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1. FC Köln: Stürmer Anthony Modeste möchte zurück zu alter Form

Stürmer des 1. FC Köln : Anthony Modeste möchte zurück zu alter Form finden

Hinter FC-Stürmer Anthony Modeste liegt eine sportlich schwierige Saison. Unter Steffen Baumgart wagt der Franzose nun einen Neustart beim 1. FC Köln – und spürt im Trainingslager das Vertrauen des neuen Coaches.

Sicherlich ist es ein wenig Zufall, aber auch viel Antizipation. Anthony Modeste weiß, was er da im Strafraum macht. Der Ball fällt dem Angreifer vor die Füße, die Drehung ist explosiv, der Schuss aus kurzer Distanz nicht schlecht, aber auch nicht gut genug. Der Keeper des Schweizer Zweitligisten Schaffhausen ist zur Stelle.

Mo­deste schüttelt fast schon resignierend den Kopf. Die Reaktion kommt vom Kölner Trainer. „Weiter, Tony“, ruft Steffen Baumgart. „Immer weiter, gut so.“ Die Szene im Testspiel des FC am vergangenen Sonntag (2:0-Erfolg) ist symptomatisch. Symptomatisch für Modeste, aber auch für die Sturmkraft des 1. FC Köln.

Modeste arbeitet dieser Tage hart, ist bei jeder der intensiven Trainingseinheiten voll dabei. Und doch bleiben Zweifel. Zweifel, dass der Angreifer noch einmal an seine alte Form anknüpfen kann. Jene Form, mit der er den FC fast im Alleingang 2017 in die Europa League schoss. Die Leichtigkeit ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Der Abschied nach China, die Rückkehr, die Nicht-Berücksichtigung unter Ex-Trainer Markus Gisdol, der Wechsel nach St. Etienne.

Modeste ist an den Adduktoren operiert worden

„Für mich war das die richtige Entscheidung. Ich habe frische Luft bekommen, das war gut für jede Partei“, sagt der Franzose über seinen Abschied. Viel zum Einsatz kam er nicht. Schließlich musste sich der Stürmer auch noch einer Operation unterziehen. „Klar bin ich noch nicht zu 100 Prozent fit, aber ich habe in diesem Sommer viel investiert. Ich hatte meine Adduktoren-OP, dann noch eine an den Zähnen“, sagt Modeste. „Ich merke immer noch etwas in dem Bereich, aber das ist nichts Frisches, dort habe ich schon seit zehn Jahren Schmerzen. Es gab aber einen Punkt, an dem ich nicht mehr laufen konnte.“

Baumgart glaubt an seinen Stürmer, feuert Modeste immer wieder an, erwartet aber auch, dass der Angreifer mental voll dabei ist. „Man muss immer dran glauben. Wenn man wegknickt, ist das Spiel vorbei. Wenn aber noch nicht abgepfiffen ist und ich draußen noch rumbrülle, ist es eben noch nicht vorbei“, sagt Baumgart, der bei den Trainingseinheiten, aber auch im Spiel gerne mal brüllt. Natürlich auch aus Eigennutz. Mit dem 49-Jährigen gibt es zwar einen neuen Trainer, die große Baustelle – die mangelnde Offensivkraft – ist bislang aber geblieben.

Für Baumgart ein Problem. Denn der Kölner Trainer steht wie kaum ein anderer Coach für laufintensiven Offensivfußball. Baumgart ist ein Trainer, der Gegentore in Kauf nimmt, weil er davon ausgeht, dass auf der anderen Seite mehr Treffer gelingen. Nur hat sich die Kölner Offensivqualität nicht grundlegend verbessert. Abgesehen von Mark Uth, der sich bislang als Gewinn hinter den Spitzen präsentierte, verfügt der FC in der vordersten Angriffsposition mit Sebastian Andersson und Modeste über zwei Strafraumstürmer – ein neuralgischer Punkt. Kaum vorstellbar, dass Andersson über die gesamte Spielzeit fit bleibt. Und auch hinter Modeste steht fast schon obligatorisch ein dickes Leistungsfragezeichen.

Modeste lobt Neu-Trainer Steffen Baumgart

Um diese Probleme weiß auch Baumgart. Der Trainer wird nicht müde zu betonen, dass man „mal sehen muss“, wie sich die beiden entwickeln. Dass man die Spieler langsam heranführe. Da Andersson weiter angeschlagen scheint, ruhen die Hoffnungen des gebürtigen Rostockers auch auf Modeste. Die Hoffnung, aber auch das Vertrauen, das Baumgart in ihn setzt, spürt der Franzose. „Der Austausch mit ihm ist gut. Er ist gerade heraus, und er ist der Richtige. Das gibt es im Profifußball nicht so oft“, sagt Modeste. „Bislang fühlen wir uns echt gut mit dem Trainer. Er sagt, was er möchte, und wir machen das.“

Und „das“ ist nicht wenig. Die Trainingseinheiten in Donaueschingen haben es in sich. Modeste zieht mit, setzt hohe Ansprüche an sich. „Es ist nicht einfach, aber ich will mich durchsetzen“, sagt der Stürmer. „Ich bin endlich mal in einer Vorbereitung. Das habe ich sehr lange nicht gemacht. Und das tut mir gut.“

Tatsächlich wirkt der Angreifer locker, gelöst. Als habe er seine Leichtigkeit wiedergefunden. Es fehlt noch immer an der Torgefährlichkeit. Aber auch daran wird Modeste weiter arbeiten. Gemeinsam mit Baumgart – dem lautstark fordernden Trainer.