„Ich bin ein Kölner Junge“ Darum ist Salih Özcan für den 1. FC Köln so wertvoll

Köln · Noch im Sommer wollte Salih Özcan den 1. FC Köln verlassen. Mittlerweile ist der 24-Jährige einer der Leistungsträger beim FC und denkt sogar über einen langfristigen Verbleib nach.

1. FC Köln: Salih Özcan wird für den FC immer wertvoller
Foto: dpa/Swen Pförtner

Dieser Tage ist es deutlich leiser am Geißbockheim. Kein brummiges „Männer“, kein „nach vorne“, kein „spiel!“. Eher besonnen leitet Assistenztrainer André Pawlak das Training des 1. FC Köln. Chefcoach Steffen Baumgart weilt aufgrund einer Corona-Infektion weiterhin in Isolation in den heimischen vier Wänden. Jenen Wänden, die mittlerweile auch in den USA oder England bekannt sind. Am Samstag hatte Baumgarts Tochter ein Video bei TikTok hochgeladen, das viral gegangen war. Der 50-Jährige verfolgte das Heimspiel des FC in seinem Wohnzimmer und hatte eine ähnliche Figur wie sonst an der Seitenlinie abgegeben. „Der Hund ist wie der vierte Offizielle, der ihn zu beruhigen versucht“, twitterte unter anderem England-Legende Gary Lineker, in Anspielung an Baumgarts Hund Jory, der ebenfalls im Video zu sehen war.

Auch in der eigenen Mannschaft fand Baumgarts Auftritt Anklang. „Es hat einfach gezeigt, wie der Trainer auch bei uns am Spielfeldrand ist“, sagte Salih Özcan am Dienstagmittag. „Ja, das war schon witzig, ihn so zu sehen.“ Am kommenden Freitag beim Auswärtsspiel gegen Leipzig (20.30 Uhr, Dazn) würde Baumgart lieber wieder die Spieler als den heimischen Fernseher anschreien. Am Dienstag hatte man gehofft, Baumgart würde sieben Tage nach dem Auftreten der Symptome wieder auf den Trainingsplatz zurückkehren, doch sein Test fiel noch positiv aus. Er wird unter der Woche weitere Tests machen, wie der Verein mitteilte.

Özcan wird zum Leistungsträger

Vorerst werden Özcan und Co. also mit Pawlak und dem Trainerteam Vorlieb nehmen müssen. Dabei verbindet das Kölner Eigengewächs gerade mit Trainer Baumgart ein spezielles Vertrauensverhältnis. Der Coach hatte Özcan im Sommer überredet, doch beim 1. FC Köln zu bleiben. Dieses Vertrauen zwischen Trainer und Profis scheint sich auszuzahlen. Denn neben Spielern wie Anthony Modeste und Benno Schmitz hat auch Özcan unter Baumgart eine große Entwicklung durchgemacht. Längst ist der 24-Jährige ein Leistungsträger der Kölner. Özcan hat zwei Tore erzielt, führt gefühlt jeden Zweikampf und weist zudem eine gute Passquote auf. Erst nach dem 1:0-Erfolg gegen Freiburg betonte Özcan, dass es sich um ein Kampfspiel gehandelt habe. Wohl kaum ein Kölner Spieler steht eben so für Kampf wie der 24-Jährige. „In den Zweikämpfen bin ich noch immer der, der ich früher war“, sagt Özcan. Aber: „Ich versuche einfach, mit weniger Kontakten zu spielen.“

Rekordspieler des 1. FC Köln
33 Bilder

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Eine Maßnahme, die Baumgart seiner Mannschaft seit Sommer eingeimpft hat. Der Trainer mag das komplizierte Spiel nicht, fordert klare, einfache Bälle. Und: „Zu allen Spielern hat er ein recht offenes und entspanntes Verhältnis. Er erklärt, was man gut oder besser machen kann“, sagt Özcan. „Er hat mir damals gesagt, dass keiner eine Stammplatzgarantie habe, ich aber in sein System passe.“ Doch eben diesen Stammplatz hat Özcan sich erkämpft. In 19 der 21 Ligaspielen kam der Mittelfeldspieler zum Einsatz, auf unterschiedlichen Positionen. „Ich habe meine Spiele gemacht und so meinen Rhythmus gefunden“, sagt Özcan. Und so auch zuletzt den Vorzug vor unter anderem Ellyes Skhiri erhalten. Wenn es nach dem 24-Jährigen geht, würde er lange beim FC bleiben. „Ich bin ein Kölner Junge. Was soll ich machen“, sagt der Mittelfeldspieler. Skhiri war dagegen erst in der vergangenen Woche wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen, wurde am Samstag für das Heimspiel nicht berücksichtigt. 

Aber schon am Freitag gegen Leipzig könnte der Tunesier wieder eine größere Rolle spielen. Das Trainerteam steht vor einem Luxusproblem. „Es gibt den einen oder anderen Spieler, der auf der Position spielen kann. Wir können uns alle im Training zeigen, aber am Ende entscheidet der Trainer“, sagt Özcan. Gut möglich, dass der FC gegen Leipzig auch mit einer Doppelsechs spielt. Für Özcan liegt das Hauptaugenmerk ohnehin an anderer Stelle: „Wir müssen die Räume zu machen, Konter vermeiden und weiter eklig sein. Dann können wir Punkte holen.“ Sollte Baumgart sich bis dahin freigetestet haben, wird es a dann auch wieder ein wenig lauter.  

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