1. Sport
  2. 1. FC Köln

Rheinisches Derby: 1. FC Köln verliert gegen Leverkusen

Rheinisches Derby : 1. FC Köln verliert gegen Leverkusen

2284 Tage musste Bayer 04 Leverkusen warten, um wieder von ganz oben einen Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga werfen zu können. Eine sehr lange Zeit und ein Gefühl, das beflügelt und selbstbewusst macht.

Der 1. FC Köln hat am Mittwochabend diese breite Brust des Werkself-Jahrgangs 2020/21 schmerzhaft zu spüren bekommen. Der Spitzenreiter setzte mit einem auch in der Höhe verdienten 4:0 (2:0) –Derbysieg ein Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz und holte die Geißböcke nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen auf den Boden der Tatsachen zurück.

Auch in den Startaufstellungen waren die Überraschungen ausgeblieben. FC-Trainer Markus Gisdol ersetzte den gesperrten Ondrej Duda durch Sebastian Andersson. Kapitän Jonas Hector gehörte erstmals seit dem 0:1 Ende September in Bielefeld wieder zum Kader und nahm auf der Bank Platz. Bayer-Coach Peter Bosz rotierte im Vergleich zum 4:1 gegen Hoffenheim zweimal in der Viererkette und brachte Aleksandar Dragovic und Wendell für Edmond Tapsoba und Daley Sinkgraven. Kurz vor Spielbeginn musste Lars Bender passen, für den der Ex-Kölner Mitchell Weiser in die Anfangsformation rückte.

Was mit Benders Ausfall vielleicht wie ein Vorteil für die Kölner aussah, entpuppte sich schnell als Nachteil. Nachdem die Leverkusener sich vom Anpfiff weg mit deutlicher Körpersprache, immensen Tempo und Spielfreude Respekt verschafften, traf Weiser nämlich zur Führung. Sebastiaan Bornauw wehrte einen Freistoß von Nadiem Amiri so unzureichend ab, dass der ehemalige FC-Nachwuchsspieler den Ball aus 14 Meter mit links volley herrlich ins Tor schießen konnte (8.). Die Kölner bekamen überhaupt keinen Zugriff und kassierten nicht einmal 90 Sekunden später das 0:2. Moussa Diaby ließ an der Mittellinie Sava Cestic stehen und raste unbehelligt bis zum Strafraum, wo der den Ball mit links flach ins linke Eck zirkelte (10.). „Die Leverkusener haben uns am Anfang überrant. Wir haben heute keine Chance gehabt“, räumte FC-Kapitän Timo Horn ein.

Leverkusen hatte alles im Griff und spielte auch gegen den Ball in höchstem Tempo. Als Salih Özcan in aussichtsreicher Position an den Ball kam, sprintente Linksverteidiger Wendell heran und verhinderte den Abschluss des Kölners (13.). Bayer hätte durch Dragovic und Amiri (35.) erhöhen können, während der FC nur durch Bornauws Kopfball eine Chance verzeichnete (30.). Der Belgier verhinderte auch eine Rote Karte gegen Jannes Horn, der Leon Bailey von den Beinen holte, dank des sprintenden Bornauw aber nicht letzter Mann war (35.). Das war noch das Positivste aus FC-Sicht in Hälfte eins.

Besser wurde es allerdings auch nicht. Leverkusen holte nach der Pause zehn Minuten Luft und schlug dann gnadenlos und im Stile eines Tabellenführers zu. Nach einem Fehlpass von Salih Özcan schaltete Bayer über Diaby so schnell um, dass alle Kölner nur hinterherhecheln konnten. Wie Patrick Schick dann die Flanke des jungen Franzosen ins lange Eck knallte, war technisch anspruchsvoll und eine Augenweide (55.). Die Höchststrafe ereilte den FC vier Minuten später. Nach einer herrlichen Kombination tauchte Florian Wirtz frei vor Timo Horn auf und verwandelte mit all seiner Klasse zum 0:4. Der 17-Jährige war im Januar vom FC auf die andere Rheinseite gewechselt und spielte zum ersten Mal in dem Stadion, in dem ihn alle Kölner gerne mit dem Geißbock-Trikot auflaufen hätten sehen wollen.

Ein Talent, um das sich der FC unter der Führung von Sportchef Armin Veh viel mehr hätte bemühen müssen. Am Geißbockheim trägt Wirtz intern den Titel „50 Millionen Euro-Fehler“. Das Spiel war mit Wirtz Tor entschieden. Während Bayer auch im 12. Spiel der Saison ungeschlagen bleibt, wartet der FC seit 12 Heimspielen auf einen Sieg. Die Kölner konnten sich nur damit trösten, dass Jonas Hector nach 65 Minuten sein Comeback feierte und sie trotz ihrer höchsten Saisonniederlage vor dem Spiel am Samstag in Leipzig auf Platz 15 weiter über dem Strich stehen.

1. FC Köln: T. Horn; Wolf, Cestic, Bournauw, J. Horn (42. Limnios), Jakobs; Skhiri (65. Meré), Rexhbecaj (65. Hector), Özcan, Thielmann (46. Ehizibue), Andersson (65. Modeste). – Leverkusen: Hradecky; Weiser, Tah, Dragovic (67. Tapsoba), Wendell; Baumgartlinger (67. Demirbay); Wirtz, Amiri (78. Sinkgraven), Bailey (67. Bellarabi), Schick (78. Alario), Diaby. - SR.: Stieler (Hamburg). – Tore: 0:1 Weiser (8.), 0:2 Diaby (10.), 0:3 Schick (55.), 0:4 Wirtz (59.). – Gelbe Karten: J. Horn; Dragovic.