Köln vor hoher Auswärtshürde FC-Torhüter Marvin Schwäbe soll in München zum großen Rückhalt werden

Köln · Eine der wenigen Konstanten des 1. FC Köln in dieser schwierigen Saison ist Marvin Schwäbe. Auch in der Partie beim FC Bayern wird der Torhüter eine Stütze der Mannschaft sein müssen.

Rückhalt der Kölner in schweren Zeiten: Torhüter Marvin Schwäbe.

Rückhalt der Kölner in schweren Zeiten: Torhüter Marvin Schwäbe.

Foto: dpa/Harry Langer

Im fachgerechten Umgang mit Kindern hat Marvin Schwäbe schon einige Praxiserfahrungen sammeln dürfen. Vor einigen Tagen erst ist er zum zweiten Mal Vater geworden, und die Kleinen gilt es zu hüten wie sein eigenes Tor, egal, was da so auf einen zukommen mag. Beim Training des 1. FC Köln am Mittwoch durfte er das erworbene Fachwissen dann gleich mal einem weiteren Praxistest unterziehen. Bei der Trainingseinheit mit seinen beiden Torwart-Kollegen Philipp Pentke und Matthias Köbbing, angeleitet von Torhütertrainer Kersten Kuhl, verdingten sich einige kleine Zaungäste als Balljungen, sie warfen die über die Bande geschossenen Bälle immer wieder in vollem Eifer zurück ins Feld – mitten hinein in die Übungen. „Die Bälle nicht während der Übungen reinwerfen, sagte Schwäbe milde und vergaß ein „Bitte“ nicht. „Da könnten wir uns wehtun“.

Natürlich waren die nett gemeinten, aber zu zeitigen Ballrückgaben kein Grund, aus der Haut zu fahren. Ruhe, Gelassenheit und Freundlichkeit aber sind Wesenszüge, die den 28-Jährigen prägen – auf und abseits des Platzes. Zwar spielt Fußball eine wichtige Rolle in seinem Leben, kein Grund aber für Schwäbe, ihn über das Wesentliche zu stellen. Nein, das Champions-League-Spiel der Bayern beim FC Arsenal (2:2) habe er am Dienstagabend nicht verfolgt, sagte er knapp. Kurze Pause. Nachfrage. Der Grund? „Die Kinder mussten ins Bett gebracht werden“. Klar. Und das lässt sich eben auch der Papa nicht nehmen.

Schwäbe: Auf die Defensive kommt es an

Natürlich weiß aber auch er, selbst ohne aktuellen Anschauungsunterricht im Fernsehen, was seine Mannschaft am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim voraussichtlich entthronten Meister erwartet. Dass das Münchner Starensemble seinen gesamten Fokus nach einer bisher verwurschtelten Saison nun auf die Königsklasse projizieren wird, ist für Schwäbe nicht vorstellbar. Er glaube, sagte er nüchtern, die Bayern verfügten über genügend Klasse, „das Ganze separieren zu können“. Da müsse man nicht drum herumreden. „Wir wissen, dass es ein extrem schweres Spiel werden wird.“ Gefordert sieht er nicht nur sich selbst als letzte Instanz vor dem Tor, sondern ebenso seine Vorderleute, die den Widerstand initiieren sollen. „Die Bayern haben ihre Qualität, sie werden zu ihren Torchancen kommen“. Er erhofft sich von seinem Team einen „sehr, sehr guten Tag, um da was mitzunehmen – vor allem in der Defensive“.

Einen Tag wie jenen im Januar 2023, als der FC nach einem furchtlosen Auftritt einen Sieg knapp verpasste in der bajuwarischen Metropole, da Joshua Kimmich mit einem Traumtor kurz vor Schluss noch zum Remis traf. Es sind eben solch mutigen Auftritte, die sich Timo Schultz trotz der schweren Zeiten von seinen Spielern wünscht. Beim Spektakel-Sieg gegen Bochum, das hatte auch der Kölner Trainer moniert, seien die Fesseln erst nach dem späten 1:1 abgefallen. Diesmal jedoch wollen sich die Kölner gleich zu Beginn als Entfesselungskünstler houdinischen Ausmaßes erweisen. Selbstredend soll auch der berühmte Schwung aus dem Krimi gegen Bochum zu einer gewissen Enthemmung beitragen. Die zurückliegenden Wochen haben Schwäbe zumindest in der Ansicht gestärkt, dass „wir schwer zu bespielen sind“, ganz gleich, „wer da auf der anderen Seite steht“.

Kölner haben neues Selbstvertrauen getankt

Der irre Sieg gegen Bochum war, wie es der Torhüter ausdrückte, nicht nur „Wahnsinn“, er habe in den drei Jahren in Köln „bisher einiges erlebt. Aber das war der lauteste Moment im Rheinenergie-Stadion. Gefühle pur“. Keinen Zweifel lässt er daran, dass das Selbstwertgefühl durch solche Ereignisse eine Steigerung erfährt, sagte aber auch, dass „wir im Team immer funktioniert haben. Aber natürlich lässt es sich besser arbeiten, wenn man drei Punkte mitgenommen hat.“ Ein Pünktchen, das ist anzunehmen, würde den Arbeitsauftrag des FC in Bayern schon als erfüllt ansehen lassen. Es gehe um jedes Tor, betonte Schwäbe, um jeden Punkt, „wir werden alles versuchen“.

Das klingt auf der Zielgeraden des Wettbewerbs um den Klassenerhalt nicht wie eine Phrase, die Hoffnung, der Mut scheint tatsächlich zurück zu sein am Geißbockheim. Auch und vor allem bei dem Torhüter, der als eine der wenigen Kölner Konstanten eine bislang sehr gute Saison für sich in Anspruch nehmen darf. So ist es durchaus vorstellbar, dass Schwäbe, der einen Vertrag bis 2027 hat, im Abstiegsfall den Club verlässt. Er verfügt über eine Ausstiegsklausel.

Schwäbe verfügt über Ausstiegsklausel

Mit diesem Thema beschäftigt er sich vor dem Hintergrund des drohenden Abstiegs jedoch gerade nicht. Neue Energie zieht er vor der Herausforderung München daraus, dass „wir bissig sind in den Zweikämpfen“, daraus, dass „wir mutig nach vorn spielen“, daraus, dass „wir ein Konzept gefunden haben“. Und das soll nach zuletzt zwei knappen Niederlagen gegen den derzeit zerbrechlich wirkenden Branchenriesen greifen. Beim 2:1-Sieg im Sommer präsentierten sich die Münchner gegen ebenbürtige Kölner ebenfalls als Last-Second-Spezialisten – und wurden Meister in Müngersdorf. Auch das 1:1 von Anfang 2023 dürfte in die Überlegungen einfließen. „Wenn wir ins Stadion einlaufen, werden da vielleicht ein paar Gedanken freigesetzt. Wir können alles nochmal Revue passieren lassen, dass wir da ein gutes Spiel gemacht haben“, sagte er und fragte: „Warum nicht daran anknüpfen?“

Angst schwingt da nicht mit. Ablenkung vom Abstiegskampf findet er daheim, in einem Vorort von Düren. Die Kinder werden ihn schon reichlich fordern. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihm ausreichend Nachtruhe gönnen.

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