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Packendes Remis: 1. FC Köln: Der emotionale Abend des Anthony Modeste

Packendes Remis : 1. FC Köln: Der emotionale Abend des Anthony Modeste

25 000 Fans erlebten beim 1:1 des FC gegen Leipzig am Samstagabend in Köln ein Fußball-Spektakel. Für Anthony Modeste wurde er besonders emotional.

Die Finger in Richtung Himmel gestreckt, der Blick geht ebenfalls nach oben – von Tränen verschleiert. Nach dem 1:0 gegen RB Leipzig ließ Anthony Modeste seinen Gefühlen freien Lauf. Der Schmerz war sichtbar. Es waren keine Glückstränen über die beeindruckende Bilanz vom vierten Saisontreffer, auch keine der Erleichterung, weil Schiedsrichter Felix Brych dem Franzosen den zweiten Treffer nun doch zusprach, nachdem er ihm bereits einen zurecht verweigert hatte.

Für Modeste war dieses Tor ein ganz besonderes. Eins mit Symbolcharakter. Ein Gruß an seinen Vater. „Mein Papa hat heute Geburtstag. Das sind so viele Emotionen für mich“, sagte der Franzose anschließend im TV-Interview und konnte die Tränen erneut nicht verbergen. „Ich habe meinen Papa vor drei Jahren verloren und das heute ist sehr wichtig für mich.“ Guy Modeste verstarb 2018 im Alter von 64 Jahren. Vater und Sohn verband ein sehr enges Verhältnis. „Das ist alles nur menschlich. Dafür muss er sich nicht schämen“, sagte TV-Experte Lothar Matthäus, „der Gruß geht nach oben, und das zurecht.“

Den Tränen waren einige endlose Minuten vorausgegangen. Minuten, in denen Brych die Szene vor dem Treffer studierte. Mohamed Simakan war beim Klärungsversuch von Mark Uth berührt worden. Ein Foul hatte der Unparteiische nicht mehr gesehen und gab schließlich das 1:0. „Ich bin kein Schiri, ich würde aber auf Tor entscheiden“, sagte der Kölner Goalgetter dann schon wieder lachend und Mark Uth ergänzte: „Der Schiri hat sich dagegen entschieden und darüber freuen wir uns.“ Auch die Kölner Anhänger freuten sich. Über das Tor, aber auch einmal mehr über einen beeindruckenden Auftritt der Geißböcke.

Kölner Trainer Steffen Baumgart hält Versprechen

FC-Trainer Steffen Baumgart, der mit Ondrej Duda, Jan Thielmann und Luca Kilian drei neue Spieler im Vergleich zur Vorwoche brachte, hatte den Fans ein Spektakel versprochen. Seine Spieler würden „alles reinwerfen“, hatte der Coach im Vorfeld der Begegnung gegen den aktuellen Vizemeister gesagt und seine Akteure hielten das Versprechen. Der FC warf alles rein, startete gegen RB unbeeindruckt mit temporeichen Vorstößen, einigen Flanken. Es entwickelte sich eine atemberaubend rasante Begegnung. Für Gefahr sorgte vor allem Leipzig. Allen voran Christopher Nkunku, der unter der Woche schon dreifach gegen Manchester City getroffen hatte. Der Franzose setzte Dominik Szoboszlai in Szene,der legte ab auf André Silva, der wiederum gekonnt einschob – allerdings im Abseits stand. Der erste von vier Treffern, der aufgrund einer Abseitsposition nicht gegeben wurde. Nur wenige Minuten später traf Nkunku den Pfosten – genauso wie auf der anderen Seite Duda nach Vorarbeit des erneut stark aufspielenden Benno Schmitz. Allerdings machten sich die Kölner mit individuellen Fehlern das Leben schwer. Unter anderem bügelte Rafael Czichos zwei Mal aus, stand unmittelbar vor der Ampelkarte und wurde bereits nach einer halben Stunde ausgewechselt. Für ihn kam Meré. Anschließend legte Modeste seinem Sturmpartner Mark Uth die Führung auf. Doch auch dieser Treffer zählte nicht.

FC nach dem Wechsel zunächst stark

Die ersten Minuten nach dem Wechsel gehörten dem Köln. Der FC drückte, suchte den Treffer und erzielte ihn. Modeste traf nach toller Vorarbeit von Duda in den Winkel. Wieder entschied Brych auf Abseits. Keine 60 Sekunden später war es wieder Modeste, wieder war es der Winkel, wieder folgte der Pfiff. Dieses Mal nahm Brych seine Entscheidung aber zurück. Während Modeste seinem verstorbenen Vater gedachte, bebte das Stadion. Die Zuschauer feierten den Torschützen, aber auch das Spektakel, das sie geboten bekamen. „Es hat Spaß gemacht, die Fans mitzureißen. Die 25 000 haben sich heute angefühlt wie 50 000“, sagte Uth. „Ich freue mich, wenn das Stadion mal wieder richtig voll ist.“

Doch die Freude auf den Rängen erlebte einen – wenn auch nur kleinen – Dämpfer. Zwar spielte Köln anders als noch in der Vorwoche gegen Freiburg weiter mutig nach vorne, Leipzig war aber mittlerweile das bessere Team, näherte sich zunehmend Timo Horns Tor an. „Heute waren wir mutig genug. Wir haben nach vorne gespielt, obwohl wir hätten verlieren können“, sagte FC-Trainer Steffen Baumgart. Denn Leipzig spielte nun seine Klasse aus. Der eingewechselte Emil Forsberg traf zwar ins Netz, doch wieder war es Abseits. Nach einem Eckball glich schließlich Amadou Haïdara aus. „Der Ball war perfekt gespielt“, sagte Horn. „Gegen eine solche Top-Mannschaft kannst du einfach nicht alles verteidigen.“ Doch alles, was seine Vorderleute fortan nicht mehr verteidigen konnten, rettete der Keeper und hielt somit den Punkt fest. „Die Leipziger haben hinten raus noch mal richtig Druck gemacht, haben offensiv gewechselt und eine enorme individuelle Qualität“, so Horn weiter. „Wir haben dem Stand gehalten und am Ende noch die riesen Chance auf das 2:1.“

Diese leitete Sebastian Andersson in der Schlusssekunde ein. Der eingewechselte Angreifer lief alleine auf Leipzigs Peter Gulácsi zu, scheiterte am Keeper. Doch Gulácsi ließ den Ball direkt vor die Füße von Ondrej Duda fallen, der aus wenigen Metern kläglich vergab. „Wir sind sehr zufrieden mit diesem 1:1. Weil wir gegen eine sehr sehr geile Mannschaft mit sehr sehr guten Spielern gespielt haben“, sagte Modeste. Trainer Baumgart hatte nicht nur eine „geile“ Mannschaft gesehen. „Jeder auf diesem Feld hat einfach eine geile Leistung gebracht. Das ist das, was wir sehen wollen“, sagte der Coach. „Wenn wir die letzte Aktion nehmen, hätte es anders ausgehen können. Ich muss aber sagen, ich bin glücklich.“ Das galt auch für die 25 000 Zuschauer. Trotz vergebener Großchance, trotz Remis - Dank eines atemberaubenden Spiels.