FC vor „Endspiel“ in Heidenheim Kölns Trainer Timo Schultz: „Bin brutal zuversichtlich“

Bonn · Tausende Fans – alle in Rot - wollen den 1. FC Köln nach Heidenheim begleiten und unterstützen bei seiner letzten Chance im Kampf um den Klassenerhalt. Doch dazu ist ein Sieg nötig und Schützenhilfe. Warum Trainer Timo Schultz dennoch voller Hoffnung ist.

Einschwören auf den Schlussakt in Heidenheim: FC-Trainer Timo Schultz (Mitte) und seine Spieler.

Einschwören auf den Schlussakt in Heidenheim: FC-Trainer Timo Schultz (Mitte) und seine Spieler.

Foto: dpa/Tom Weller

Der Karneval hat Pause im Rheinland. Natürlich auch der Fasching, den sie da im Osten Baden-Württembergs zelebrieren. In Heidenheim an der Brenz etwa, wo viele der rund 50.000 Einwohner an diesem Samstag wahrscheinlich recht erstaunt sein werden, dass sich da durch ihre Straßen und Gassen ein roter Zug schlängelt, glühender Lava gleich. Tatsächlich werden Tausende Fans des 1. FC Köln die knapp 450 Kilometer ins recht beschauliche Heidenheim auf sich nehmen, um ihrem Club in der Partie beim dortigen Namensvetter Rückhalt zu geben – die meisten von ihnen wohl in Rot gekleidet. Sie folgen einem Appell des Fanclub-Verbundes „Südkurve 1. FC Köln e.V.“, der das Kölner Credo für den finalen Spieltag der Bundesliga erkor: „Alle in Rot nach Heidenheim.“ Der Aufruf richtete sich unmissverständlich auch an jene Anhänger, die keine Karte erwerben konnten. Rund 2250 Kölner Fans sind im Besitz eines Tickets für die 15.000 Fans fassende Arena, viele andere nicht, die der Hoffnung als Außer-Haus-Unterstützer Nachdruck verleihen wollen.

Und so kann sich Heidenheim auf eine Invasion in Rot gefasst machen – mit karnevalistischen Ausmaßen. Eine Art „Jeck im Sunnesching“ auf Schwäbisch. Regen soll Heidenheim ja verschonen am Samstag, 20 Grad, und hin und wieder sich auch die Sonne blicken lassen. Die Fans werden den Zugweg nehmen über die Schloßhaustraße, die sich durch die Stadt schlängelt, über den Schlossberg hinauf zur Voith-Arena, der Kampfstätte des 1. FC Heidenheim. Ob sie nach dem Spiel Grund zum Feiern haben, auch ohne Karneval, ist nicht abschließend geklärt. Die riesige Unterstützung jedoch fördert die Zuversicht der Kölner Verantwortlichen im Hinblick auf den alternativlosen Sieg auf ihrer Mission Klassenerhalt. Jeder kenne doch die Straße hoch vom Hotel aus, sagte Lizenzspielleiter Thomas Kessler, „da fährst du hoch Richtung Stadion, und wenn man dann ganz viel Rot sieht und ganz viel FC, dann gibt das den Spielern einen absoluten Push“. Und dann fiel dem früheren Profi-Torhüter ein: „Und den benötigst du dann auch.“

Schultz von Fan-Zuspruch beeindruckt

Alle in Rot also, begleitet von Glaube, Hoffnung, Liebe. Einen etwas realistischere Einschätzung wählt da Timo Schultz. Obschon der Kölner Trainer von dieser Lawine des Zuspruchs, dem zu erwartenden Ausnahmezustand in dem Städtchen auf der Ostalb, das etwas weniger Einwohner zählt als Zuschauer ins Kölner Stadion passen, ebenfalls tief beeindruckt scheint. „Das pusht die Jungs. Das ist es, warum wir das hier alles machen. Wenn wir in Heidenheim vielleicht ein gefühltes Heimspiel haben und selbst Leute ohne Ticket hinfahren, dann zeigt das nur, wie sehr die Fans an uns glauben. Wir fahren da nicht hin, um mal zu schauen oder uns vielleicht mit ein bisschen Glück zu retten“, sagte er. Und, klar: „Wir fahren da hin, um das Spiel zu gewinnen.“ Der unbedingte Wille zum Erfolg ist natürlich der Situation geschuldet, sie schreibt vor, dass Köln im Kampf um den Relegationsplatz nicht nur gewinnen muss, sondern dass gleichzeitig Union Berlin gegen den SC Freiburg verlieren müsste, will der FC noch den Relegationsplatz erreichen. Dabei müsste der FC seine um drei Tore schlechtere Tordifferenz auf einen positiven Wert bringen.

Man muss kein großer Skeptiker sein, um die wahren Möglichkeiten der Kölner, dieses Szenario heil zu überstehen, als nicht besonders gut einzustufen. Dennoch hatte Schultz im Training unter der Woche eine Haltung bei seinen Spielern ausgemacht, die ihn zuversichtlich stimmt. Ein „brutaler Wille“ sei zu erkennen gewesen, eine „mega Intensität“ – „es kann losgehen“. Natürlich wäre die Vorfreude noch größer, stünde der Trainer auf der anderen Seite, der 1. FC Heidenheim kann sogar seinerseits noch den achten Platz und damit möglicherweise das europäische Geschäft erreichen. Gefilde, die für den FC, der seit dem 15. Spieltag nicht mehr besser platziert war als auf dem Relegationsrang und seit acht Spielen auf einem direkten Abstiegsplatz (17.) steht, in dieser Saison in einer fremden Galaxie liegen. Äußerlich lässt sich Schultz davon nicht irritieren, die beiden Relegationsspiele gegen den Zweitligadritten Fortuna Düsseldorf (23. und 27. Mai) fest im Blick. „Wir glauben bis zum Ende daran“, sagte der 46-Jährige. „Durch den späten Sieg gegen Union haben wir einen Push bekommen. Den nehmen wir mit nach Heidenheim. Wir wissen, dass wir in vielen Eventualitäten denken, aber vor allem wissen wir, dass wir unser Spiel gewinnen müssen.“

Waldschmidt und Finkgräfe fallen aus, Chabot wohl fit

Mit welcher Mannschaft das geschehen soll, ist noch etwas vage. Vor dem Thriller in Heidenheim mussten die Kölner um wichtige Spieler bangen. Zumindest leichte Hoffnung bestand auf einen Einsatz bei Luca Waldschmidt (Tritt auf die Wade) und Max Finkgräfe (Knöchelblessur). Die beiden spielten in den Gedanken des Trainers schon keine Rolle mehr. „Wir haben sie eigentlich nach dem letzten Spiel schon komplett abgeschrieben, sie sind aber auf dem Wege der Besserung“, sagte Schultz am Donnerstag. „Ob das jetzt für Heidenheim reicht oder erst für nächste Woche, das steht noch nicht fest.“ Wer wollte, konnte diesen beachtlichen Satz auch als Beleg der Zuversicht des Anleiters verstehen. Am Freitag folgte der Rückschlag: Beide Spieler fallen für das Schicksalsspiel aus. Dagegen absolvierte Abwehrschrank Jeff Chabot (erkrankt) das Abschlusstraining. Jeff, lobte Schultz, sei ein „zäher Hund“. Fehlen werden dagegen neben den Langzeitverletzten Davie Selke und Luca Kilian die gelbgesperrten Benno Schmitz und Denis Huseinbasic.

Dass die Verletzten (außer Waldschmidt und Finkgräfe) und Gesperrten die Reise 450 Kilometer in den Süden der Republik mit antreten werden, ist für Schultz deutlicher Ausdruck des Teamgeists und dient zudem als Energiespender. „Ich sehe die Mannschaft, ich sehe eine Einheit. Jeder Spieler, ob krank oder angeschlagen, kommt zum Training. Bei den verletzten Jungs und denjenigen, die nicht im Kader stehen, kam die Frage auf, ob sie mitfahren dürfen nach Heidenheim, alle wollen dabei sein. Dieser Wille in der Mannschaft stimmt mich enorm positiv“, sagte er. „Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde.“ Auch sie werden den Weg nehmen hoch auf den Schlossberg, eine Art Schicksalsberg, begleitet von „allen in Rot“. Das Ziel: Schloßhaustraße 162, die Arena. „Brutal zuversichtlich“ sei er, sagte Schultz.

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