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1. FC Köln: Lukas Berg hat sich zum Aufsteiger entwickelt

Heldt schenkt ihm Vertrauen : Lukas Berg übernimmt beim 1. FC Köln Verantwortung

An der Seite von Manager Horst Heldt hat Lukas Berg eine leitende Funktion beim 1. FC Köln übernommen. Dabei ist der frühere Chefscout des Bonner SC erst 27 Jahre alt.

Als Lukas Berg das Licht der Welt erblickte, da war Horst Heldt gerade ein aufstrebender Fußballer im Profi-Geschäft. Im August 1993 war das, und das alte Postleitzahlensystem bekam seinerzeit einen neuen Anstrich verpasst. So wuchs Berg also nicht im guten, alten 5 Köln 80 auf. Doch Dellbrück (51069) ist seine Heimat. Nun ist es leicht nachvollziehbar, dass sich Bergs Kindheits-Erinnerungen nicht aus jenem Heldt speisen, der damals als Linksfuß im Trikot des 1. FC Köln Aufsehen erregte. Denn den zog es bald schon weiter. Die FC-Helden seiner Jugend waren andere: Lukas Podolski, Matthias Scherz. „Horst Heldt stammt aus einer anderen Generation“, sagt Berg. „Er ist mir in meinem inneren Auge aus seiner Ära beim VfB Stuttgart präsent.“

Dass sich die beiden nun dennoch beruflich stark angenähert haben, ist mit dem abgewetzten Begriff Schicksal nicht ausreichend erklärt. Denn Berg, inzwischen 27, ist auf dem besten Wege, sich durchzuschlagen in einer harten und verästelten Branche, in der der Aufstieg in höhere Ämter auch verbunden ist mit dem Aufbau einiger Erfahrung. Seit Ende Januar arbeitet Lukas Berg nun als sogenannter „Leiter Administration Lizenzspielerabteilung“ beim FC, eine Berufsbezeichnung, die „vielleicht ein bisschen sperrig“ klingt, wie er selbst zugibt. Ein neu geschaffenes Jobprofil, mit dem sich der Club in der Nachfolge des ehemaligen Lizenzspielerchefs und Kaderplaners Frank Aehlig, der inzwischen in das Red-Bull-Universum nach Leipzig zurückgekehrt ist, bestmöglich aufstellen will.

Heldt schenkt ihm Vertrauen

Der Verein und Sportchef Horst Heldt gaben ihm das Vertrauen mit auf den Weg, eine Leitungsfunktion auszufüllen, die „etwas mehr Gewicht auf den administrativen Bereich legt, ohne den sportlichen Bereich aus den Augen zu verlieren“. Auf seine Verwirklichung auf dem sportlichen Feld, darauf hat er immer wert gelegt, und seine Funktion soll eben jenen Bereich auch „abbilden und abwickeln. Es ist ein bunter Blumenstrauß von Aufgaben, die einfach erledigt werden und funktionieren müssen, damit der tagtägliche Apparat Profifußball läuft“. Jeden Tag eine neue Herausforderung. „Eine tolle neue Herausforderung“, wie er findet, „hier in dieser Funktion jeden Morgen ans Geißbockheim zu kommen.“

Transferabwicklungen, Vertragsverhandlungen, Budgetkontrollen – mit solchen Themen ist er betraut, obgleich die schlussendliche Entscheidungsfindung natürlich nicht zu seinem Aufgabengebiet gehört. Noch nicht. Vielmehr fungiert der Dellbrücker als gestalterisches Bindeglied mit einigem Verständnis für Strukturen in einem solchen Unternehmen wie dem FC.

Wenn man so will, ist der Kölner Heldts Co-Autor, der die Geschichte des FC mit fortschreiben soll, kein Assistent, der nur willig die Hand reicht. Er ist vielmehr die rechte Hand des Sportchefs. Bereits seit fünf Jahren arbeitet er im Club, inzwischen hauptberuflich, und unterstützte schon Aehlig in der Funktion als Projektleiter der Digitalisierung, die er auch künftig mit Leben füllen soll, und bei der Umsetzung des DFL-Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts. „Lukas hat sich mit verschiedenen Projekten, die er bei uns verantwortet hat, einen ausgezeichneten Ruf am Geißbockheim erarbeitet“, sagt Heldt. „Dazu hat er beim Bonner SC im sportlichen Bereich Verantwortung übernommen.“

Tatsächlich hat sich Berg, der schon mit 17 Jahren die C-Jugendmannschaft seines Heimatclubs Adler Dellbrück trainierte und inzwischen über die DFB-Elite-Jugend-Lizenz verfügt („damit ich weiß, wovon ich spreche“), schon früh mit strukturellen Abläufen in Vereinen befasst. Alles war darauf ausgerichtet, im Profifußball den Fuß in die Tür zu bekommen. Dennoch: Er war „kurz sprachlos“, als er kurz vor Weihnachten die Nachricht erhielt, der Auserkorene für diesen Job zu sein. „Das war so nicht vorhersehbar.“ Gleichwohl hat er intensiv daran gewerkelt, „alle Voraussetzung dafür zu schaffen“.

Sportmanagement-Studium in Remagen

Die schaffte er: mit einem Abschluss für Sportmanagement. Er entschied sich bewusst für ein Studium am RheinAhrCampus in Remagen, weil dort neben dem Sportlichen das Betriebswirtschaftliche geschult wird. Als Spieler geriet das Sportliche dagegen zu kurz für ihn. Er war zwar auf dem Weg in die Verbandsliga, doch wegen lädierter Knie musste er schon früh runter vom Feld. Endgültig. Parallel zum Studium bekam er dann das Angebot des BSC, als U17-Trainer zu fungieren. „Eine interessante Geschichte“, sagt er rückblickend.

Das Aufgabenfeld bei den Rheinlöwen erweiterte sich, als er die Leitung des Nachwuchsscoutings übernahm, inklusive der Verantwortung für die sportliche Entwicklung, und in jungen Jahren zum Chefscout des Regionalligisten aufstieg. Er bekam dort die Möglichkeit sich „auszuprobieren. Ich hatte viel Verantwortung und Handlungsspielraum. Es hat Spaß gemacht und war, vor allem in der Nachwuchsarbeit, von Erfolg geprägt“. Es war aber auch und vor allem eine sehr aufwendige Angelegenheit zwischen Campus und Nordpark. Da trifft es sich gut, dass eine gewisse Strebsamkeit stets sein treuer Begleiter ist. Vielleicht, sagt er selbst, sei er manchmal ein bisschen zu ambitioniert, und „ein bisschen liegt es in meinem Naturell, dass ich selten mit meiner Performance zufrieden bin“.

Berg verzichtet auf Welpenschutz

Die gesteigerte Verantwortung versucht er nun auch beim FC gerecht zu werden. Über ein Pflichtpraktikum während seines Studiums fand er den Einstieg in den Kölner Berg, den er nun über immer mehr und wichtigere Aufgaben und Projekte rasant zu erklimmen scheint wie sonst nur die Huberbuam. Sein Alter ist dabei weniger bedeutsam. Von zu viel Welpenschutz hält Berg jedenfalls nichts. „Am Ende ist es zweitrangig, wie alt man ist, um diesen Job auszuüben. Ob ich 27 oder 37 bin, spielt keine Rolle.“ Ausreichend Respekt scheint bei ihm vorhanden zu sein, mit dem er den Etablierten der Branche begegnet. „Dabei muss ich mich positionieren und die Interessen des Vereins vertreten.“ Der Einsatz der Ellbogen ist ab und an angesagt. Alles keine Frage des Alters.

Lukas Berg wirkt aufgeschlossen, selbstbewusst, eloquent, sehr reif für sein Alter. Auf große Ablehnung im Bundesliga-Betrieb ist er bislang jedenfalls nicht gestoßen. Er sieht sich eher auf Augenhöhe mit den externen Machern – „nach kurzer Anlaufzeit“, wie er einräumt. Dass er nicht über die Kontakte verfügt wie etwa sein fast doppelt so alter Vorgänger Aehlig, darf nicht verwundern. Das wird sich einspielen. Es sei ja nicht so, dass man gleich „am ersten Tag ein gefülltes Telefonbuch in die Hand gedrückt bekommt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich meines erweitert“.

Noch ist vieles Neuland für ihn: wie in einem Trainingslager. Oder einem „Bootcamp“, wie er es selbst bezeichnet. Genügend Muße, darüber nachzudenken, in welchem Wirbel er sich gerade befindet, die hat er nicht. Auch nach einigen Monaten nicht. „Es bleibt keine Zeit, sich zu kneifen und zu fragen: Was passiert hier gerade eigentlich?“ Die Zeit wird kommen.