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1. FC Köln: Marvin Schwäbe steht in den DFB-Pokalspielen im Tor

Entscheidung von Trainer Baumgart : Torwart Marvin Schwäbe bestreitet Pokalspiele für den 1. FC Köln

Vor dem DFB-Pokalspiel gegen Jena hat sich FC-Trainer Steffen Baumgart für eine Aufgabenteilung bei den Torhütern entschieden.

Es ist natürlich sehr gut möglich, dass sich Steffen Baumgart gerne Videos aus den 1970er Jahren ansieht. Solche, in denen der niederländische Fußball zum Eroberungsfeldzug in Europa angetreten war. „Voetbol total“ – das war damals das Modernste, was auf dem Markt zu finden war. Er beinhaltete eine Spiel­idee, die vorsah, dass jeder Spieler jede Position auf dem Feld ausfüllen könnte. Dazu kam ein leidenschaftliches Pressing, ganz nach dem Geschmack des Trainers Baumgart, der eine ähnliche Spielweise wohl gerne auf den 1. FC Köln übertragen würde.

Daher findet er es auch prima, dass sein Spieler Ondrej Duda kürzlich ankündigte, auf drei Positionen agieren zu können. Es sei wichtig, dass „Spieler sagen, sie können alles“, sagt er. Doch „alles“ ist eben ein weiter Begriff. „Wenn ich mich ins Tor gestellt hätte“, ergänzt er, „wäre ich auf Sicht kein guter Bundesliga-Torhüter geworden.“ Er lächelt. Zwar war er ein sehr tauglicher Bundesliga-Stürmer, aber zwischen den Pfosten? Ein solches Wechselspiel hätten sich selbst die totalen Holländer nicht getraut. Und dass Duda unter den drei Positionen, die er spielen könne, die des Torhüters meint, ist eher unwahrscheinlich. Die ist ohnehin besetzt. Denn Baumgart hat Timo Horn in seinem Amt bestätigt – ohne Wenn, mit einem Aber. Horn, so Baumgart, bleibe die „klare Nummer eins“: in der Bundesliga.

Aber Marvin Schwäbe wird ebenfalls die Nummer eins: im DFB-Pokal. Also wird die, wenn man so will, 1b auch das Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei Carl Zeiss Jena am Sonntag (15.30 Uhr) von Anfang an bestreiten. Eine Konstellation, die Baumgart mit Leopold Zingerle (“1“) und Jannik Huth (“1b“) so schon bei seinem Ex-Club Paderborn bevorzugte. Schwäbe soll daher im Pokal jene Spielpraxis sammeln, die er in der Bundesliga erstmal nicht erhält. „Ich finde“, sagt Baumgart, „dass Marvin das sehr gut macht. Er hat das umgesetzt, was wir von ihm verlangt haben.“

17-jähriger Jonas Urbig ist die Nummer drei

Dennoch bleibt es zunächst dabei, dass Schwäbe bei Baumgart die „klare Nummer zwei“ ist. Und, ja klar, eine „klare Nummer drei“ gibt es auch: den 17-Jährigen Jonas Urbig. Das sei eine interessante Torwartkonstellation, die „den Trainer sehr glücklich macht“. Denn jeder soll das Gefühl bekommen, dazuzugehören. Inwieweit sich Pokal-Keeper Schwäbe am Sonntag auf der Baustelle Ernst-Abbe-Sportfeld, unter den zugelassenen 2728 Fans werden 360 Kölner sein, auszeichnen darf, ist nicht abzusehen. Im Mittelpunkt soll der Torhüter beim Regionalligisten natürlich nicht stehen. „Ich hatte das Glück, mit Paderborn ein, zweimal eine Pokal-Sensation zu sein“, sagte Baumgart vor seinem Pflichtspiel-Debüt beim FC. „Umgekehrt will ich aber keine werden.“

Vielmehr soll der DFB-Pokal für die Kölner, die ihn in den vergangenen Jahren eher als Kurztrip verstanden, ein längeres Abenteuer werden. Darauf richtet sich Baumgart jedenfalls schon mal ein. Nicht weniger als die „höchsten Ziele“, die setzt sich der 49-Jährige stets. Der Pokal bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil, „und in diesem Wettbewerb ist das Berlin“, betont er. Wunschdenken? Vielleicht. Aber, „warum sollen wir uns nicht einfach mal was vorstellen, was lange nicht erreicht wurde?“ Richtig, nun muss man schon lange nachdenken, um den FC in seinem inneren Auge noch einmal in der Hauptstadt sehen zu können.

Baumgart: "Ich will Leidenschaft auf dem Platz sehen"

Vor 30 Jahren stand der Verein zum bislang letzten Mal in einem DFB-Pokalfinale (4:5 nach Elfmeterschießen gegen Werder Bremen), der bislang letzte Triumph reicht noch weiter zurück: 1:0 im Stadtduell 1983 gegen die Fortuna, damals allerdings in Müngersdorf. Seitdem wirken die FC-Protagonisten wie Umherirrende in der Wüste auf der Suche nach der nächsten Oase. Dass diese beschwerliche Reise diesmal nicht schon in Jena endet, dazu will Baumgart seinen Teil beitragen. Er fordert: „Ich will Leidenschaft auf dem Platz sehen, wir müssen ein Feuerwerk abbrennen.“

Die Lunte soll vorn gezündet werden. Anthony Modeste und sein junger Partner Jan Thielmann werden in Jena den Vorzug erhalten in der Startformation vor Sebastian Andersson. Energisches Anlaufen, Toreschießen – das wäre der Idealfall. Die Konkurrenzsituation im Sturm behagt ihm, dient sie doch als Leistungsförderer. „Wir haben fünf bis sechs Möglichkeiten auf dieser Position, können unterschiedliche Typen von Stürmern bringen, können reagieren“, sagt Baumgart. „Ich glaube, wir haben eine sehr gute Qualität.“ Das betrifft die gesamte Gemeinschaft. Die Mannschaft habe, meint er, „mehr Waffen, als sie vielleicht selbst weiß“. Dennoch ist die Suche nach einem neuen Angreifer im Gange. „Keiner weiß, wie lange das gut geht mit Modeste und Andersson. Dazu zwei Küken. Wir suchen einen, der uns eine gewisse Konstanz garantiert.“

Ondrej Duda könnte ebenso ganz vorn spielen. Doch dort sieht ihn der Trainer nicht. „Das Wunschdenken“, sagt Baumgart mit einiger Stichelei gegen den Slowaken, „der eine ist ’ne Zehn, der andere eine Neun – da ist es gut, dass ich den Fußballlehrer gemacht habe und die Entscheidungen treffe.“ Duda ins Tor zu stellen, käme ihm dabei gewiss nicht in den Sinn.