0:1 gegen Bremen FC erleidet Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt

Köln · In einer kampfbetonten Partie musste sich der 1. FC Köln Werder Bremen mit 0:1 geschlagen geben. Damit verpasste es die Schultz-Elf, näher an die Nichtabstiegsplätze heranzurücken.

Mit viel Dampf, aber wenig Ertrag: Kölns Max Finkgräfe (Mitte) gegen zwei Bremer.

Mit viel Dampf, aber wenig Ertrag: Kölns Max Finkgräfe (Mitte) gegen zwei Bremer.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wie weit sie diesmal gehen würden, war eine der bangen Fragen, die am Freitagabend über Müngersdorf lagen. Dass die Fans der auf dem Rasen rivalisierenden Traditionsclubs 1. FC Köln und Werder Bremen erneut ihre ablehnende Haltung, gegenüber der Deutschen Fußball Liga und deren Pläne eines Investoreneinstiegs demonstrieren würden, galt als gesichert. Nur wie weit würden sie gehen, die obligatorischen Proteste. Würden die Fans gar einen Spielabbruch provozieren, so wie es zuvor bereits etwa bei der Partie an der Alten Försterei zwischen Union Berlin und Borussia Mönchengladbach geschehen war? Die Sorge wabert durch Bundesliga. Doch nicht einmal der übliche Protest nach zwölf Minuten in Form eines Schokoladentaler-Hagels setzte ein in Köln. Erst zehn Minuten nach der Pause kamen nicht nur Tennisbälle geflogen aus der Südkurve, sondern auch kleine, ferngesteuerte Plastikautos, die ihre Runde durch den Werder-Strafraum drehten und so für eine kurze Unterbrechung sorgten. Die Ansage der Fans: Wir lassen uns von der DFL nicht fernsteuern. Das war lustig.

Anders als das folgende Resultat des FC, der sein Heimspiel gegen die Norddeutschen mit 0:1 (0:0) verlor. Es war ein Rückschlag und eine Enttäuschung im Abstiegskampf nach drei Spielen ohne Niederlage und fünf Punkten, die die Hoffnung auf einen Aufschwung unter Trainer Timo Schultz geschürt hatten. Lange hatte alles auf ein Remis hingedeutet, doch Justin Njinmah bestrafte eine Nachlässigkeit der Kölner in einer intensiven mit dem Tor des Tages (70.). Für die Kölner war es, das gehört zur Wahrheit dazu, auch spielerisch ein Rückschritt.

Zwei Veränderungen in der Startelf

Schultz nahm zwei Veränderungen in der Startelf vor. Für den gesperrten Jeff Cabot rückte der genesene Timo Hübers zurück auf seine Stammposition in der Abwehrzentrale, die er wie zuletzt in Hoffenheim mit seinem Kompagnon Luca Kilian straffen sollte. Zudem begann Linton Maina anstelle Faride Alidous, der erkrankt keinen Einlass fand in den Kader.

Der Spielaufbau der Schultz-Elf verlief zunächst schleppend. Sicherheit, das war klar, stand an erster Stelle. Die Kölner folgten ihrem Anleiter, der zuvor den hohen Wert der Defensive festgelegt hatte im zermürbenden Abstiegskampf, ohne dabei die Offensive vernachlässigen zu wollen. Gefährlicher sollte sie agieren als zuletzt im Kraichgau. Mehr Mut hatte er von seinen Spielern eingefordert.

Doch nach einem munteren Beginn gestaltete sich die Partie zerfahren, hektisch, mit zu wenig Präzision im Passspiel. Dabei hatte es einen Blitzstart gegeben, einen der Gäste. Keine Minute war gespielt, da hatte Bremen schon zwei Torschüsse angebracht durch Marvin Duksch, doch auch Köln versuchte gleich, mit Tempo in die gefährliche Zone zu dringen. Bei dem Versuch blieb es aber lange. Die Teams rieben sich in Nickligkeiten und harten Zweikämpfen auf, jedes auf der Suche nach dem entscheidenden Vorteil. Die Intensität, das war zu erwarten, war hoch. Das spielerische Vermögen, vor allem beim Gastgeber, dagegen sehr begrenzt.

FC kreiert kaum Chancen

Schultz betont ja gerne eine ausreichende Strafraumbesetzung seines Teams bei Flanken, doch in diese Situationen kamen sie recht selten. Auch die Versuche, über schnelles Umschaltspiel die Autobahn zum Ziel zu finden, verpuffte wie eine feuchtgewordene Silvesterrakete. Werder wirkte bei seinen Vorstößen gefährlicher. Selbst wenn Florian Kainz ein offensives Lebenszeichen setzte, doch die Direktabnahme des Kapitäns nach Pass Dejan Ljubicics auf die linke Seite hatte kaum Aussicht auf Erfolg (31.). Dann versuchte es der umtriebige Jan Thielmann, doch bei dessen Schuss von der Strafraumgrenze musste Werder-Torhüter Michael Zetterer nicht eingreifen. Der Ball ging knapp übers Tor (33.). Köln behielt die Kontrolle, setzte sich fest im Gäste-Territorium, ohne jedoch ein Schlupfloch zu finden in der humorlosen Defensive der Hansestädter. Linton Mainas Einzelaktion, als im Strafraum „eine Fußspitze“ fehlte, wie Schultz schon nach dem 1:1 in Hoffenheim beklagte, blieb die letzte Aktion der Hoffnung für die vor dem Wechsel wenig beeindruckenden Kölner (44.).

Von einem Ereignis wie vor rund einem Jahr schien die Partie meilenweit entfernt. „Denn wenn et Trömmelche jeht“, die FC Torhymne, berauschte damals alle, die es mit dem FC halten, beim unwirklichen 7:1 in Müngersdorf mehr als ein Dutzend Mal. Es blieb vor allem eines: Luft nach oben.

FC-Torhüter Schwäbe patzt

Der Wille, der Einsatz war dem Schultz-Team nicht abzusprechen. Doch erneut fehlte es an der Besetzung der gefährlichen Räume. Vielleicht wollten die Fans ihr Team dann noch einmal ermuntern mit der Wagen-Nummer im Zuge ihres Protests. Doch nach der kurzen Verschnaufpause waren es zunächst die Bremer, die zu einer Bedrohung wurden. Nach einer Ecke fabrizierte Hübers beinahe ein Eigentor (61.). Bremen ließ Köln spielen, aber nur dort, wo es ihnen nicht gefährlich werden konnte. Dann schlugen sie eiskalt zu. An einer hohen Hereingabe Weisers von rechts sprang FC-Torwart Marvin Schwäbe im Fünfmeterraum vorbei, und Justin Njinmah durfte den Ball über die Linie drücken (70.).

Der Rückstand, eine weitere Herausforderung für den FC. Die er fast postwenden gemeistert hätte. Doch nach einer Ecke und einem unfreiwilligen Kopfball Weisers klärte Marco Friedl den Ball die Linie entlang in die Arme seines Torhüters (75.). Glück für die Gäste. Dann segelte der abgefälschte Schuss des eingewechselten Justin Diehl knapp übers Tor (76.). Es ging wieder her statt hin, Duksch hatte die Vorentscheidung auf dem Fuß, scheiterte aber an Schwäbe (80.). Aufbauhilfe für den Kölner Schlussspurt, es war ein wilder. Und sie hatten Pech, das Zetterers Sprung in den Rücken Kilians im Strafraum nicht mit einem Strafstoß geahndet wurde (87.).

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort