1. FC Köln vor Duell mit den Bayern FC-Trainer Baumgart hofft auf das perfekte Spiel

Bonn · Mit Zutrauen und Mut: Der 1. FC Köln will dem FC Bayern um Torgarant Harry Kane wehtun. Trainer Steffen Baumgart weiß, wie das funktionieren kann.

Auf die Abwehr der Kölner um Timo Hübers (vorne) dürfte gegen den FC Bayern eine Menge Arbeit zukommen.

Auf die Abwehr der Kölner um Timo Hübers (vorne) dürfte gegen den FC Bayern eine Menge Arbeit zukommen.

Foto: dpa/Arne Dedert

Für einen nicht geringen Teil des deutschen Fußballvolks muten Länderspielpausen emotional gerade an wie ein Legostein, auf den man barfuß tritt. Mindestens. Eher schon sind sie in etwa so anziehend wie eine Wurzel-Operation beim Zahnarzt. Das allerdings hinderte Steffen Baumgart nicht daran, sich die beiden Niederlagen der Nationalmannschaft anzuschauen. Am Tag nach der Blamage in Österreich und zwei Tage vor dem Spiel gegen den FC Bayern am Freitag (20.30 Uhr/Dazn) konnte er sich jedoch nicht dazu durchringen, seine Eindrücke zu schildern („Ich lasse den Einblick bei mir“). Ohnehin dürften die Erkenntnisse, bezogen vor allem auf die Münchner im Nationaltrikot, eher dazu geeignet gewesen sein, die Aktien der eigenen Mannschaft deutlich gestiegen zu sehen.

Leroy Sané (Rote Karte), Serge Gnabry (ausgewechselt), Leon Goretzka (ausgewechselt), Joshua Kimmich (zunächst auf der Bank) und Thomas Müller (zunächst auf der Bank) schwammen gegen Österreich mit und gingen unter. Vermutlich hat Baumgart von einem anderen Dienstreisenden aus dem Bayern-Unternehmen positivere Nachrichten gehört. Zumindest beim 2:0 gegen Malta tat der Engländer Harry Kane das, was Harry Kane eigentlich immer tut: treffen. Dass der aufsehenerregende Transfer des Stürmers den FC Bayern stärker gemacht hat, ist allein an den Zahlen ablesbar. Satte 17 Tore hat Kane seit seiner Ankunft im Sommer allein in der Bundesliga erzielt – in elf Spielen. Das ist bereits jetzt eines mehr als die beiden Torschützenkönige der vergangenen Saison, Niclas Füllkrug und Christopher Nkunku, nach der 34. Runde zu Buche stehen hatten.

Baumgarts Lobeshymne auf Kane

In München pulverisiert der Engländer nach und nach alle Rekorde. Auch beim Verkauf seines Trikots mit den vier Buchstaben und der Nummer 9 befindet er sich in bei Bayern nie erreichten Höhen. Bis zum Ende der Saison erwartet der Branchenprimus mehr als 100.000 verkaufte Trikots. Dass sich Baumgart an dem Harry-Hype beteiligt und sich ebenfalls ein Leibchen des kommenden Gegners besorgt, steht nicht zu vermuten. Dass er Harry Kane in dessen Berufsausübung als nachweislich ausgebildeter Toremeister dennoch sehr schätzt dagegen schon. Kanes Darbietungen empfindet er als „überragend. Wenn er am Ball ist, kann‘s wehtun.“ Dennoch, für die Liga erachtet er ihn als Gewinn. Es sei schön, „so einen Spieler in der Bundesliga zu sehen. Das macht Spaß. Leider eben auf der anderen Seite.“ Die Befürchtungen in Köln vor der Bedrohung Kane greifen um sich. Innenverteidiger Timo Hübers, der am Freitag auf dem Rasen in engem Kontakt zu Kane stehen dürfte, weiß, was auf seine Mannschaft zukommt – auch in Person von Kane. In die Kategorie „absolute Weltklasse“ ordnet er den 30-Jährige ein und plädiert für ein Gemeinschaftskonzept. „Den“, sagte er über Kane, „den hält nicht einer allein auf, und es können auch noch ein paar andere um ihn herum gut kicken. Das gilt es, im Abwehrverbund aufzufangen.“

Vielleicht sollten sich die Kölner an die beiden Spiele erinnern gegen die Bayern in der vergangenen Saison. Das 1:1 in München und das 1:2 in Müngersdorf mit dem Treffer von Jamal Musiala in letzter Sekunde, dank dem der Branchenriese die elfte Meisterschaft hintereinander gewann, waren sehr achtbare Resultate. Sie beruhten auf dem Zutrauen, den Glauben in die eigenen Fähigkeiten, das Baumgart seit seinem Dienstantritt beim FC vor zweieinhalb Jahren durch intensive Überzeugungsarbeit nach und nach freigelegt hatte. Das führte zu einer gewissen Leichtigkeit, die den Kölnern in diesen Tagen verloren gegangen ist. Zumindest nach außen bezeugen die Spieler den festen Glauben an ihre Möglichkeiten. Hübers erwartet ein Spiel, in dem „es möglich ist, ein bis drei Punkte zu holen – und das ist auch die Marschroute für Freitag“. Man müsse in den „talentfreien Tugenden besser sein als die Bayern“, doch selbst dann sei es „nicht gesichert, dass wir etwas holen“.

Bayern-Profis geschlaucht von den Länderspielreisen

Selbst wenn die Pokal-Blamage gegen den 1. FC Saarbrücken noch immer etwas bleiern über den Münchnern liegt, die Kölner Konkurrenz im Keller hat schon gewaltige Niederlagen gegen das Team von Trainer Thomas Tuchel hinnehmen müssen (Bochum 0:7, Darmstadt 0:8). Gegen diesen Gegner gehört mehr dazu als bloßer Glaube. Ein Beitrag leisten zu einem mindestens achtbaren Ergebnis muss auch die „Tagesform, ein gewisses Quäntchen“, glaubt Baumgart, der von seiner Mannschaft – wie stets – nicht weniger erwartet als Überzeugung. „Wir sollten uns auf die Fahne schreiben, was uns stark gemacht hat“, sagte der 51-Jährige: „Mutig sein. Klar sein. Nach vorn angreifen. Es geht immer um Mentalität, Einsatz und Laufbereitschaft.“ Und das, betont der Trainer, habe „nichts mit dem großen Namen zu tun“, den die Bayern stets stolz vor sich hertragen.

Dass einige Münchner Profis mit dem Rucksack zweier Niederlagen mit der deutschen Nationalmannschaft in Müngersdorf aufschlagen, dürfte er dabei nicht in seine Überlegungen einfließen lassen. Auf der anderen Seite erneuerte Tuchel gerade seine Kritik an der DFL-Spielansetzung. Zumal er einige Auswahlspieler wie Alphonso Davies (Länderspiel in Kanada) und Minjae Kim (in China) erst einen Tag vor dem Spiel wieder begrüßen durfte. Der Bayern-Coach berichtete von einem „Feedback der Nationaltrainer, dass die Topspieler, die auf höchstem Niveau Champions League und Nationalmannschaft spielen, müde sind. Mental müde, emotional müde, physisch müde“.

Die Qualität der Mannschaft steht ja dennoch außer Frage. „Wir können am Freitag das beste Spiel unseres Lebens machen und dennoch verlieren“, sagte Baumgart. „Aber wir müssen unser bestes Spiel machen, um eine Chance zu haben.“ Mal sehen, ob Kane und Co. das zulassen.

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