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Nach Klassenerhalt: 1. FC Köln trennt sich von Horst Heldt

Nach Klassenerhalt : 1. FC Köln trennt sich von Horst Heldt

Der 1. FC Köln und Horst Heldt gehen getrennte Wege. Der Sportdirektor wurde am Mittag vom Verein über seine Amtsenthebung informiert.

Das Gesicht war weder verärgert noch sonderlich amüsiert. Als Horst Heldt vor dem wichtigen Kellerduell gegen den FC Schalke 04 beim TV-Sender Sky nach seiner Zukunft gefragt wurde, wirkte er seltsam emotionslos. Die Gerüchte über sein Aus beim 1. FC Köln machten bereits die Runde. Sky wollte unter anderem „etwas“ erfahren haben; die „Bild“ berichtete, FC-Präsident Werner Wolf habe auf die Frage, ob Heldt beim Abstieg gehen müsse, nur geantwortet, dass der FC nicht absteige. 

Noch-Trainer Friedhelm Funkel rang den Sky-Experten im Studio mit einer wohl nicht gewollten Äußerung über Heldt ebenfalls ein Lächeln ab. „Ich wünsche Horst, dass er seine Arbeit hier fortführen kann. So schlecht, wie sie manchmal gemacht wird, ist sie wirklich nicht“, sagte der damalige Kölner Coach. So schlecht nicht, aber auch nicht so gut? Natürlich hatte Funkel bei seiner Äußerung keine böse Absicht. Im Gegenteil: Der Kölner Trainer wollte noch einmal unterstreichen, wie gut und vor allem vertrauensvoll die Arbeit mit dem damaligen Sportdirektor Horst Heldt verlaufe.

Das Vertrauen teilten die FC-Verantwortlichen nicht mehr. „Wir sind Horst Heldt sehr dankbar, dass er den Posten beim 1. FC Köln unter schwierigen Rahmenbedingungen übernommen und alles für den FC gegeben hat. Wir wissen, wie sehr er unseren Verein im Herzen trägt – entsprechend ist uns der Schritt nicht leichtgefallen“, sagte FC-Präsident Werner Wolf. Auf die Party über den Kölner Klassenverbleib folgte die Ernüchterung.

Trennung von Heldt überrascht nicht

Wirklich überraschen konnte die Trennung nicht mehr. Schon am Sonntagmorgen war es verdächtig still um den scheidenden Sportdirektor geworden, dessen Vertrag vor der Saison noch bis 2023 verlängert worden war. Heldt hatte im November 2019 das Amt in Köln übernommen. Nachdem der FC im vergangenen Jahr die Klasse gehalten hatte, war Heldt gemeinsam mit Markus Gisdol noch gefeiert worden. Die Stimmung kippte dann in dieser Saison.

Heldt wurde massiv für die Kaderplanung und die Sommertransfers kritisiert. Nicht nur von den Fans. „Wir können mit der Zusammenstellung des Kaders und der sportlichen Entwicklung in der abgelaufenen Saison nicht zufrieden sein“, so Wolf. Dimitrios Limnios und Tolu Arokodare entpuppten sich als Fehleinkäufe, eine mögliche Verletzungspause von Sebastian Andersson konnte zumindest nicht ausgeschlossen werden. Marius Wolf absolvierte über weite Strecken eine solide Saison. Einzig Ondrej Duda wusste in vielen Spielen zu überzeugen.Im Winter versäumten die Kaderplaner es dann, die richtigen Stellschrauben nachzujustieren. Anstelle eines ganz offensichtlich fehlenden Zielstürmers wurden mit Max Meyer ein weiterer Mittelfeldspieler und mit Emmanuel Dennis ein weiterer Offensiv-Flop verpflichtet.

Auch die Nähe zu Markus Gisdol wurde Heldt immer wieder vorgeworfen. Der Sportdirektor hielt überraschend lange an dem kriselnden Ex-Trainer fest, stellte Ultimaten, die er dann aber wieder kassierte.

Baumgart-Verpflichtung wurde als Befreiungsschlag gewertet

Zuletzt punktete der ehemalige FC-Spieler mit der Verpflichtung von Steffen Baumgart als Nachfolger von Friedhelm Funkel. Zudem verpflichtete Heldt mit Dejan Ljubicic bereits den ersten Spieler für die kommende Saison.

Heldts Aufgaben werden zunächst Jörg Jakobs und Ex-Keeper Thomas Kessler übernehmen. Jörg Jakobs wird die strategische Ausrichtung des sportlichen Bereichs verantworten. Thomas Kessler soll die Schnittstelle zwischen Jörg Jakobs, Lukas Berg und der Mannschaft bilden. Das Team muss trotz finanzieller Einbußen eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen, gleichzeitig aber Transfereinnahmen einfahren.