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1. FC Köln: Steffen Baumgart will mehr als den Klassenerhalt

Trainer offiziell vorgestellt : Steffen Baumgart will mit dem 1. FC Köln mehr als nur den Klassenerhalt

Der 1. FC Köln hat seinen neuen Trainer Steffen Baumgart offiziell vorgestellt. Der 49-Jährige hat große Pläne mit den Geißböcken – und begeistert damit die Fans.

Steffen Baumgart hat die Arbeit – zumindest die aktive mit der Mannschaft – noch gar nicht so richtig aufgenommen, da hat der neue Trainer des 1. FC Köln bereits ein Feuer rund um das Geißbockheim entfacht. Und das gerade einmal viereinhalb Wochen nach dem großen Zittern um den Klassenerhalt. In den sozialen Medien wird der Kölner Trainer von vielen Fans bereits gefeiert, als hätte der 1. FC Köln schon nach dem zehnten Spieltag nichts mehr mit dem Abstieg zu tun und würde mit einem Auge auf die Rückkehr ins Emirates Stadium – wo der 1. FC Köln einst gegen den FC Arsenal spielte – und in die Europa League schielen.

Der 49-Jährige denkt gar nicht daran, kleine Brötchen zu backen oder auf die Euphoriebremse zu treten. Im Gegenteil: „Wir reden immer vom Klassenerhalt. Aber wer mich kennt weiß, dass ich mehr möchte“, sagt der Coach auf seiner ersten Pressekonferenz für den 1. FC Köln. „Ich denke offensiv und ich hoffe, dass wir in unserem Stadion diese Saison das eine oder andere Mal die Tormusik hören werden. Wir wollen Tore schießen, auch mit dem Risiko, hinten eins mehr zu bekommen.“ Mit dieser Marschroute hatte sich Baumgart schon in die Herzen der Fans des SC Paderborn gespielt. Trotz Niederlagen wurde er beim SC für die Offensivausrichtung seiner Mannschaft gefeiert.

Also ausgerechnet für den Teil des Teams, der beim 1. FC Köln in der vergangenen Spielzeit so gar nicht in Schwung kommen wollte. „Es war nicht immer jeder einsetzbar, das darf man nicht vergessen. Ich sehe viel Potenzial“, sagt der Trainer. „Ich erfinde den Fußball ja nicht neu. Die Defensive beginnt vorne, gerade weil ich sehr gerne offensiv spiele.“

1. FC Köln-Trainer Steffen Baumgart: „Ich lasse gerne mit zwei Stürmern spielen“

Einen entscheidenden Part spielen daher in seinen Planungen die Angreifer: „Ich lasse gerne mit zwei Stürmern spielen.“ Baumgart betont, dass er durchaus mit Rückkehrer Anthony Modeste und dem in der vergangenen Saison so oft verletzten Sebastian Andersson rechne. „Ich freue mich auf die Arbeit mit den beiden“, sagt der Coach, wohl wissend, dass gerade hinter Andersson ein dickes Fragezeichen steht. Der Schwede laboriert noch immer an seinem lädierten Knie, ein Karriereende ist nicht ausgeschlossen. „Bei Andersson muss man abwarten, da kann ich keine Prognose stellen. Wir sehen, wie wichtig er auf dem Platz sein kann, deswegen plane ich auch erstmal mit ihm“, sagt Baumgart. „Anthony hat in den vergangenen Jahren nie richtig eine Vorbereitung absolviert. Dieses Mal steigt er von Anfang an mit ein, ist gesund und bringt die Qualität mit. Deswegen liegt es an ihm und an mir, den Zünder zu ziehen.“ 

Mit 39 Spielern steigt Baumgart in die Vorbereitung des 1. FC Köln ein

Beide Stürmer sollen am Montag in die Vorbereitung einsteigen. Genauso wie 37 weitere Spieler, die zum Trainingsauftakt erwartet werden. „Wir gehen erst mal mit allen ins Training, es gibt keine Streichliste“, sagt Interims-Sportchef Jörg Jakobs. „Es gibt aber Spieler mit guter und schlechter sportlicher Perspektive. Diese werden wir ihnen aufzeigen. Der Kader wird kleiner werden.“ Auch Sebastiaan Bornauw ist zunächst mit dabei. Der Abwehrspieler wird heftigst vom VfL Wolfsburg umworben, der 1. FC Köln hofft auf hohe Transfereinnahmen. Eine Entscheidung ist dort wohl noch nicht gefallen.

Dafür aber auf einer anderen Position. Nach Timo Hübers hat der 1. FC Köln nun auch die Verpflichtung von Marvin Schwäbe bestätigt. Der Keeper kommt von Bröndby IF und soll den Druck auf Timo Horn erhöhen. „Man hat mir eine sehr gute Perspektive aufgezeigt und die Chance auf einen fairen Konkurrenzkampf. Ich werde mein Bestes geben und möchte meinen Beitrag dazu leisten, damit wir die kommende Saison erfolgreicher gestalten“, so Schwäbe, der sich als frisch gebackener dänischer Meister nur schwerlich mit der Rolle als Nummer zwei zufrieden geben wird. In der vergangenen Spielzeit stand Horn zunächst in der Kritik, steigerte sich aber. Laut Baumgart ist Horn aktuell die Nummer eins, aber: „Mit Marvin haben wir jemanden geholt, der Druck auf die Nummer eins machen soll. Dann werden wir sehen, was dabei rauskommt.“ Eine Torwartdiskussion sieht Baumgart derzeit aber nicht. Julian Krahl hat den FC dagegen verlassen. Das Nachwuchstalent wechselt zur Viktoria Berlin in die 3. Liga. Die Position des dritten Keepers soll laut Jakobs aus dem „eigenen Stall“ aufgefüllt werden.

Grundsätzlich will Baumgart aber schon auch auf den eigenen Nachwuchs setzen. „Das müssen wir fördern“, sagt der Kölner Trainer. „Bevor wir woanders hingucken, schauen wir auf uns.“ Georg Strauch und Meiko Sponsel werden die Vorbereitung mit bestreiten. Auch weitere Nachwuchsspieler sollen an das Team herangeführt werden. Möglicherweise im Trainingslager in Donaueschingen (16. bis 25. Juli). „Wir haben noch nicht festgelegt, wie viele Jungs mitfahren. Da wird noch Bewegung reinkommen.“

Auf Bewegung hoffen die Kölner Verantwortlichen in der kommenden Spielzeit zudem wieder im Stadion. So könnten bereits am 1. Spieltag gegen Hertha BSC Berlin rund 15.000 Zuschauer das Heimspiel verfolgen, zumindest nach aktueller Lage. „Darum geht es doch“, sagt Baumgart, der sich auf die Rückkehr der Fans freut. „Hier in Köln muss man keinen für den FC begeistern. Die Begeisterung ist schon da. Aber wir wollen unseren Teil beitragen. Mit guten Ergebnissen und gutem Fußball.“ Das Feuer brennt.