Fußball-Bundesliga 1. FC Köln schlägt Bochum mit zwei Toren in der Nachspielzeit

Update | Köln · Mit einem beeindruckendem Endspurt inklusive zwei Toren in der Nachspielzeit hat der 1. FC Köln im Kampf um den Klassenerhalt einen enorm wichtigen Sieg gefeiert und den VfL Bochum noch tiefer in den Abstiegskampf gezogen.

 Schoss den FC zum Sieg: Kölns Luca Waldschmidt (M) jubelt nach der Partie.

Schoss den FC zum Sieg: Kölns Luca Waldschmidt (M) jubelt nach der Partie.

Foto: dpa/Marius Becker

Spiele, die die Kölner Fan-Seele berühren, hat Müngersdorf schon häufig erlebt. In der Vergangenheit. In dieser Saison jedoch verzichtet der 1. FC Köln weitestgehend darauf, hochemotionale Darbietungen zum Vortrag zu bringen. Am Samstag war das anders, völlig anders, als die Mannschaft einem Spiel eine dramatische Wendung gab, die auf jeder Theaterbühne der Welt gerne gesehen ist.

0:1 lag die Elf von Trainer Timo Schultz in der 90. Minute zurück gegen den VfL Bochum in diesem elementar wichtigen Spiel im Abstiegskampf. Um in den ersten beiden Minuten der fünfminütigen Nachspielzeit die vermeintliche Niederlage in einen 2:1 (0:0)-Sieg zu verwandeln, der den Kölnern neue Hoffnungen schenkt im Souterrain der Liga.

Es war warm am Samstagnachmittag in Müngersdorf, aber viel mehr als die äußeren Temperaturen hatte Timo Hübers die Dramatik des Geschehens mitgenommen. Er sei „körperlich und emotional geschafft“, bekannte der Innenverteidiger und sprach das an, was ihm Mut verleiht für die Restsaison. „Die letzten fünf Minuten“, sagte er, denn vorher sei es „kein gutes Spiel“ gewesen. Das war der einhellige Tenor an diesem für die Kölner nicht nur wegen des Sonnen-Frühlingswetters so schönen Nachmittag. Dass der Sieg nicht von ungefähr kam, hielt gleichzeitig Christian Keller fest. „Auch wenn es dramatisch war“, sagte der FC-Geschäftsführer, „er war verdient“.

1, FC Köln - VfL Bochum
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Nicht nur die drei Punkte dürften den Kölner im Abstiegskampf neue Hoffnung verleihen. Auch der Umstand, dass nach der Bochumer Führung durch Felix Passlack (53.) zwei Einwechselspieler den Sieg herausschossen, besser: köpften, kam gut an bei den Kölner Führungskräften. Ein „enges Spiel“ hatte Timo Schultz gesehen, aber wir haben „es geschafft, personell nachzulegen“. Man benötige die „Impulse von der Bank“, und für die beiden Einwechselspieler, die getroffen hatten, „freue ich mich riesig“.

Ungeteilt war die Meinung auch darüber, dass die gewohnt kämpferisch starke Mannschaft lange keine spielerischen Mittel fand, um gegen robuste Gäste einen Erfolg davonzutragen, den sie so dringend benötigt hatte. Doch das war spätestens in der Nachspielzeit vergessen, Müngersdorf verwandelte sich in ein Tollhaus. Da spielte es auch keine Rolle, dass Konkurrent Mainz 05 gegen Darmstadt 98 gewann (4:0), denn der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt weiterhin einen Punkt. Und auf die Bochumer selbst, die den ersten Nichtabstiegsplatz einnehmen, sind es vier Zähler – vor der FC-Reise am kommenden Wochenende zu den Bayern. Für die restlichen sechs Spiele hat Keller die Parole ausgegeben: „Wir wollen es schaffen, an Siege zu denken, nicht, dass wir verlieren können.“ Ein Griff also in die psychologische Trickkiste.

Drei Änderungen nahm Schultz im Vergleich zum jüngsten 1:1 in Augsburg vor: Max Finkgräfe startete für Leart Pacarada als Linksverteidiger, Eric Martel kehrte anstelle von Denis Huseinbasic zurück ins Mittelfeld der Startelf, und Offensivmann Linton Maina verdrängte Faride Alidou.

Die Kölner zeigten schnell den Willen, das erste Tor zu erzielen, um etwas Beruhigung im Team und auf den Rängen zu verbreiten. Aus spitzem Winkel schloss Maina ab, Manuel Riemann pariert im kurzen Eck (13.). Es war jene Phase, in der Köln über Ballbesitz das Spiel in die Tiefe verlagern wollte. Nur eine Minute später strich ein Kopfball von Sargis Adamyan nach einem langgezogenen Freistoß von Kapitän Florian Kainz übers Tor. Die eher rustikal veranlagten Bochumer versuchten ihrerseits, über lange Bälle auf Sturmbrecher Philipp Hofmann eine Gefahr zu werden für den Gegner. Doch das gelang zunächst nicht, weil die FC-Defensive gut gestaffelt stand, ein hohes Level an Aufmerksamkeit offenbarte und auf die Spielweise des VfL offenbar eingestellt war. Eine Schrecksekunde musste die Schultz-Elf dann doch erfahren, als nach einer Ecke Kevin Stögers Anthony Losilla am Strafraum völlig frei abziehen durfte, der Schuss jedoch zischte vorbei (23.). Eine Chance, die der FC in dieser Form zuletzt häufiger zuließ.

Köln hatte seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen, Bochum seit fünf vor dem direkten Duell. Nach dem 3:2-Coup gegen den FC Bayern Mitte Februar gab es vier VfL-Niederlagen in Folge, zuletzt reichte eine 2:0-Führung nicht zum Sieg gegen den Ligaletzten Darmstadt (2:2). Die Situation im Tabellenkeller hatte sich zugespitzt für den Revierclub. Und so stand auch dieses Spiel nicht im Verdacht, ein fußballerisches Fünf-Gänge-Menü aus der Haute Cuisine zu servieren. Köln, um einen schnellen Spielaufbau bemüht, ließ Ideen und Kreativität vermissen. Bochum steigerte sich zwar, blieb jedoch bei den seltenen Kontern nicht entschlossen genug. Es gab viel Leerlauf, die Fehler nahmen zu. Im Mittelfeld, so schien es, hatten sich beide Mannschaften verabredet, um sich dort im Kampf zu messen. Bis Köln einen rasanten Angriff über die linke Seite vortrug. Über Kainz gelangte der Ball zu Martel, doch eine Bochumer Fußspitze verhinderte die Führung (45.+1). So verpasste das Schultz-Team den, wie man so schön sagt, psychologisch wertvollen Zeitpunkt für ein Tor. Um Zentimeter.

Die Partie blieb umkämpft, die Gäste zeigten sich aber wacher und gingen in Führung. Timo Hübers‘ Stellungsfehler schaffte Platz für Moritz Broschinski auf links, dessen flache Hereingabe rutschte durch zu Felix Passlack, und der fand mit seinem Schuss, noch abgefälscht, den Weg ins Tor (53.). Gerade, als der FC mehr in die Offensive investierte - ein heftiger Rückschlag. Köln suchte nach einer Antwort, das Letsch-Team aber zeigte sich widerstandsfähig, stellte die gefährlichen Räume gekonnt zu. Zu allem Übel verletzte sich Davie Selke erneut, der Stürmer musste ausgewechselt werden. Luca Waldschmidt kam ins Spiel, nachdem zuvor schon Alidou und Huseinbasic eingewechselt worden waren. Und Alidou zeigte sich präsent, setzte sich im Strafraum durch, jagte den Ball aber aus spitzem Winkel an den Pfosten (69.). Die letzten 20 Spielminuten waren eingeläutet, und der Schultz-Elf blieb nicht mehr übrig, als ins volle Risiko zu gehen. Zu sehen war diese Bereitschaft allerdings nicht. Bochum stand sicher, bot keine Räume an. Und die Zeit rann den Kölnern durch die Finger.

Waldschmidt prüfte aus der Distanz noch einmal Riemann. Und als die Nachspielzeit anbrach, kaum noch Hoffnung bestand schraubte sich „Joker“ Steffen Tigges nach einer Kainz-Ecke in die Luft und köpfte den Ball ins lange Eck – 1:1 (90.+1). Und dann stach auch noch der andere „Joker“: Waldschmidt traf zum Sieg – ebenfalls per Kopf (90.+2). Schlusspfiff. Ein Platzsturm setzte ein – von allen Kölner Spielern, Trainern und Betreuern. Die Fans blieben artig und feierten die Mannschaft, wie es sich nach einem solchen Kraftakt gehört: frenetisch. „Es war sehr emotional“, sagte Torschütze Waldschmidt.

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