Duell gegen RB 1. FC Köln: Wie realistisch ist ein Sieg gegen Leipzig?

Analyse | Köln · Am Freitagabend ist der 1. FC Köln zu Gast bei RB Leipzig. In der Tabelle liegen die Kölner vor den Sachsen. Ein Selbstläufer dürfte die Begegnung bei RB aber nicht werden.

1. FC Köln: Kann der FC gegen Leipzig gewinnen?
Foto: dpa/Marius Becker

Die Vorgaben der Kölner Verantwortlichen sind eindeutig: Unbedingt die Klasse halten, lautet die Devise, die die Kölner Entscheidungsträger fast schon mantraartig runterbeten. „Mit 32 Punkten bleibst du nicht in der Liga. Wir wollen frühzeitig die 40-Punkte-Marke knacken“, hatte vor wenigen Tagen Thomas Kessler, Leiter der Lizenzspielerabteilung, wiederholt. „Erstmal geht es um den Klassenerhalt“, hatte auch Torjäger Anthony Modeste nach dem Spiel gegen Freiburg am vergangenen Samstag gesagt. Und André Pawlak, Baumgarts Assistent und kurzfristige Vertretung, merkte ebenfalls an, erst einmal die vermeintlich nötigen 40 Punkte für den Klassenerhalt holen zu wollen.

Und doch ist das Selbstverständnis beim FC ein anderes geworden. „Wir wollen den Abstand auf die Abstiegsplätze mit jedem Sieg vergrößern und peilen die 40er-Marke an“, sagte am Dienstag auch Salih Özcan. Aber: „Gegen Leipzig hoffen wir erstmal auf die nächsten drei Punkte.“ Noch in der vergangenen Spielzeit wäre man vor dem Duell gegen RB mehr als zufrieden mit einem Punkt gewesen. Dass Köln am Ende sogar vier Zähler holte (0:0 in Köln, 2:1-Erfolg in Leipzig), kam einer Sensation gleich und hatte maßgeblichen Anteil an der knappen Rettung der Geißböcke. Dennoch: Einen Punkt am 22. Spieltag in Leipzig hätte man in Köln vor der Saison wohl auch umgehend unterschrieben. Zufrieden wird der FC auch am Freitag mit einem Zähler sein. Doch es scheint auch mehr möglich zu sein: „Leipzig darf man nicht ins Spiel kommen lassen. Dann sind auch dort drei Punkte möglich für uns“, sagte Özcan.

Leipzig unter Domenico Tedesco deutlich besser

Die Statistik untermauert das Kölner Selbstvertrauen auf den ersten Blick. Der FC belegt aktuell mit 32 Zählern den sechsten Tabellenplatz, ein Rang dahinter liegt Leipzig mit 31 Punkten. Die Tabelle liefert also genügend Grund, mit Selbstvertrauen nach Sachsen zu fahren. Zudem hatte Köln auch beim 1:1 im Hinspiel die Chance, als Sieger vom Platz zu gehen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn die Tabelle spiegelt nicht den aktuellen Leistungsstand von RB wider. Seit der Amtsübernahme von Trainer Domenico Tedesco hat Leipzig nur zwei von neun Spielen verloren. Darunter das 2:3 gegen den FC Bayern am vergangenen Spieltag, bei dem auch mehr möglich gewesen wäre.

Tedesco scheint bei RB die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt zu haben. Der Leipziger Coach hat in wenigen Wochen einige Spieler deutlich verbessert, erinnert dabei an sein Gegenüber Baumgart, der Akteure wie eben Modeste oder Özcan zu alter Stärke verholfen hat. Unter Tedesco wirken Spieler wie Dominik Szoboszlai oder André Silva wie verwandelt. Silva erzielte alleine seit Tedescos Amtsantritt sechs Ligatore. Auch ein Lukas Klostermann ist kaum wiederzuerkennen. RB tritt deutlich dominanter als noch zu Beginn der Saison auf. Nach wie vor ist RB das zweikampfstärkste Team der Liga, versucht nun aber zunehmend über die enorme Qualität im Kader zu punkten. Allen voran über Christopher Nkunku, der schon auf 19 Scorerpunkte kommt. Nur Robert Lewandowski, Thomas Müller, Erling Haaland und Patrik Schick weisen bessere Werte auf.

Dass die Begegnung gegen Leipzig kein Selbstläufer wird, weiß man in Köln natürlich auch. „Leipzig hat eine schnelle Mannschaft, die technisch sehr versiert ist. Gegen Bayern haben sie viel auf Konter gesetzt“, sagte Özcan. „Wir müssen die Räume gut zu machen, Konter vermeiden und permanent ekelig in den Zweikämpfen sein.“ Dann sind drei Punkte realistisch.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort