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1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf: Stillstes Rheinderby aller Zeiten

Das „stillste Rheinderby aller Zeiten“ : 1. FC Köln gleicht in letzten Minuten gegen Düsseldorf aus

„Wir sind nach dem 0:2 nicht weggekippt, sondern stabil geblieben“, resümiert Trainer Markus Gisdol das Unentschieden, das der 1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf erzielte.

Zu den wesentlichen Bestandteilen des Profifußballs gehört das Publikum. Keine neue Erkenntnis im Zeitalter von Geisterspielen, aber eine, deren Wirkung sich entfaltet und Einfluss auf die Art von Spiel nimmt, die sich zu einem großen Teil von Emotionen nährt. Der 1. FC Köln musste nach dem 2:2 (0:1) gegen Mainz 05 diese Erfahrung auch im zweiten Heimspiel in Folge gegen Fortuna Düsseldorf machen.

Das Remis im stillsten Rheinderby aller Zeiten war sehr schmeichelhaft und vermittelte den Eindruck, dass das menschenleere Rheinenergiestadion den Geißböcken nicht gut tut. Nur mit viel Willen, Mut zum Risiko und zwei Kopfballtoren von Anthony Modeste sowie Jhon Cordoba rettete der FC trotz eines scheinbar aussichtslosen 0:2-Rückstandes nach 88 Minuten noch ein Remis. Ein Punkt, der wie der Zähler gegen Mainz einen Konkurrenten im Abstiegskampf auf Abstand gehalten hat – und das ist und bleibt das Gebot der Stunde.

„Der Heimvorteil, der mit den eigenen Fans und deren Unterstützung zusammenhängt, geht ein wenig verloren. Vielleicht braucht es noch etwas Zeit, um Ideen zu entwickeln, wie man den Heimvorteil ohne Zuschauer besser für sich nutzen kann.“ FC-Sportchef Horst Heldt hatte im Vorfeld des Derbys schon so eine Ahnung. Das Thema der fehlenden Fans ist eines, das die Geißböcke offensichtlich stärker tangiert als andere Clubs. Bis zur 88. Minute litt der einsame Gastgeber unter dem Adrenalin-Entzug durch die Zuschauer. Es brauchte einen Anthony Modeste und die Wiederbelebung seiner emotionalen Spielweise, um das ganze Team wie einst beim Ritt nach Europa entscheidend anzustecken. Das Kopfballtor des eingewechselten Franzosen zum 1:2 (88.) löste alle Geisterspiel-Blockaden und setzte die Kräfte frei, an die Heldt mit seinen Ideen wohl gedacht haben mag. „Man konnte sofort sehen, dass Tony noch etwas bewegen wollte“, lobte Markus Gisdol den aufs Abstellgleis geratenen Torjäger. Der FC-Trainer verstärkte nach dem Anschluss die Wucht im Sturmzentrum mit Simon Terodde weiter und entfachte mit seinem Mut noch mehr Feuer. Joker Dominick Drexler stach drei Minuten nach Modestes Tor mit seiner zweiten perfekten Flanke erneut in den Düsseldorfer Strafraum. Jhon Cordoba traf per Kopf zu seinem elften Saisontor und dem nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. „Letzte Woche gegen Mainz hat sich das 2:2 nach 2:0-Führung wie eine Niederlage angefühlt, diesmal ist es eher ein 2:2-Sieg“, freute sich FC-Torwart Timo Horn über den wichtigen Punkt.

Es war ein glücklicher Zähler, denn die Düsseldorfer hatten lange den besseren, ja überhaupt einen Plan gehabt und führten verdient durch Treffer von Kenan Karaman (41.) und Köln-Schreck Erik Tommy (61.) mit 2:0. Das FC-Spiel litt neben der fehlenden Fan-Unterstützung unter Ideenlosigkeit und Schnörkeln. „Wir hatten ein schlechtes Passspiel und haben es uns damit schwer gemacht. Wir müssen einfacher spielen“, kritisierte Kapitän Jons Hector.

Die Kölner agierten gegen das eklige, konsequente und vorzugsweise auf die linke FC-Abwehrseite ausgerichtete Düsseldorfer Pressing mit langen Bällen ohne Adressaten. Nach vorne ging nichts, und hinten gerieten vor allem Noah Katterbach und Toni Leistner immer wieder in Not. „Wir wissen, wo wir sie packen können“, hatte Fortuna-Coach Uwe Rösler ja auch angekündigt. Als Katterbach sich wieder einmal aus der Bedrängnis retten musste, fand sein Pass Ellyes Skhiri vor dem eigenen Strafraum nicht. Leistner fälschte Karamans Schuss noch unglücklich ab.

Das Tor zum 0:2 war ein blitzsauberer Konter, den Tommy technisch anspruchsvoll und cool veredelte. „Düsseldorf hat uns und unser Aufbauspiel gut ausgelesen“, räumte Markus Gisdol ein.

Das 0:2 war eigentlich der K.o. für den FC, denn zwei Minuten zuvor war Mark Uth mit einem an ihm selbst verschuldeten Elfmeter an Düsseldorfs Torwart Florian Kastenmaier gescheitert. „Ich wollte ihn verladen und bin dann auf sein Zucken eingestiegen. Ich bin den Jungs dankbar, dass sie alles reingeworfen und mich aus dem Mist geholt zu haben“, sagte der Unglücksschütze.

Auch seinen Trainer machte die Moral der Mannschaft glücklich. „Wir sind nach dem 0:2-Rückstand nicht weggekippt, sondern stabil geblieben“, lobte Gisdol. Wahrscheinlich ist das die Erkenntnis dieses zweiten Geister-Heimspiels für die Geißböcke. Ohne die Unterstützung der Zuschauer hilft am Ende wohl nur guter, ehrlicher und einfacher Fußball.