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1. FC Köln gegen Champions-League-Starter Leipzig mit offenem Visier

Steffen Baumgarts Marschroute : 1. FC Köln auch gegen Leipzig mit offenem Visier

FC-Trainer Steffen Baumgart setzt weiterhin auf Aggressivität und Vorwärtsdrang. Er warnt aber vor der großen Qualität von Gegner RB Leipzig.

Das Wort Hoffnung hat im Sprachgebrauch des Fußballlehrers Steffen Baumgart nicht viel Platz. Ein weiser Satz eines großen deutschen Dichters dürfte ihm dennoch recht gefallen: „Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.“ Den sagte einst Friedrich Schiller. Ein Wagnis einzugehen, das ist Baumgart nicht fremd. Allein sein Wechsel zum 1. FC Köln, der dem Abstieg in die zweite Liga erst in der Relegation entkommen war, bildet ein solches ab. Doch der 49-Jährige empfindet sein Engagement in Köln wohl weniger als Vabanquespiel denn als Chance: den 1. FC Köln wieder zu einer festen Größe in der Erstklassigkeit zu formen, ohne dabei allzuviel Glück in Anspruch nehmen zu müssen.

Er bedient sich dabei einer Methodik im Umgang mit seiner Mannschaft, die auf Aktivität setzt statt Passivität. Auf Vorwärtsdrang statt Rückwärtsgang. Auf das eigene Gestalten statt Fremdbestimmtheit. Er verfolgt ein klares Konzept, das das Mitwirken des Zufalls und des Prinzips Hoffnung möglichst gering halten soll. Er wolle nicht „auf Hoffnung arbeiten. Wir gehen mit einem klaren Plan und offenem Visier nach vorn“, sagte er vor dem Bundesliga-Duell an diesem Samstag mit RB Leipzig (18.30 Uhr/Sky), „und dann werden wir sehen, was herauskommt“.

Ein Produkt des Zufalls

Betrachtet man den 1. FC Köln der vorigen Saison unter Ex-Trainer Markus Gisdol, war das, was im April dieses Jahres dabei herausgekommen ist, eher ein Produkt des Zufalls, wenngleich ein aus FC-Sicht sehr schönes. 2:1 gewann der FC gegen die Sachsen. Der überraschende Sieg war jedoch keinem großen Plan geschuldet, wie Baumgart glaubt. Er findet, „dass die Kölner da gewonnen haben, war reiner Zufall“. Die Leidenschaft wollte er den FC-Profis gleichwohl nicht absprechen, aber „Leipzig war fußballerisch in allen Belangen überlegen. Ich habe es nur gerne, wenn man Spiele nicht zufällig gewinnt, sondern wenn etwas dahinter steckt“.

Der Weg, den er mit seinem Team nun beschreitet, weicht von dem damaligen ab. Deutlich. Baumgart will mehr, „als diese eine Torchance zu erarbeiten“. Dass dieser Weg noch nicht an sein Ende gelangt ist, dürfte klar sein. Auffallend aber ist die Entwicklung hin zu einer Mannschaft, die selbst Möglichkeiten kreiert, ohne sich dabei allein auf das Heil des Konterfußballs zu verlassen. Und auch gegen die Leipziger, deren bislang drei Punkte aus vier Spielen unter dem Nagelsmann-Nachfolger Jesse Marsch getrost der Rubrik Fehlstart zugeordnet werden können, wird sich der Plan nicht ändern, auch „weil uns die Endgeschwindigkeit fehlt. Also müssen wir die Bälle vorn gewinnen, um einen kurzen Weg zum Tor zu haben“. Zumal RB dem 1:4 im Ligaduell mit Bayern München ein noch deftigeres 3:6 in der Champions League bei Manchester City folgen ließ. Der Gegner scheint zumindest angeschlagen. Zugegeben, es waren zwei nicht ganz unbedeutende Gegner, doch insgesamt zehn Gegentreffer sind auch gegen diese Schwergewichte alarmierend.

„Ergebniskrise, keine Leistungskrise“

Baumgart möchte sich davon jedoch nicht blenden lassen, selbst wenn die Leipziger „gegen Bayern und Manchester viele Tore bekommen. Sie haben eine Ergebniskrise, keine Leistungskrise“. Die „hohe Qualität auf allen Positionen“ ist auch Baumgart bewusst, selbst wenn er den RB-Auftritt in Manchester eher beiläufig verfolgte. „Ich habe gestern nicht so viel Champions League geguckt“, gab er am Donnerstag zu. „Ich hatte trotz alledem einen schönen Abend in anderer Gesellschaft.“

Die Tore habe er aber schon gesehen. Und, natürlich, einen umfassenden Eindruck vom kommenden Gegner hat er sich längst verschafft. Und dabei erkannt, dass sich der Fußball der Leipziger unter Jesse Marsch „zu jenem entwickelt hat, wie sie ihn vor Julian Nagelsmann gespielt haben: sehr aggressiv im Gegenpressing“.

Die Bundesliga und die Königsklasse miteinander zu vergleichen, hält Baumgart ohnehin für nicht zulässig. Er könne sagen, „dass es für mich zwei verschiedene Wettbewerbe sind. Wir sind bundesligamäßig sehr, sehr gut vorbereitet. Dementsprechend wissen wir, was auf uns zukommt“. Das werden auch die Sachsen um den dreimaligen Torschützen von Manchester, Christopher Nkunku, konkret ahnen. Die Kölner werden aber wieder, davon ist zwingend auszugehen, mit allem dagegenhalten, was der Körper und die Füße hergeben.

Kainz und Lemperle fehlen

Die Mannschaft wird sich am Samstag nur in Nuancen ändern. Neben dem gesperrten Stammspieler Florian Kainz wird in Tim Lemperle eine weitere Offensivkraft wegen einer Sprunggelenksverletzung fehlen. Sicher ist, dass Jonas Hector wieder als Linksverteidiger aufläuft. Die Möglichkeiten des Kapitäns, noch einmal zwei Treffer wie beim 2:1 seinerzeit im April zu erzielen, dürften also sehr eingeschränkt sein. Damals lief er im Mittelfeld auf.

Dennoch wird Baumgart, treu seinem Naturell, die Kölner nach vorn schicken, treiben. Denn eines hat er aus dem 1:1 in Freiburg mitgenommen, sagt: „Wir sind in alte Muster gefallen. Wir haben versucht, das 1:0 zu verteidigen und nicht das 2:0 zu machen.“ Ein Fehler. Aus seiner Sicht, in der Leipzig als „eine der stärksten Mannschaften der Liga“ erscheint. „Dementsprechend werden sie auch ins Rollen kommen. Ich hoffe nicht gegen uns und ich hoffe, dass wir Lösungen haben.“ Ganz ohne Hoffnung kommt eben auch ein Steffen Baumgart nicht aus.