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1. FC Köln: Kampf um die Plätze vor dem Start

1. FC Köln vor dem Start : Jan Thielmann spielt sich in den Vordergrund

Der Kampf um die Plätze in der Startelf des 1. FC Köln ist voll entbrannt. Langsam zeichnet sich die Formation für das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal in Jena ab. Es gibt Gewinner und Verlierer.

Nun sollte natürlich nicht gleich der Eindruck entstehen, die Protagonisten des 1. FC Köln lassen es jetzt, nach fast fünf Wochen der intensiven Arbeit, etwas gemächlicher angehen. Es war ein geselliger Nachmittag, zu dem Trainer Steffen Baumgart die Mannschaft und das Funktionsteam mitsamt ihren Familien eingeladen hatte. Das gemeinsame Grillen am Geißbockheim diente dem Kennenlernen untereinander, ein wenig Entspannung nach einer Vorbereitungszeit, die zwar noch nicht abgeschlossen ist, aber schon erste wichtige Erkenntnisse gebracht hat. Nach einem trainingsfreien Montag beginnt heute die unmittelbare Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel der Saison: Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) gilt es für den Bundesligisten, die erste Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena zu überstehen.

Baumgarts Fazit der Vorbereitung fällt „komplett positiv“ aus, „auch, wenn noch nicht alles klappt“. So verhielt es sich auch im abschließenden Testspiel gegen Roda Kerkrade. Beim 1:1 (Kölner Torschütze: Tim Lemperle) gegen den niederländischen Zweitligisten zeigten die FC-Profis lange das von ihrem Trainer geforderte intensive Pressing, rückten weit auf, liefen aber in einige gefährliche Konter – wie beim 0:1. Baumgart zeigte sich dennoch zufrieden, sagte: „Die Jungs marschieren.“ Wer von den „Jungs“ in Jena in der Startformation steht, ist noch nicht abzusehen. „Es gibt zwei, drei Positionen, die klar sind“, sagte Baumgart, „auf allen anderen Positionen finden sehr gute Zweikämpfe statt.“ In sechs Testspielen blieb der FC zumindest ungeschlagen (vier Siege, zwei Remis), allerdings gegen größtenteils unterklassige Gegner. So gilt auch am Geißbockheim das Credo: Nach dem Grillen ist vor der Arbeit. Zumal Baumgart „gewisse Wellentäler“ einkalkuliert – und einen schwierigen Start erwartet.

Auf der falschen Seite

Das liegt auch und vor allem an der Abwehr. Deren Zusammenstellung bedeutet für Baumgart eine große Herausforderung. Es ist bezeichnend, dass Benno Schmitz, der seinen natürlichen Lebensraum eigentlich auf der rechten Seite hat, zuletzt auf der linken Seite verteidigen musste. Das tat er zwar sehr ordentlich, zeigt aber eine offenkundige Schwachstelle der Kölner. Da Jannes Horn verletzt ist und Ismail Jakobs den Verein verlassen hat, steht in Noah Katterbach derzeit lediglich ein gelernter Linksverteidiger im Kader. Doch der 20-Jährige, der unter Ex-Trainer Markus Gisdol seine Befähigung zur Stammkraft bereits nachgewiesen hat, hinkt den Ansprüchen in diesen Tagen trotz allen Eifers hinterher. Schmitz dürfte daher in Jena die Stellung auf der linken Seite halten. Er könnte also zum Gewinner der Vorbereitung werden – auf der falschen Seite.

Auf der richtigen Seite, also rechts, hat Kingsley Ehizibue den Trainer mit seiner Schnelligkeit überzeugt und spielt in dessen Formation eine wichtige Rolle. Sein Manko, die Mitspieler mit seinen Aktionen häufiger zu verwirren als die Gegenspieler bei seinen Vorstößen, scheint er abgelegt zu haben. Zudem hilft er mit seiner Körpergröße bei Standards.

Im Zentrum, in dem der nach Wolfsburg abgewanderte Sebastiaan Bornauw mit seiner Schnelligkeit, Zweikampfführung und Stärke bei Standards eine Lücke hinterlässt, führt kein Weg vorbei an Rafael Czichos. An der Seite des Routiniers spielte im Test gegen Kerkrade Rückkehrer Timo Hübers in der Innenverteidigung. Ein Wink mit dem Baumgart’schen Zaunpfahl? Abwarten. Auch Jorge Meré will beim FC zeigen, dass er mehr ist als ein großartiges Talent. Der Spanier hat dieses beim FC bislang nicht konstant funkeln lassen, unter Gisdol aber zumindest angedeutet. Ein enges Rennen um den Startplatz zwischen den beiden.

Ein Ehrenfelder in der Startelf

Mit nicht wenig Talent bedacht wurde auch Salih Özcan. Das ist natürlich auch Coach Baumgart nicht entgangen. Er hat den Ehrenfelder „Jung“, der sich auf dem Sprung befand, nicht nur zu einem Verbleib überredet, sondern scheint ihm im defensiven Mittelfeld eine tragende Rolle zuzutrauen. Die beiden scheinen sich gut zu verstehen. Der U21-Europameister, in der vorvergangenen Saison nach Kiel ausgeliehen, will sich langfristig in seiner Heimatstadt einrichten – das Zeug zur Stammkraft bringt er allemal mit. Zumal wenn sein Konkurrent als „Sechser“, Ellyes Skhiri, den Verein doch noch verlassen sollte. Ansonsten dürfte der Dauerläufer aus Tunesien gesetzt sein. Neuzugang Dejan Ljubicic benötigt noch etwas Zeit zur Eingewöhnung, zeigt aber gute Ansätze.

Über diesen Status ist Jonas Hector längst hinaus. Der ehemalige Nationalspieler ist die prägende Figur im Kölner Spiel und kann links in der Mittelfeldraute sowohl die Defensive stabilisieren als auch Impulse nach vorn setzen.

Thielmanns neue Stärke

Die soll auch Ondrej Duda geben. Doch da der Slowake wegen der EM erst im Trainingslager zur Mannschaft stieß, wird wohl Rückkehrer Mark Uth seine Stärken auf der Zehner-Position ausspielen. Er ist ein fußballerischer Freigeist, der mit seiner Kreativität und dem Hang zum Risikopass der Mannschaft wertvolle Dienste erweisen kann. An ihm führt kein Weg vorbei.

Da aber Duda in der vergangenen Saison schon bewiesen hat, dass er nicht nur in der Kreativzentrale mit seiner brillanten Technik ein Gewinn für das Team ist, könnte er in der ersten Elf auch in vorderster Front zum Zug kommen. Dort hat sich der junge Jan Thielmann in den Tests beeindruckend forsch gezeigt. Mit neuem Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und seiner Schnelligkeit, mit der er nicht nur bei eigenem Ballbesitz den Gegner unter Druck setzen kann, sondern auch als Anläufer im Pressing des FC, hat er sich herzerfrischend in den Vordergrund gespielt.

Sehr gut möglich, dass Baumgart dem 19-Jährigen als Partner Anthony Modeste zur Seite stellt. Nach schwierigen Jahren will der französische Alterspräsident in Köln noch einmal zeigen, dass er es immer noch kann, das mit dem Toreschießen. Er will sich durchsetzen – das hat er in der Vorbereitung gezeigt. Und es könnte gelingen, da Sebastian Andersson wegen seiner körperlichen Problemen immer noch nicht in der Lage ist, auf diesem Niveau mehr als nur punktuell eine Hilfe zu sein.