0:2-Pleite gegen Darmstadt 1. FC Köln blamiert sich gegen den Tabellenletzten

Update | Köln · Der 1. FC Köln hat sich bei der desaströsen 0:2-Niederlage gegen den Tabellenletzten Darmstadt 98 als nicht bundesligatauglich erwiesen. Damit ist der Klassenerhalt für die Mannschaft von Trainer Timo Schultz in sehr weite Ferne gerückt

1. FC Köln unterliegt Darmstadt mit 0:2
Foto: dpa/Marius Becker

Eine quasi Verpflichtung zum Sieg können Körper und Geist beachtlich lähmen. Und der Druck auf dem Kölner Kessel vor der Partie gegen Darmstadt 98 war außerordentlich hoch. Daher galt es für die Fußballer des ersten Fußballclubs der Stadt, den mentalen Ballast im Duell mit dem Tabellenletzten abzuwerfen. Einen Schuss „Lockerheit“ hatte ihnen daher ihr Trainer Timo Schultz empfohlen bei dem Vorhaben, die drei eminent wichtigen Punkte im Abstiegskampf in Müngersdorf zu behalten.

Doch der Kopf spielte nicht mit, die Beine waren schwer. Die Qualität reichte schlicht nicht aus, um spielerisch limitierte Gäste zu bezwingen. Und so war die Blamage nach einem desaströsen Vortrag gegen das abgeschlagene Schlusslicht unvermeidbar. Zwar ist der Klassenerhalt nach der peinlichen 0:2 (0:0)-Niederlage gegen die Hessen rechnerisch für die Kölner noch möglich bei weiterhin vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz, doch ist der Ligaverbleib nun in eine Ferne gerückt, die sich in einer fremden Galaxy befinden dürfte. Mainz 05 auf Platz 16 kann am Sonntag in Freiburg den Abstand noch vergrößern.

Das Spiel beim FSV am kommenden Spieltag ist die wohl letzte Chance für den FC, den Abstieg doch noch zu vermeiden. Klare Worte nach dem irritierenden Zusammenbruch fand Christian Keller. „Das war nicht bundesligatauglich“, stellte der Geschäftsführer fest. Und Kapitän Florian Kainz sprach von einem „Gefühl der Verunsicherung“ auf dem Platz. „Das war von allem zu wenig.“

Dabei begannen die Kölner nicht einmal schlecht, waren sofort auf den ersten Treffer aus, doch kassierten sie den gleich selbst: Faride Alidou bekam den Ball mit voller Wucht an den Kopf, spielte erst weiter, musste dann aber behandelt werden. Köln wirkte danach etwas angeschlagen, unsortiert in der Defensive. Fand dann aber über gewonnen Zweikämpfe in die Partie. Die Schultz-Elf übernahm die Kontrolle, zeigte, dass sie gewillt war, dieses Spiel unbedingt für sich zu entscheiden. Und hatte Pech. Als der wieder fitte Alidou nach einer Ecke von der Strafraumgrenze aus der Drehung abzog, verhinderte nur der Pfosten die Führung (18.).

Es war ein Warnschuss, doch der Warnung folgten keine Kölner Taten. Kaum einmal fanden sie nun den Weg in die gefährlichen Räume, und im Aufbauspiel war das Tempo sehr überschaubar. Dazu gesellten sich Abspielfehler, die den FC-Offensivexpress schon im Ansatz bremsten. Ein langer Ball von Abwehrbaum Jeff Chabot fand immerhin einmal Adamyan, der sich in den Strafraum geschlichen hatte, doch die Ballmitnahme misslang – so folgte nur ein Schüsschen mit der Pike ans Außennetz (34.). Da auch Darmstadt, das mit dem Sieg in Müngersdorf (der erste nach 22 Spielen) den vorzeitigen Abstieg vermied, kaum spielerische Mittel fand, plätscherte die Partie auf äußerst magerem Niveau daher. Viel Kampf, viel Krampf. Die vom FC erhoffte Leichtigkeit hatte sich eine gute Tarnung gewählt.

Zwar versuchte Köln Druck auszuüben, doch die Köpfe schienen nicht frei. Der frühere Kölner Torhüter im 98-Tor, Marcel Schuhen, verlebte ruhige erste 45 Minuten. Die Gefahr bei Darmstädter Kontern war dagegen greifbar. „Wir wollen euch kämpfen sehen“ skandierten die Fans beim Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck. Einige Pfiffe mischten sich darunter, die Unzufriedenheit auf den Rängen über den dürftigen Vortrag in diesem so entscheidenden Duell fand darin Ausdruck.

Die Kölner Spieler fanden sehr früh den Weg wieder zurück auf den Platz, stimmten sich mit Sprintübungen ein auf den zweiten Akt. Alidou, der nach seinem Pfostenschuss unglücklich agierte, war nicht mehr dabei, für ihn sollte Maina Schwung in das statische Angriffsspiel bringen. Der kam zum ersten Mal auf, als der durchgestartete Adamyan Schuhen im Tor umkurvte, den Ball aber am verwaisten Tor vorbeijagte (52.). Sein Glück: Er hatte sich zuvor im Abseits befunden. Auf der anderen Seite blieb das Glück aus. Nach einer vermeidbaren Ecke flutschte der Ball zu Christoph Klarer durch und dessen Schuss aus kurzer Distanz durch die Beine von FC-Torhüter Marvin Schwäbe - 0:1. (57.). Ein Rückschlag wie gegen den VfL Bochum, der erst innerhalb von anderthalb Minuten in der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg wettgemacht wurde.

1. FC Köln: Bilder von der 0:2-Niederlage gegen Darmstadt
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Bilder von der 0:2-Niederlage gegen Darmstadt

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Doch der Gegentreffer zeigte Wirkung. Die Kölner waren nun noch verunsicherter. Und hätten beinahe einen weiteren kassiert, als Mathias Honsak nach einem Konter das Tor per Kopf nur knapp verfehlte (63.). Schultz brachte den langen Mittelstürmer Steffen Tigges, der schon gegen Bochum mit seinem Treffer den Sieg einleitete. Doch tat sich der FC weiterhin schwer, Lösungen gegen das hessische Abwehrbollwerk zu finden und Durchschlagskraft zu entwickeln. Das schaffte auch Adamyan nicht, der den Ball in aussichtsreicher Position nicht richtig erwischte (75.).

Allein die Hoffnung blieb auf einen erneuten Last-Second-Sieg. Doch diesmal stellte sich das Wunder quer, da Oscar Vilmhelmsson in der Nachspielzeit den Deckel draufsetzte auf den nicht unverdienten Sieg der Gäste. Die Kölner Fans waren naturgemäß völlig bedient. „Wir haben die Schnauze voll“ dröhnte es von den Rängen. Gellende Pfiffe. Dann war Schluss. Und vermutlich ist der siebte Kölner Bundesliga-Abstieg damit unausweichlich. Wenn kein Wunder passiert. „Wir haben noch vier Mal die Chance auf drei Punkte“, sagte Abwehrspieler Timo Hübers in den Katakomben in Müngersdorf und machte sich und der Mannschaft damit selbst Mut, ohne den Eindruck zu vermitteln, tatsächlich an die Rettung zu glauben. Denn er wusste nur zu gut, dass das Team gegen Darmstadt alles hat vermissen lassen, was an den Klassenerhalt glauben ließe. „Mut, Wille und Entschlossenheit“ hätten gefehlt, sagte Hübers. „Uns ist das Herz in die Hose gerutscht.

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