Vom Sumo-Ringer bis zur Identifikationsfigur Das sagen Promis über FC-Trainer Steffen Baumgart

Köln · Steffen Baumgart zieht als Trainer des 1. FC Köln auch regelmäßig die Aufmerksamkeit von Prominenten auf sich. Dabei gab es über die Saison hinweg unterschiedliche Meinungen über den Vater des Kölner Erfolgs.

Kölns Trainer Steffen Baumgart.

Kölns Trainer Steffen Baumgart.

Foto: dpa/Tom Weller

Ob auf Reisen in Uganda oder im Kongo – Wolfgang Niedecken verfolgt den 1. FC Köln, wo immer es auch möglich ist. Der Gründer der Kölsch-Band „BAP“ ist FC-Fan durch und durch. Nicht umsonst besang er schon merhfach die Geißböcke - unter anderem mit dem Song „FC, jeff Jas!“. Als Kölner Ikone kommentierte der 71-Jährige nun den Saisonendspurt des 1. FC Köln in der finalen Folge der FC-Dokureihe „24/7 FC“. Von der Südküste Kretas aus erlebte Niedecken den Einzug in die Conference League. „Ich habe das alles nicht für möglich gehalten. Die vorherige Saison war eine Katastrophe, in der man als FC-Fan nur gelitten hat.“

Mit der folgenden Saison kam bekanntlich ein neuer Trainer, der sich in kürzester Zeit in Köln einen Kult-Status verschaffte. Mit T-Shirt und Schiebermütze an der Seitenlinie brüllend wurde Steffen Baumgart schnell zum Aushängeschild des Vereins und damit auch der gesamten Stadt. „Er hat es geschafft, die Jungs so anzupacken, dass sie in Eigenverantwortung arbeiten konnten. Der hat ihnen den Freibrief gegeben, dass sie mit Mann und Maus stürmen dürfen“, sagte Niedecken. Die 360-Grad-Wendung der Kölner Mannschaft, die auf einmal Offensivfußball lebte, konnte schnell auf die Handschrift von Baumgart zurückgeführt werden. Schon nach dem zweiten Spieltag war für Ex-FC-Profi Dirk Lottner erkennbar, um wen es sich an der Seitenlinie handelte. „Baumgart überzeugt auch durch seine authentische Art, weil er offensiv denkt und weil er sich – meiner Meinung nach –fannah gibt. Das ist genau das, was das Kölner Publikum sehen möchte: jemanden, der sich mit der Aufgabe identifiziert“, schrieb der 50-Jährige in einer GA-Kolumne. Lottner bliebt nicht der einzige ehemalige FC-Profi, der sich über Baumgart äußerte. Vor drei Wochen noch verglich Thomas Häßler in einer Hürther Talk-Runde Baumgart mit Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. Pierre Littbarski nannte dort das gewonnene Vertrauen in den Trainer als die Basis des gesamten Kölner Erfolgs.

(Ex-)Sportler und Musiker äußern sich

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Weitere Kommentare zu Baumgarts Trainer-Dasein fasste Christian Streich als Trainer des SC Freiburg vor dem Spiel gegen Köln Anfang September zusammen. „Im Gegensatz zu Baumgarts Energie bin ich ja wie ruhiggestellt. Wenn ich die Meter machen und mich wie so ein Sumo-Ringer dahin stellen würde, das würden meine Kniegelenke gar nicht aushalten. Ich weiß noch, wie er als Spieler war, voll drauf, vorne rein, keine Angst vor nichts, ein totales Schlitzohr. Der kann die Mannschaft begeistern. Als ich gehört habe, dass er zu Köln geht, habe ich zu den Jungs in der Trainerkabine direkt gesagt: Steffen Baumgart und Köln gleicht eins zu eins.“

Dass der 50-Jährige die Kölner Mentalität verkörpert, war auch abseits der Fußballwelt aus der Musikbranche zu hören. „Er erreicht die Spieler, er ist einfach ein mega Typ, reißt mit, er ist authentisch. Er passt zu einem Motto unserer Band: Kölsch, echt, ungeschminkt“, so Sänger Roger Moore noch zu Beginn der Saison Ende September. Auch Frontmann der Kölsch-Band „Kasalla“ Bastian Campmann ließ als FC-Fan seine Emotionen in einer GA-Kolumne raus. „Baumgart hat sich den Respekt der Konkurrenz erarbeitet – und auch und vor allem der kölschen Fußballseele. Die Fans (und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein) wollen Leidenschaft, Emotion.“ Die Szene nach dem Heimspiel der Kölner gegen Bayern Mitte Januar ist nur ein Beispiel für den erarbeiteten Respekt in der Liga. Damals wünschte sich der Trainer das Trikot vom Münchener Keeper Manuel Neuer, der sich daraufhin als Tausch über den Erhalt der Schiebermütze freute.

Kritik von Mario Basler

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Rapper Marteria ist wie Baumgart gebürtiger Rostocker und kennt den ehemaligen Spieler noch aus alten Tagen. „Steffen hatte schon immer was, das die Leute geil finden. Es war schon damals in Rostock so, dass Steffen Baumgart der Euphorie-Träger war“, erzählte der 39-Jährige in der Talk-Runde „Kölner Treff“ Mitte Oktober. Mit seinen übermäßigen Emotionen erntete der FC-Trainer aber auch scharfe Kritik. „Mittlerweile kann ich es auch nicht mehr sehen, wie er da an der Seitenlinie steht. Das kann er in Köln machen. Es ist aber die Frage, wie lange das gut geht. Wenn der Erfolg mal nicht mehr da ist, fällt ihm das vielleicht vor die Füße. Ein Trainer, der dabei ist und Emotionen hat, ja, aber 90 Minuten da draußen die Line rauf und runter rennen und dann im Kurzarm-Shirt, wenn Minusgrade draußen sind, nein“, sagte Ex-Profi Mario Basler bei „Sport1“ Ende Februar.

Anders sieht es der ehemalige Fußball-Funktionär Reiner Calmund. „Steffen Baumgart hat die Kölner mit seiner Art reanimiert. Die hat längst mehr zu bieten als nur den brüllenden Dauerläufer an der Seitenlinie. Baumgart – das belegen die Bilder von seinem innigen Verhältnis zu den Spielern – gibt Kraft und Selbstvertrauen, er verlangt dafür nicht mehr und nicht weniger als 100 Prozent Einsatzbereitschaft“, sagte der gebürtige Brühler.

Die Leistung des 1. FC Köln ließ jedoch über die gesamte Saison nicht nach. Mit dem Einzug in die Conference League dürften mittlerweile auch die lautesten Kritiker verstummt sein. „Ich habe nicht für möglich gehalten, dass der Baumgart alles in den Griff kriegt. Der hat ja alles verbessert“, so Niedecken. Auch an der Südküste Kretas hat der Sänger einen Hennes gefunden. Auf einer Mauer ist ein Geißbock zu sehen. Der FC verabschiedet sich aus der Saison-Doku passend mit musikalischen Klängen von BAPs „Nix wie bessher“.

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