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1. FC Köln:Pierre Littbarski feiert 60. Geburtstag

Weltmeisterliche Säbelbeine : FC-Legende Pierre Littbarski feiert 60. Geburtstag

FC-Legende Pierre Littbarski feiert 60. Geburtstag. Unter Ex-Trainer Christoph Daum erlebte der Mittelfeldspieler und Weltmeister von 1990 seine schönste Zeit.

Wäre Karl-Heinz Thielen nicht gewesen, dann würde ein Pierre Michael Littbarski womöglich noch immer an der Potsdamer Straße in Berlin-Schöneberg seiner Arbeit als Finanzbeamter nachgehen. Doch weil der damalige Sportchef des 1. FC Köln den 18-Jährigen im Juli 1978 für 13.000 Mark von Hertha Zehlendorf kaufte, verdiente er fortan sein Geld durch den Fußball statt durch Lohnsteuerprüfungen. An diesem Donnerstag vollendet der Publikumsliebling der 1980er und 1990er Jahre sein sechstes Lebensjahrzehnt.

Gefeiert wird in Wolfsburg, wo Littbarski seit knapp zwei Jahren als Markenbotschafter für den VfL Wolfsburg und den VW-Konzern tätig ist. Nicht nur wegen der Corona-Krise werde man lediglich im Familienkreis zusammen sein. Der Jubilar hat es nicht mehr so mit dem Feiern, wie er im Vorfeld bekannte. Lieber wäre er noch einmal jung, um wie früher spielen zu können. Das überlässt er inzwischen Lucien, einem seiner beiden Söhne, der in der U17 des VfL Wolfsburg mit viel Talent auf des Vaters Spuren wandelt – und wie der berühmte Papa „Litti“ gerufen wird.

Kreativität und eine unkonventionelle Spielweise zeichneten „Litti“ aus

„Litti“ – dieser Spitzname und die Kreativität sowie unkonventionelle Spielweise dank seiner Säbelbeine, die ihn zu einem begnadeten Dribbler machten, wurden zum Markenzeichen von Pierre Littbarski. Zudem profitierte er von Hennes Weisweiler. Dank des Meistertrainers gab er nach seiner Verpflichtung bereits am dritten Spieltag sein Bundesligadebüt und erzielte beim nächsten Einsatz seinen ersten Treffer. „Weisweiler und Christoph Daum waren neben Berti Vogts als damaligem U21-Bundestrainer maßgebliche Förderer für meine Karriere“, sagt „Litti“ im Rückblick. Unter Daum habe er „meine drei schönsten Jahre in Köln“ erlebt. Insgesamt war er 14 Jahre lang für den FC aktiv, erzielte in 504 Pflichtspielen 144 Treffer.

Bevor es aber zur Liaison mit Daum kam, hatte Littbarski einem Husarenstreich zugestimmt, der seine Verbundenheit mit dem Club unterstrich. 1987 wollte der Coach den Dribbelkünstler zum FC zurückholen, nachdem dieser ein Jahr zuvor zum Racing Club Paris gewechselt war. Doch der Club war knapp bei Kasse. Nur weil „Litti“ mit einem Darlehen in Höhe von 500.000 Mark für die Bezahlung seiner eigenen Ablösesumme aushalf, gelang die Rückholaktion.

ARCHIV - 08.07.1990, Italien, Rom: Die deutschen Nationalspieler (l-r) Andreas Brehme, Pierre Littbarski und Lothar Matthäus jubeln nach dem Finalsieg gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Olympiastadion. (zu dpa «1979, 1990, 60: Littbarski und die Weltmeister-Freunde «für's Leben» am 14.04.2020) Foto: picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit Foto: picture alliance/dpa/Frank Kleefeldt

Anschließend wurde er mit dem 1. FC Köln und Daum zweimal Zweiter und einmal Dritter in der Bundesliga, bevor die völlig überraschende Entlassung des Trainers bei einer Pressekonferenz im deutschen WM-Quartier in Italien von Präsident Dietmar Artzinger-Bolten bekannt gegeben wurde. Littbarski und seine FC-Kollegen Bodo Illgner, Thomas Häßler und Paul Steiner ließen sich dadurch jedoch nicht aus der Ruhe bringen und wurden Weltmeister.

„Wir haben viel Schabernack getrieben“

„Damals war das Leben als Fußballprofi nicht so stressig wie heute. Wir haben jedenfalls viel Schabernack getrieben“, zieht das Geburtstagskind einen Vergleich, der seinem Naturell entspricht. Denn meist war er mit dabei, wenn es darum ging, Streiche zu spielen und für gute Stimmung zu sorgen. Dazu gehörte auch, dass „Litti“ für die Musik verantwortlich war, die bei der WM 1990 in der deutschen Kabine gespielt wurde. Es war seine vierte WM-Teilnahme nach 1982, 1986 – und 1974. Bei der Heim-WM war er als Balljunge für ein Spiel im Berliner Olympiastadion auserwählt worden.

Ihm habe der Fußball Freude gemacht, und viele Menschen hätten Freude, wenn Fußball gespielt werde. Deshalb sei es auch so wichtig, dass der Ball bald wieder rolle, selbst wenn es zunächst Geisterspiele seien, meint Littbarski.