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1. FC Köln vor dem Abstiegsendspiel in der Bundesliga gegen Schalke

1. FC Köln vor dem Abstiegsendspiel : FC-Trainer Funkel vermittelt Spielern Selbstvertrauen

Am Samstag spitzt sich der Kampf um den Klassenerhalt für den 1. FC Köln dramatisch zu. FC-Trainer Friedhelm Funkel versucht, den Spielern Mut und Lockerheit zu vermitteln. Kapitän Jonas Hector und Sebastian Andersson werden wohl fit

Neulich haben sie am Geißbockheim in einer kleinen Runde einige Zahlen diskutiert. Die Finanzen des 1. FC Köln standen in diesem Fall glücklicherweise nicht unter trauriger Beobachtung. Und deren Chef Alexander Wehrle war auch gar nicht eingeweiht. Es waren imposante Zahlen, die da die drei Diskutanten Lil Zercher, Horst Heldt und Friedhelm Funkel entdeckt hatten. Funkels Zahlen, die Aufschluss geben über seine Einsätze als Fußball-Profi und -Trainer, die er in seinen 67 Lebensjahren so zusammengetragen hat. Die Pressesprecherin des FC und Sportchef Heldt dürften bewundert haben, dass Funkel insgesamt 1357 Spiele im Profisektor vorzuweisen hat: 537 als Spieler (davon 320 in der Bundesliga), 820 als Trainer (493 in der Bundesliga).

Das nötigt auch Heldt, der es selbst auf 359 Spiele in der Erstklassigkeit bringt, riesigen Respekt ab. „Wir“, sagte der frühere FC-Profi vor dem entscheidenden Spiel gegen den FC Schalke 04, „können uns glücklich schätzen, Friedhelm an unserer Seite zu haben.“ Kölns Noch-ein-Spiel-Trainer strahle genau das aus, was jetzt notwendig sei. „Er ist sehr fokussiert und von dem überzeugt, was wir machen. Gleichzeitig bringt er Lockerheit ein, davon profitieren wir alle.“ Die Erfahrung hilft.

Funkel warnt FC vor Schalke

In diesen Tagen nimmt die ohnehin eine gewichtige Funktion ein in prekären Situationen (siehe Nationalmannschaft, Rückkehrer Thomas Müller und Mats Hummels), in denen über Auf- und Abstieg entschieden wird. Eine Situation in der Gefahrenzone der Liga haben die Kölner im Keller zu bestehen. Es fällt nicht leicht, aber sie werden sie annehmen – und annehmen müssen. Für das Kölner „Endspiel“, wie es Heldt nennt, erwartet Routinier Funkel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) auch von einer bereits abgestiegenen Schalker Mannschaft ernsthafte Gegenwehr und große Leidenschaft.

Der Trainer erhob bei diesem Thema am Donnerstag auf der Pressekonferenz seine Stimme, als wolle er seine Spieler ermahnen: Nachlässigkeiten dulde ich nicht. Nein! Das seien hochambitionierte Sportler, rief er den Journalisten zu, um selbst deren Sinne zu schärfen. „Hochambitionierte Trainer, und alle sind voll motiviert, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.“ Diese Aussagen bezog Funkel gleichzeitig auf die Teams aus Stuttgart und Mönchengladbach, die gegen die FC-Konkurrenten Bielefeld und Bremen antreten. „Die gehen mit hundertprozentigem Fokus in dieses Spiel.“

 So oder so: Der FC ist zum Siegen verpflichtet, will er den siebten Abstieg der Vereinsgeschichte verhindern, und muss darauf hoffen, dass die Arminia und Werder ihre Nerven nicht im Griff haben. Als ausreichende Warnung dient dem Kölner Trainer das 4:3 der Schalker zuletzt gegen Eintracht Frankfurter. Und Funkel versichert, dass man den Gegner „alles andere als unterschätzen“ werde. Was üblicherweise als Allgemeinplatz zur Kenntnis genommen wird, kam als engagiertes Versprechen an. Und ein solches Engagement, wie er es selbst zwei Tage vor dem Spiel offenbarte, wünscht er sich selbstredend auch von seinen Profis.

Nachlassen steht auch nicht auf der Agenda von Schalke mit Trainer Dimitrios Grammozis, 42, den Funkel schon als Spieler in Uerdingen kennengelernt hatte und der auch einmal beim FC unter Vertrag stand. „Wir wissen, dass Schalke jeden Gegner ärgern kann und einen guten Saisonabschluss will“, betont Funkel. „Der Sieg gegen Frankfurt gibt den Schalkern Selbstvertrauen.“

Gute Stimmung im Team

Jenes, das auch die Kölner am Samstag bestenfalls im Überfluss mit nach Müngersdorf bringen sollten. Es wird ein Nervenspiel, klar, eines, das eine besondere Herangehensweise erfordert, wie Heldt meint. Psychologische Seminare scheint der 51-Jährige jedenfalls schon belegt zu haben, denn er geht mit einer gewissen Methodik an die schwere Aufgabe heran. In vielen Einzelgesprächen soll den Spielern „ein gutes Gefühl“ vermittelt werden, „Selbstvertrauen. Jeder geht mit der Situation individuell um, jeder hat seinen eigenen Weg“. Der eine lockerer, der andere fokussierter. Diese Saison hat schon belegt, dass beide Wege zum Ziel führen können. Die Mannschaft habe „mit dem Rücken zur Wand schon oft Leistung gebracht“, sagt Heldt.

Wie Funkel der Situation begegnet, hat er am Donnerstag verdeutlicht: mit aller Ruhe und Gelassenheit. Er versucht, die Luft aus dem Ballon zu nehmen, sagt: „Die Anspannung und der Fokus steigen zwar mit jedem Tag. Aber alles geschieht mit Sinn und Verstand. Man kann nicht von Montag bis Samstag Druck aufbauen. Wir dürfen nicht hektisch oder übereifrig werden.“

Die Stimmung im Team sei, was soll er auch anderes sagen, selbst nach tagelangem Zusammensein im Quarantäne-Trainingslager im Schlosshotel Bensberg gut. „Wir hatten eine gute Woche, Spaß und haben auch mal nicht an Fußball gedacht.“

Gedanken über die Aufstellung sollten kurz vor dem Spiel gleichwohl nicht fehlen. Mittelfeldlunge Ellyes Skhiri und Sprinter Ismail Jakobs fehlen wegen einer Sperre. Dafür ist mit der Rückkehr von Kapitän Jonas Hector und Angreifer Sebastian Andersson zu rechnen. Ob der Schwede auch in der kommenden Saison für den FC auflaufen wird, ist ungewiss.

Einige Spieler werden dagegen sicher Abschied nehmen vom Club. Namen gab Heldt nicht preis. Festliches Händeschütteln, Umarmungen und einen Strauß Blumen wird es ohnehin nicht geben. Da hat sich der Verein festgelegt. Der Rahmen stimmt nicht. Die Saison ist eben merkwürdig. Dass sie nicht auch sehr traurig endet für die Kölner, dafür sind auch sie selbst zuständig.