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1. FC Köln rechnet mit Mindereinnahmen von 17 Millionen Euro

Bei Ausschluss von Fans : 1. FC Köln rechnet mit Mindereinnahmen von 17 Millionen Euro

Für die kommende Saison geht FC-Finanzchef Alexander Wehrle von einem erneuten massiven Umsatzverlust aus. Dieser soll zum Teil durch einen freiwilligen Erstattungs-Verzicht von Dauerkartenbesitzern aufgefangen werden.

Um die Folgen der Corona-Krise einzudämmen, hat der 1. FC Köln viele Hebel in Bewegung gesetzt. Der Fußball-Bundesligist hat zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, er hat die Profi-Mannschaft zu einem Gehaltsverzicht bewogen und seine Fans und Förderer darum gebeten, keine Rückerstattung von bereits geleisteten Ticket- und Sponsoring-Zahlungen einzufordern. Mit Erfolg: Wie Alexander Wehrle auf dem virtuellen Mitgliederstammtisch des Vereins verkündete, haben zwei Drittel der insgesamt 25.500 Dauerkarten-Inhaber ihr Einverständnis gegeben, sich für die fünf Geister-Heimspiele der abgelaufenen Saison nicht entschädigen zu lassen.

„Das ist außergewöhnlich“, staunte der Finanz-Geschäftsführer des FC über die enorme Hilfsbereitschaft der zahlenden Anhängerschaft. „Daran sieht man: Köln hält zusammen. Das kann man nicht hoch genug einschätzen.“ Auch Werner Wolf sah sich zu großem Dank verpflichtet. Der Präsident spürt seit Ausbruch der Corona-Pandemie clubintern einen „großartigen Zusammenhalt“, der „uns sehr geholfen hat“. Die Rede ist von 1,5 Millionen Euro, die der FC durch den Verzicht seiner Fans einbehalten kann. Dennoch ist die Lage am Geißbockheim ernst. „Wir befinden uns vor einer der schwierigsten finanziellen Herausforderungen der Clubgeschichte“, warf Alexander Wehrle einen düsteren Blick nach vorn.

Elf Millionen Euro Umsatzverlust in vergangener Saison

Kompliziert sind die Planungen für die kommende Saison vor allem wegen der großen Menge an Unwägbarkeiten: „Keiner weiß momentan, wie es weitergeht und wie lang die Corona-Pandemie anhält“, sagte der Finanzchef des FC. Hart getroffen sind die Kölner schon jetzt. Wehrle bezifferte den Umsatzverlust für die Spielzeit 2019/20 im Zuge weggebrochener Zuschauer- und Fernsehgelder auf elf Millionen Euro. Und zwar „von heute auf morgen“.

Die Not des 1. FC Köln wird sich sehr wahrscheinlich noch weiter verschärfen. Sollte die Politik mindestens zum Start der neuen Bundesliga-Saison Mitte September eine Teilöffnung der Stadien wie angekündigt verbieten, entsteht ein weiteres großes Finanzloch. Wehrle rechnet in der Saison 2020/21 mit Mindereinnahmen in Höhe von 17 Millionen Euro, die im schlimmsten Fall auf bis zu 25 Millionen Euro steigen könnten.

Die Kalkulation des FC-Finanzchefs war ursprünglich eine andere: „Die Grundplanung, die wir hatten, sah eine Teilöffnung vor. Wir haben damit gerechnet, dass wir in den ersten Spielen bis einschließlich Ende März mindestens 10.000 Zuschauer haben werden und dann in Volllast übergehen.“ Bereits in diesem Szenario seien „erhebliche finanzielle Einbußen“ einkalkuliert gewesen, die „man ohne Gegenmaßnahmen nicht kompensieren kann“. Deshalb hat der 1. FC Köln seine Dauerkarten-Inhaber erneut darum gebeten, auf eine mögliche Erstattung zu verzichten.

1. FC Köln hofft auf Pachtreduzierung

Zudem soll mit den Profis über abermalige Einsparungen beim Gehalt gesprochen werden. „Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen werden“, zeigte sich Horst Heldt optimistisch. Noch sieht der Sportchef den Zeitpunkt für diese Verhandlungen allerdings nicht gekommen: „Der Kader steht noch nicht.“ Darüber hinaus befindet sich der FC in „konstruktiven Gesprächen“ mit den Kölner Sportstätten über eine Pachtreduzierung für das Rheinenergiestadion. „Wir sind guten Mutes, dass wir gemeinsam eine vernünftige Lösung finden“, meinte Vizepräsident Eckhard Sauren.

Weil all diese Maßnahmen jedoch nicht reichen könnten, gibt es im Geißbockheim laut „Express“ auch Gedankenspiele um einen Kredit bei der staatlichen Förderbank KfW. An frisches Geld durch den Einstieg eines Investors zu gelangen, kommt für den FC-Vorstand derweil nach wie vor nicht infrage.

„Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie treffen einen Verein wie den unseren, der von Mitgliedern besessen wird und investorenfrei ist, stärker als andere“, erklärte Präsident Werner Wolf. „Dennoch sind wir der Meinung, dass es der richtige Weg ist, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Herr im eigenen Haus zu sein und selbstbestimmt handeln zu können. Wir wollen an unserem Ziel, investorenfrei zu sein, festhalten. Und wir glauben auch, dass uns das möglich ist.“