Struber neuer Trainer beim 1. FC Köln Aus der RB-Schmiede in das FC-Stahlbad

Köln · Der 1. FC Köln hat Gerhard Struber als neuen Cheftrainer verpflichtet. Sein Stil passt zur Spielidee des Bundesliga-Absteigers. Bei RB Salzburg scheiterte Struber jedoch in der vergangenen Saison.

Gerhard Struber ist Österreicher, 47 Jahre alt, war in der vergangenen Saison Trainer des österreichischen Serienmeisters RB Salzburg und steht nun beim 1. FC Köln unter Vertrag.

Gerhard Struber ist Österreicher, 47 Jahre alt, war in der vergangenen Saison Trainer des österreichischen Serienmeisters RB Salzburg und steht nun beim 1. FC Köln unter Vertrag.

Foto: dpa/Jonathan Moscrop

Wenn am 24. Juni das erste Mannschaftstraining der neuen Saison am Geißbockheim läuft, dürften die FC-Fans bei den Kommandos bekannte Klänge vernehmen. Sechseinhalb Jahre nach dem Abschied von Peter Stöger wird mit Gerhard Struber wieder ein Österreicher den Ton bei der Profimannschaft des 1. FC Köln angeben. Der Bundesliga-Absteiger gab am Mittwoch bekannt, was in den Tagen zuvor schon durchgesickert war: Der 47 Jahre alte Struber tritt als Cheftrainer die Nachfolge von Timo Schultz an.

Den Vertrag unterschrieb Struber bereits am Dienstagnachmittag. Genauere Angaben zu dem Kontrakt machte der FC nicht. Die Laufzeit soll aber zwei Jahre betragen. „Ich freue mich richtig darauf, die Mannschaft kennenzulernen, das Trainerteam kennenzulernen, die Fans kennenzulernen“, so Struber. „Ich möchte sehr schnell und richtig tief in die FC-Welt eintauchen, um unseren Zielen nachzujagen und sie auch zu erreichen.“ Die Ziele benannte der Trainer nicht. Sollte er tatsächlich zwei Jahre Amt sein, dürfte der Aufstieg aber die Voraussetzung dafür sein, dass er den Job weitermachen darf.

Sein Team wird er bereits nächste Woche Freitag, 21. Juni, zu Gesicht bekommen. Dann endet für die Profis die Sommerpause mit der Leistungsdiagnostik. Eine offizielle Vorstellung des neuen Cheftrainers soll drei Tage später – also am Tag des ersten Mannschaftstrainings – folgen.

Bereits als Spieler in Salzburg

Insbesondere österreichaffine FC-Fans werden spätestens bei der Präsentation erkennen, dass sich der Wiener Schmäh eines Stögers von Strubers Dialekt aus dem Salzburger Land unterscheidet. Und auch fußballerisch haben die beiden Landsmänner nicht viel gemein. Anders als der auf eine sichere Defensive bedachte Stöger wurde Struber als Trainer im Red-Bull-Kosmos sozialisiert. Und wo RB draufsteht, stecken qua Eigenverständnis Flügel drin, mit denen man nach vorn fliegt, aber ganz sicher nicht mauert.

In seiner aktiven Karriere stand der Mittelfeldspieler bereits beim Salzburger Club unter Vertrag, als dieser noch Austria hieß. 2007 begann er als Coach im Nachwuchs von RB. Mit Ausnahme der Zwischenstationen beim FC Barnsley, den er zum Klassenerhalt in der zweiten englischen Liga führte, und beim Salzburger Ligakonkurrenten Wolfsberger AC liest sich die Trainer-Vita wie der schulbuchmäßige Aufstieg im Fußball-Imperium von Red Bull. Bis 2016 im Salzburger Nachwuchs bis zum A-Jugend-Coach hochgearbeitet, anschließend beim Farm-Team FC Liefering im Seniorenbereich Fuß gefasst, sich drei Spielzeiten bei der Zweigstelle in New York etabliert und im Sommer 2023 als Cheftrainer bei RB Salzburg eingesetzt.

Aus in der Champions League und im ÖFB-Cup

Doch die Saison beim österreichischen Serienmeister lief nicht wie erhofft. In der Champions League schieden die Roten Bullen in der Gruppenphase mit nur vier Punkten sang- und klanglos als Letzter aus. Als im April das Halbfinale im ÖFB-Cup gegen Sturm Graz mit 3:4 verloren wurde, anschließend in der Liga ein Remis und eine Niederlage folgten, die Grazer am 26. Spieltag punktetechnisch mit Salzburg gleichzogen, wurde der Coach trotz Tabellenführung freigestellt.

Zwei Monate später sieht sich Struber einer neuen Aufgabe gewachsen. Und die hat es in sich. Hatten die Erfolge und das besondere Charisma eines Steffen Baumgart das chronisch nervöse Umfeld des Traditionsclubs beruhigt, katapultierte die letzte Saison den FC und alle, die in lieben, zurück in den unangenehmen Zustand der Unsicherheit. Tor-Flaute, Baumgart-Aus, Transfersperre, Abstieg. Ein Albtraum. Und wäre das alles in puncto Unruhe nicht genug, erhebt nun auch noch eine prominent besetzte Opposition den Anspruch auf die Vereinsführung.

Nicht alle Baustellen betreffen Struber direkt. Er ist jedoch derjenige, der sich während der nächsten Saison mindestens zweimal pro Woche auf einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten stellen muss. Ein Stahlbad für einen Trainer, der erstmals bei einem Traditionsverein mit dieser Strahlkraft das sportliche Gelingen verantwortet.

Bleiben die Österreicher Kainz und Ljubicic?

Aufgrund der Transfersperre muss der Neue zudem mit den Spielern zurechtkommen, die bereits unter Vertrag stehen. Will er den RB-typischen Stil – aggressives Vorwärtsverteidigen, Gegenpressing, schnelles Umschalten – auch im Rheinland umsetzen, wird er das in der Sommerpause dem vorhandenen Personal möglichst schnell vermitteln müssen. Zumindest in dieser Beziehung sollte helfen, dass die noch unter Baumgart implementierte FC-Spielidee, die inzwischen von der Jugend bis zu den Profis gepredigt wird, dem RB-Fußball ähnelt. Oder wie es Sportgeschäftsführer Christian Keller ausdrückt: „Gerhard passt super in unser Anforderungsprofil. Exemplarisch seien seine Passfähigkeit zur FC-Spielidee sowie seine Kompetenz und Erfahrung in der Entwicklung junger Spieler genannt.“

Letzteres dürfte besonders gefragt sein, wenn neben Innenverteidiger Jeff Chabot – wechselt zum VfB Stuttgart – weitere Stammspieler Köln verlassen sollten. In dieser Hinsicht könnte es helfen, dass Struber Landsmann von Dejan Ljubicic und Florian Kainz ist. Die beiden Mittelfeldspieler vermieden bisher ein Bekenntnis zum FC. Kainz, der sich derzeit mit der österreichischen Nationalmannschaft auf die EM vorbereitet, hat sogar denselben Berater wie Struber.

Apropos Landsmänner. Struber ist auf dem Posten des Cheftrainers beim 1. FC Köln nach Stöger nicht der zweite Österreicher, sondern der dritte. Der gebürtige Wiener Ernst Ocwirk trainierte in der Saison 1970/71 die Mannschaft um Wolfgang Overath und Heinz Flohe. Nach zwei Niederlagen in DFB-Pokalfinals – das Endspiel der Vorsaison fand 1970 wegen Terminschwierigkeiten erst Ende August statt – und Platz elf in der Bundesliga trennte sich der FC von Ocwirk. Die Ziele von Struber im Jahr 2024 sind völlig andere. Leichter macht es den Job aber ganz sicher nicht.

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