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1. FC Köln: Darum ist auch die Conference League für den FC attraktiv

Vor dem Saisonfinale : Darum ist die Conference League für den FC auch attraktiv

Trotz der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg hat der 1. FC Köln zumindest die Playoffs der Conference League erreicht, die Qualifikation für die Europa League aber aus den eigenen Händen gegeben. Der Ruf der Conference League ist nicht gerade der beste. Aber stimmt das? Wir haben einige Fakten zusammengetragen.

Den Spielern des 1. FC Köln war die Enttäuschung nach der 0:1-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am Samstagnachmittag tief ins Gesicht geschrieben. 90 Minuten war der FC gegen die Wölfe angerannt, erarbeitete sich Chance um Chance und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Fast. Denn immerhin haben die Kölner dank der Hilfe von Bayer Leverkusen die Playoffs der Conference League gesichert und spielen somit definitiv auch europäisch. Allerdings gaben die Geißböcke den Einzug in die Europa League aus den eigenen Händen. Will der FC die „zweite“ europäische Liga noch erreichen, ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Köln muss definitiv gegen Stuttgart gewinnen und Union Berlin darf in Bochum nicht über ein Remis hinauskommen. Theoretisch könnte Köln auch noch Freiburg abfangen. Dann müsste der FC ebenfalls gewinnen, der SC verlieren und Köln ganz nebenbei noch neun Tore aufholen.

Dass man in Köln viel lieber in der Europa League spielen würde, liegt auf der Hand. Unter anderem war die Einführung der Conference League lange Zeit sehr umstritten. „Europa League hätte ich Bock drauf. Europa Conference League hätte ich irgendwie keinen Bock drauf. Ich weiß noch nicht einmal, was das ist“, sagte zum Beispiel Stürmer Max Kruse, damals bei Union Berlin aktiv. Der Ruf des im vergangenen Jahr eingeführten Wettbewerbs ist jedenfalls nicht der beste. Aber warum eigentlich?

Ist die Europa League wirklich lukrativer?

Finanziell, zumindest was die Prämien angeht, steht die Conference League der Europa League nur minimal nach. So erhalten die 32 Teilnehmer der Gruppenphase der Conference League eine Startgebühr von 2,94 Millionen Euro. Dazu muss sich der deutsche Vertreter aber über Playoffs erst einmal qualifizieren, eine mitunter schwere Herausforderung. Jeder Sieg in der Gruppenphase bringt dann noch einmal 500 000 Euro, ein Remis immerhin 166 000 Euro. Dem jeweiligen Gruppensieger winken noch einmal 650 000 Euro, der Zweite erhält 325 000 Euro. Für das Überstehen der Zwischenrunde oder das Erreichen des Achtelfinales gibt es noch einmal 600 000 Euro. Jede weitere Runde bringt weitere Einnahmen. Ebenso kassieren die Teilnehmer natürlich Zuschauereinnahmen. Beim FC sind das bei ausverkauftem Haus rund 1,8 Millionen Euro pro Spiel. Je nach Erfolg kann der Teilnehmer im Idealfall also einen niedrigen zweistelligen Betrag einfahren. Allerdings steigen auch die Kosten der Clubs: Es stehen Reisekosten, Prämien und zusätzlicher Personalaufwand zu Buche. Ein großes Plusgeschäft würde der FC tatsächlich nicht machen.

Dem gegenüber stellt sich die Europa League nur wenig lukrativer dar. Hier erhalten die Teilnehmer eine Startgebühr von 3,63 Millionen Euro. Jeder Erfolg in der Gruppenphase bringt 630 000 Euro, ein Remis 210 000 Euro. Der Gruppensieger erhält zudem eine Prämie in Höhe von 1,1 Millionen Euro, der Gruppenzweite die Hälfte. Das Erreichen des Achtelfinales bringt noch einmal 1,2 Millionen Euro. Auch hier kommen die Zuschauereinnahmen hinzu.

Sollte also ein Gruppensieger jedes Spiel seiner Gruppe gewinnen und das Achtelfinale erreichen, würde er in der Conference League etwa 7,2 Millionen (ohne Zuschauereinnahmen) und in der Europa League rund 9,7 Millionen Euro einheimsen. Ein Gruppenzweiter würde für das Erreichen des Achtelfinales beispielsweise mit zwei Siegen und zwei Unentschieden knapp 5,2 Millionen Euro in der Conference League verdienen, in der Europa League mit den gleichen Ergebnissen rund 7 Millionen. Allerdings hat der Conference-Teilnehmer über die Playoffs ein Spiel mehr, bei dem er Zuschauer-Einnahmen generieren kann. In Sachen Prämien von Seiten des Verbandes ist der Unterschied zwischen den Ligen also überschaubar. Allerdings fehlen bei der Rechnung TV- und Marketing-Gelder, die aktuell noch nicht kalkulierbar sind. Alleine an Prämien hat Frankfurt übrigens in der Europa League bislang rund 15 Millionen Euro eingespielt und damit in etwa das Startgeld, dass die Teilnehmer der Königsklasse erhalten.

In den Playoffs warten namhafte Gegner

Den wohl größten Unterschied stellen die Playoffs dar, über die sich der deutsche Vertreter für die Conference League qualifizieren muss. An dem vermeintlich „kleinen“ Wettbewerb nehmen 171 Mannschaften teil. Nur 32 von ihnen erreichen aber letztlich die Gruppenphase. Über drei Qualifikationsrunden sowie Playoffs erreichen die Teams die Gruppenspiele. Der deutsche Vertreter ist für die Playoffs gesetzt. Ebenfalls gesetzt sind Topteams aus England, Italien, Spanien und Frankreich. Aktuell wären beispielsweise Manchester United, Real Sociedad und Lazio Rom Kandidaten für die Conference League. Und auch das Klischee der weiten Europa-Reisen in die Tiefen des Kontinents erfüllt sich nicht gänzlich. An den Playoffs 2021 nahmen namhafte Mannschaften wie der FC Kopenhagen, der FC Basel oder der RSC Anderlecht teil.

Die Auslosung findet am 2. August statt, die Playoffs werden am 18. und 25. August ausgetragen. Es droht also ein frühes Aus und damit ein kurzer europäischer Auftritt. Auch in der Europa League gibt es Qualifikationsspiele und Playoffs. Allerdings sind die deutschen Vertreter direkt für die Gruppenphase qualifiziert und müssen nicht über den Umweg Playoffs gehen. Damit sind sechs europäische Spiele gesichert.