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1. FC Köln: Interview mit dem Sportpsychologen Thorsten Loch

Interview mit dem Sportpsychologen Thorsten Loch : „Höchstleistung kann man nicht erzwingen – sie passiert“

Für den 1. FC Köln geht es am Samstagabend zum Relegationsrückspiel nach Kiel. Der sportpsychologische Berater Thorsten Loch spricht über den Druck vor dem Spiel und den richtigen Umgang damit.

Nicht nur die Fans des 1. FC Köln sind vor dem Relegations-Rückspiel gegen Holstein Kiel nervös. Insbesondere auf den Spielern liegt ein großer Druck. Solche existenziellen Situationen werden im Sport gerne mit „do or die“ umschrieben. Ein Experte auf diesem Gebiet ist Thorsten Loch (46). Mit dem Sportpsychologischen Berater aus Hennef haben Simon Bartsch und Guido Hain gesprochen.

Am Samstatg droht dem 1. FC Köln der Abstieg aus der Bundesliga. Was macht das mit den Spielern?

Thorsten Loch: „Das ist natürlich höchst individuell. Es kommt beispielsweise darauf an, welche Erfahrungen die Spieler in der Vergangenheit erlebt haben. Sind diese gut gewesen und man attribuiert diese selbstwertdienlich, sprich ich war kompetent und selbstwirksam, dann kann eine solch bedrohliche Situation auch als Herausforderung gesehen werden.“

Und wenn die Erfahrungen schlecht waren?

Loch: „Es immer schwer, wenn ich mich im Moment der Leistungserbringung mit möglichen Konsequenzen beschäftige. Während des Spiels soll sich der Kopf mit Dingen beschäftigen, die einen unterstützen und nicht stören.“

Sind junge, unbekümmerte Mannschaften im Vorteil oder zählt die Erfahrung?

Loch: „Letztendlich kommt es darauf an, dass es einem gelingt, im Hier und jetzt zu sein und los zu lassen. Höchstleistung kann man nicht erzwingen – sie passiert. Diesbezüglich kann Unerfahrenheit helfen, aber auch gleichzeitig ein Störfaktor sein. Es kommt auf das Individuum an, wie selbstwirksam sich der Spieler in dem Moment erlebt.“

Welche Möglichkeiten hat ein Trainer, auf die Spieler einzuwirken?

Loch: „Die Spieler haben das Fußballspielen nicht verlernt. Der Trainer ist darin gut beraten, seinen Spielern klar zu machen, dass sie von ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten das Potenzial respektive das Rüstzeug besitzen, um erfolgreich aus dem Wettkampf zu gehen. Diese Überzeugung müssen die Spieler erlangen.“

Wie muss ein Trainer wie Friedhelm Funkel gerade mit den jungen Spielern umgehen? Einzelgespräche mit ihnen führen? Oder besser in Ruhe lassen?

Loch: „Wie zuvor kurz angedeutet. Die Spieler müssen die Überzeugung bekommen, dass sie sich kompetent erleben. Eine hohe sportbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugung meint in diesem Zusammenhang, dass jemand die nötige Kompetenz besitzt, um erfolgreich ein Spiel zu bestreiten. Hier ist es auch wieder höchst individuell und von den Spielern abhängig. Der eine möchte Einzelgespräche, der andere möchte in Ruhe gelassen werden. Das Zauberwort ist in diesem Zusammenhang Kommunikation. Fragen, was die Spieler in dem Moment brauchen, nur dann kann ich es als Trainer auch bedienen.“

 Mit dem Rücken zur Wand hat der FC die besten Spiele bestritten. Gibt es Mannschaften, die unter Druck besser performen? 

Loch: „Definitiv. Eine aussichtslose Situation kann ein Team noch mehr zusammenschweißen und es kann zu einer Trotzreaktion führen. Zu einer Jetzt-erst-recht-Situation. Neben der individuellen Kompetemzüberzeugung gibt es auch eine mannschaftsbezogene, kollektive Kompetenzüberzeugung. Ist unsere Art Fußball zu spielen erfolgreich, sind unsere Spielzüge gut oder stark, glaube ich an sie oder habe ich die Überzeugung davon, dass sie uns an unser Ziel bringen. Es ist immer wieder – vor allem im Pokal – zu beobachten, dass am Ende des Spiels der Matchplan über den Haufen geworfen wird. Man verändert seine Taktik, die man unter der Woche fortwährend trainiert und tauscht sie ein gegen lange Bälle und hofft auf Glück oder Zufall. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise der FC Bayern und der berühmte Bayern-Dusel. Sicherlich haben die Münchner hin und wieder das nötige Glück, aber wenn man genau hinschaut, ziehen sie ihr Spiel gnadenlos bis zum Schlusspfiff durch. Sie kontrollieren das, was man kontrollieren kann und das ist letztendlich das eigene Verhalten inklusive etwa dem Aufbauspiel.“

Wie wichtig ist mentales Training im Mannschaftssport?

Loch: „Es ist nicht wichtiger als andere Teilbereich der Leistungserbringung. Aber im mentalen Bereich sind noch die größten Ressourcen frei. Genauso im Bereich der Regeneration. Gut sein, wenn’s drauf ankommt. Fasst es schön zusammen. Nicht im Training, sondern am Tag x zur Uhrzeit y. Dann muss ich mein Potenzial abrufen können, und hier kann und soll Sportpsychologie den Sportlern helfen, sich eigenständig zu regulieren, damit sie an ihre peak performance kommen.“