nicht immer alles glatt, sodass der FC auch Rückschläge hinnehmen musste. So hat vor einigen Jahren ein benachbarter Verein den Kölnern einen heutigen Nationalspieler vor der Nase weggeschnappt, der auf der Kölner Liste ganz oben stand. Kai Havertz wechselte damals nach Leverkusen. „Da waren einige dran, aber da haben wir natürlich ein großes Top-Talent nicht bekommen, das später vielleicht mal ein großes Invest gebracht hätte “, sagt Bülles. „Aber wir haben in der tollen U19 und U17 noch einige Talente, die eine große Chance haben, es nach oben zu schaffen.“

Das spiegelt sich in den aktuellen Ergebnissen wider. Beide Nachwuchsmannschaften belegen in ihren Ligen den ersten Platz. 2019 wurde die U17 sogar deutscher Meister. Namen der Hoffnungsträger will Bülles nicht nennen. Schließlich schläft die Konkurrenz nicht – wie der Fall Florian Wirtz belegt. Den hat der Nachbar vor Kurzem vom FC abgeworben: Bayer Leverkusen.