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1. FC Köln: Salih Özcan wechselt zum BVB

Emotionale Worte zum Abschied : FC-Leistungsträger Salih Özcan wechselt zum BVB

Es war nur noch eine Formsache, jetzt ist es offiziell: Salih Özcan wechselt zu Borussia Dortmund. Der 1. FC Köln verliert einen Leistungsträger und eins seiner eigenen Talente.

Der 1. FC Köln verliert seinen „Unverzichtbaren“. Salih Özcan wechselt nach einer überragenden Saison und insgesamt 15 Jahren bei den Geißböcken zu Borussia Dortmund. Die Ablöse soll bei rund sechs Millionen Euro und damit rund eine Million unter dem geschätzten Marktwert des Mittelfeldspielers liegen. Das macht eine Ausstiegsklausel möglich, die Özcan sich bei der Vertragsverlängerung im vergangenen Sommer in den Vertrag hat schreiben lassen.

Mit Özcan geht nicht nur ein Leistungsträger, der FC hatte vor, Özcan zum Gesicht der Geißböcke zu machen, um ihn eine Mannschaft zu formen. Noch im vergangenen Jahr wollte der U21-Europameister den FC ablösefrei verlassen. Özcan unterschreibt in Dortmund einen Vertrag bis 2026. „Den FC zu verlassen, fällt mir nicht leicht. Und das ist ehrlich gesagt untertrieben. Ich bin Kölner, habe beim FC mehr als die Hälfte meines bisherigen Lebens verbracht und das Geißbockheim ist mein zweites Zuhause“, sagt Özcan.

Tatsächlich blickt er auf 15 Jahre FC zurück: Eine Ära, die extrem vielversprechend begonnen hat. Rückblick: Die Bilanz kann sich sehen lassen. 18 Tore, vier Vorlagen und das in 22 Spielen. Einen Scorerpunkt fährt dieser junge, talentierte Fußballer im Schnitt pro Spiel ein. Salih Özcan. Der gebürtige Kölner gilt als einer der besten Spieler seines Jahrgangs, als vielversprechendes Talent. Kein Wunder, mal spielt er als offensiver Mittelfeldspieler, mal Stürmer, mal linkes oder rechtes Mittelfeld. In der Saison 2014/2015 ist Özcan Dreh- und Angelpunkt bei der U17 der Geißböcke. Ganz nebenbei spielt der 16-Jährige in der U19 und ist Leistungsträger der U17 des DFB. Die Karriere des Youngster scheint vorprogrammiert. Öczan gilt als der große Hoffnungsträger des 1. FC Köln. Dass er seinen Weg beim FC machen würde, scheint nur eine Frage der Zeit.

Özcan feiert 2016 sein Profidebüt

Die kommt bereits 2016. Unter Peter Stöger, im Jahr als der FC das letzte Mal die Fühler Richtung Europa ausstreckt, gibt Özcan sein Profidebüt. Gegen den FC Schalke 04 wird der Mittelfeldmann eingewechselt und legt umgehend Simon Zoller den 3:1-Siegtreffer auf. Schon damals kann man sich rund um das Geißbockheim vorstellen, dass der 18-Jährige irgendwann das neue Gesicht des 1. FC Köln werden könnte. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man von kleinauf die Stationen beim FC durchlebt hat, wenn man durchs Geißbockheim geht und die kleinen Kinder schauen zu dir auf, in dem Wissen, der hat auch mal so angefangen“, sagte Özcan dem GA im vergangenen Sommer. 2016 ist Özcan bereits seit neun Jahren beim FC, kommt als Neunjähriger vom SC West. Der heutige Leiter der Lizenzspielabteilung Thomas Kessler beschrieb den Youngster unmittelbar nach dem Profidebüt als wissbegierig, strebsam.

Özcan ist aber vor allem zweikampfstark und robust. Peter Stöger setzt den Nachwuchsspieler im defensiven Mittelfeld ein. Özcan wird zum klassischen Sechser. Doch die Karriere verläuft zunächst nicht reibungslos. Özcan ist ballverliebt. Die Zeit, die ihm in der Jungend mit Ball bleibt, hat er bei den Profis nicht. Er verliert viele Bälle, rennt sich oft fest, es fehlt der genaue Pass. Und auch die Torgefahr ist verloren gegangen. Vor allem die Saison 2018/2019 macht Özcan zu schaffen. Der FC spielt in der zweiten Liga, Özcan in der zweiten Reihe. Auf 15 Einsätze kommt das Talent nur noch. Die Konsequenz: Özcan wird für ein Jahr verliehen. „Erstmal war es nicht einfach. Aber mir war es wichtig, ins Spielen zu kommen zu diesem Zeitpunkt. In Kiel habe ich eine gute Saison gespielt“, sagte Özcan im Sommer. „Wenn man mal 30 Spiele am Stück macht, wächst das Selbstvertrauen. Das ist im jungen Alter wichtig. Man lernt zu zeigen, was man drauf hat.“

Özcan wird unverzichtbar

Das will Özcan nach seiner Rückkehr auch beim FC. Der Mittelfeldspieler wirkt gereifter, präsenter. Und doch: Die Konkurrenz ist offenbar zu stark. Özcan kommt auf 15 Startelf-Einsätze, spürt nicht das Vertrauen, will eigentlich wechseln. Erst der neue Trainer Steffen Baumgart überredet Özcan zum Verbleib. Der frisch gebackene U21-Europameister spürt das Vertrauen und blüht auf. Unter Baumgart wird Özcan zum Leistungsträger, geht voran, gewinnt Zweikämpfe, ist extrem passsicher und gilt beim Coach als unverzichtbar. Doch genau das wird Baumgart nun müssen, auf Özcan verzichten. „Salih ist ein Kölner Eigengewächs, der hier eine hervorragende Entwicklung genommen hat. Nachdem sich Steffen Baumgart im vergangenen Jahr für seinen Verbleib starkgemacht hat, hat Salih das Vertrauen über die gesamte Saison mit Leistung zurückgezahlt. Hiermit hat er sich nicht nur in die türkische A-Nationalmannschaft, sondern auch in das Blickfeld vieler Top-Clubs gespielt“, sagt FC-Sportchef Christian Keller. „Ich habe immer betont, dass wir es am liebsten gesehen hätten, wenn Salih bei uns geblieben wäre. Dafür haben wir als 1. FC Köln alles in die Waagschale geworfen. Aber er hat sich für eine neue Herausforderung auf einem zugegebenermaßen höheren Niveau entschieden.“

Der 24-Jährige hat einen Vertrag bis 2026 in Dortmund unterschrieben. Leicht ist dem gebürtigen Kölner die Entscheidung nicht gefallen. „Es ist sicher die schwerste und emotionalste Entscheidung, die ich in meiner bisherigen Karriere zu treffen hatte. Ich habe mit dem FC so viel erlebt – Aufstiege, Abstiege, Derbysiege, Europapokal“, sagt Özcan. ch danke all meinen Mitspielern, allen Trainern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und insbesondere Steffen Baumgart von Herzen für das Vertrauen und die Unterstützung. „Jetzt habe ich das Gefühl, dass der Zeitpunkt für mich gekommen ist, um herauszufinden, wie weit ich sportlich kommen kann und deshalb möchte ich die Chance, die mir Borussia Dortmund bietet, nutzen.“ Vermutlich wird er sie mit seiner Familie und seinem Berater getroffen haben. In der Vergangenheit hat der Mittelfeldspieler immer wieder den Rat in seinem direkten Umfeld. Dem Vernehmen nach soll Özcan rund fünf Millionen jährlich verdienen. Sportlich wartet auf Özcan nun Champions League statt Conference League und der Kampf um Titel. „Auch, wenn ich ab nächster Saison ein anderes Trikot trage: Ich werde den 1. FC Köln für immer in meinem Herzen tragen, daran kann niemand etwas ändern, und das wird immer so sein.“