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1. FC Köln: Sportpsychologe erklärt: 1.FC Köln spielt wie verwandelt

Welche Rolle spielt die Psyche? : Auch darum spielt der 1. FC Köln wie verwandelt

Dem 1. FC Köln ist ein beeindruckender Start in die Bundesliga geglückt. Dabei hat sich das Gesicht der Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison nur partiell verändert. Experte Thorsten Loch verrät, welche Rolle der Kopf bei Leistungssportlern spielt.

Für diesen einen kleinen Augenblick konnte der so oft grimmig dreinblickende, mitunter kauzig wirkende FC-Trainer Steffen Baumgart dann auch nicht mehr an sich halten. Als Tim Lemperle gegen den VfL Bochum das zwischenzeitliche 2:0 erzielte, huschte dem Coach des 1. FC Köln ein Lächeln übers Gesicht. Der zweite Sieg im dritten Ligaspiel, der erfolgreiche Saisonstart zum Greifen nahe. Doch Baumgart wird sich auch in seiner Taktik bestätigt gefühlt haben. Seit Amtsantritt propagiert der 49-Jährige Offensiv-Fußball, den seine Mannschaft bislang gnadenlos und beeindruckend umsetzt.

Nahezu jene Mannschaft, die in der vergangenen Saison noch tief stand, destruktiv spielte, lieber einen Punkt sicherte, als drei erspielte. Dabei hat sich das Gesicht der Mannschaft nur partiell verändert. Fünf Neuzugänge hat der 1. FC Köln im Sommer verpflichtet. Am vergangenen Spieltag gegen den VfL Bochum stand mit Dejan Ljubicic nur einer von ihnen in der Startelf. Der Abgang von Abwehrchef Sebastiaan Bornauw hat den Kader zudem geschwächt. Und dennoch: Statt destruktivem, fast ängstlichem Defensivspiel, rennt das Team mutig offensiv an.

Mentale Komponente spielt wichtige Rolle

Und das vermutlich nicht nur aufgrund des neuen, des baumgartschen Spielsystems. „Der Fußball ist viel zu komplex, die Anzahl der Variablen, die man nicht kontrollieren kann, sind viel zu groß, als dass man eine detaillierte Aussage treffen könnte“, sagt Thorsten Loch, sportpsychologischer Berater aus Hennef. „Dennoch spielt die mentale Komponente neben weiteren Teilbereichen für sportliche Höchstleistung wie zum Beispiel die Trainingswissenschaft oder Taktik sicherlich eine Rolle. Denn letztendlich werden die Spieler das Fußball spielen in der Sommerpause nicht verlernt oder sonderlich enorm verbessert haben.“ Laut Loch gehe es am Spieltag auch darum, die erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den Rasen zu bringen. „Gut sein, wenn es darauf ankommt. Der Begriff der Entfaltung passt an dieser Stelle ganz gut“, sagt der Experte.

Einige Spieler scheinen sich besonders gut zu entfalten. Zum Beispiel Anthony Modeste. Seit Jahren befindet sich der Angreifer in einem Verletzungs- und/oder Formtief. Viele hatten dem Stürmer eine Rückkehr zu alter Stärke nicht mehr zugetraut. Aktuell sieht die Situation um den Franzosen anders aus. Modeste hat in den ersten drei Ligaspielen nicht nur zwei Tore erzielt und einen Treffer vorbereitet, der Angreifer wirkt deutlich präsenter, erarbeitet sich Chancen, ist Mittelpunkt des Kölner Angriffs. Und nicht nur der 33-Jährige blüht auf.

FC-Trainer Baumgart sucht immer wieder das Gespräch

Einige Spieler erscheinen deutlich verbessert. Auch, weil Baumgart immer wieder das Gespräch sucht. „Vielen Sportlern sind ihre Stärken durchaus bekannt, nur fehlt es ihnen gelegentlich an der Überzeugung, dass ihre Fähigkeiten in Drucksituationen auch zu den gewünschten Erfolgen führen“, sagt Loch. „ An Wettkampftagen sind die Trainer gut darin beraten, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ihre Sportler performen können. Und woher weiß ich, was mein Sportler braucht? Ich unterhalte mich mit ihm, lerne ihn kennen und somit auch besser verstehen.“ Kommunikation sei das entscheidende Stichwort.

An der Kommunikation scheint es unter Baumgart jedenfalls nicht zu mangeln. Lautstark treibt der Coach sein Team an, peitscht es nach vorne, sucht aber auch auf dem Trainingsplatz das persönliche Gespräch. Rafael Czichos sagte, man könne ihn vermutlich auch in einem Stadion mit 100 000 Zuschauern hören. Der Innenverteidiger betonte, dass man sehe, dass der Plan des Trainers aufgehe. „Eine Mannschaft wird immer dann an ihr Leistungsmaximum gelangen, wenn die individuellen und kollektiven Stärken auf ein passendes System treffen. Dies hat zur Folge, dass die Stärken vermehrt im Spiel um- oder eingesetzt werden“, sagt Loch. „Führen diese dann wiederum zu einem Erfolgserlebnis, erhöht dies den Glauben in die eigenen Fähigkeiten und festigt diesen. Ein Team erlebt unmittelbar, dass es funktioniert, man erlebt sich kompetent und das Selbstvertrauen wird gestärkt.“

Das Hochgefühl muss kein Dauerzustand sein

Aktuell läuft beim FC also auch mental viel richtig. Doch das Hochgefühl muss kein Dauerzustand, schon gar nicht ein Selbstläufer sein. Zumal Sportler unterschiedlich „ticken“. „In der Sportpsychologie gibt es die Begriffe der Handlungs- und Lageorientierung“, sagt Loch. „Ein tendenziell handlungsorientierter Sportler ist in der Lage, sich etwa nach einem Missgeschick nicht in Gedanken festzuhalten, sondern eigene Fehler zu erkennen und neue Versuche zu wagen. Dahingehend sind eher lageorientierte Sportler so auf die Lage fixiert, dass sie sich nicht dazu im Stande sehen, sich von ihren Gedanken zu lösen, um anstehende Aufgaben anzugehen.“

Bislang scheint die Mischung beim FC zu passen. Der Erfolg gibt Baumgart und seinem Team recht. „Interessant wird es, wenn dennoch Misserfolge entstehen, obwohl der einzelne Sportler gut performt hat. Haben die Sportler geeignete Strategien, um diese Situationen zu bewältigen oder kippe ich aus meiner Zone des optimalen Funktionierens?“, sagt Loch. An dieser Stelle würden den Sportlern aber Technicken gezeigt, wie sie mit Rückschlägen umgehen können. Baumgart wäre es natürlich lieber, diese Rückschläge zu vermeiden. Vielleicht sähe man ihn dann auch (noch) öfter lächeln.