Fußball-Bundesliga Der 1. FC Köln verliert knapp gegen die Bayern

Köln · Der 1. FC Köln hat trotz guter Gegenwehr nichts Zählbares aus der Heimpartie gegen den FC Bayern mitnehmen können. Das entscheidende Tor für die Münchener schoss einmal mehr Harry Kane.

 Münchens Harry Kane freut sich über sein am Ende entscheidendes Tor zum 1:0.

Münchens Harry Kane freut sich über sein am Ende entscheidendes Tor zum 1:0.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Gegen den FC Bayern, so verhält es sich in den allermeisten Fällen, ist die Besetzung vor allem einer Position von immenser Bedeutung: die des Torhüters. Was diese beim 1. FC Köln betrifft, muss sich niemand Sorgen machen, der dem Club zugetan ist. Nicht nur die jüngste Bundesliga-Partie des FC in Bochum hat verdeutlicht, dass Marvin Schwäbe in diesem beruflichen Handwerk überdurchschnittliche Fähigkeiten vorzuweisen hat. Selbst wenn sich sein Trainer Steffen Baumgart in der Regel standhaft weigert, Urteile über einzelne Leistungen zu fällen, für den 28-Jährigen hielt er in dieser Woche ein Lob für angebracht. „Marvin bewahrt immer die Ruhe und das zeichnet ihn aus“, äußerte also Baumgart. „Er ist ständig in der Entwicklung und kann damit auch die Mannschaft weiterentwickeln.“

So ruhten die Kölner Hoffnungen im Duell mit den Bayern am Freitagabend auch und insbesondere auf dem Torhüter. Und an dem lag es nicht, dass der FC dem überlegenen Branchenriesen sehr verdient mit 0:1 (0:1) unterlag. Schwäbe verhinderte vor allem in den ersten 45 Minuten eine höhere Niederlage, aber nicht, dass sein Team wieder ans Tabellenende abrutschte.

Unter der Woche waren ja aus dem Lager der Bayern ruppige Aussagen zu hören über den „glorreichen Spielplan“, wie ihn Trainer Thomas Tuchel spöttisch bezeichnete, der seiner mit Nationalspielern gefüllten Mannschaft nach der Länderspielpause erneut ein Freitagabendspiel bescherte. Die einen wie der Kanadier Alphonso Davies (Spiel in Toronto) oder der Südkoreaner Minjae Kim (im chinesischen Shenzhen), der, so Tuchel, irgendwann nach seinem Mittagsschlaf in Köln aufstehe und nicht genau wisse, „wo er aufgewacht ist“, dürften von ihren Dienstreisen den gefürchteten Jetlag mitgebracht haben, die anderen (DFB-Spieler) eine gewisse Niedergeschlagenheit. Manche Spieler durfte Tuchel erst am Donnerstag wieder in Empfang nehmen.

In Köln waren die Probleme mit der Ansetzung vergleichbar gering. Mit Eric Martel und Jan Thielmann (deutsche U21), mit Mathias Olesen (Luxemburg) und Florian Kainz, der beim 2:0 der Österreicher gegen die deutsche Elf eine lohnende Pause auf der Bank verbrachte, waren nur vier Profis abgestellt. Thielmann rückte erstmals wieder in die erste Elf, zudem setzte Baumgart gegenüber der Bochum-Partie auf Luca Kilian und Dejan Ljubicic. Dominique Heintz, Mark Uth sowie Luca Waldschmidt mussten dafür auf der harten Bank Platz nehmen.

Verwunderliches geschah schon vor dem Anpfiff. Baumgart installierte eine Dreierkette, eine Abwehr-Formation mit Kilian, die er sonst meidet wie der Teufel das Weihwasser. Und die bekam gleich die mächtige Qualität der Münchner zu spüren, Eric Maxim Choupo-Moting verzog knapp (5.), ehe Hübers eine scharfe Hereingabe Sanés beinahe ins eigene Tor lenkte (6.).

Langsam tauten auch die Kölner auf im Kühlschrank von Müngersdorf. Nach einer Ecke fand Kainz in Manuel Neuer seinen Meister (10.). Köln fand nun besser in die Zweikämpfe. Nach einem solchen in der Luft mit Davie Selke lag Kim, offenbar aufgewacht von seinem Mittagsschlaf in Köln, angeschlagen am Boden. Er konnte weiterspielen, und die Bayern versuchten immer wieder über ihre Tempovorteile den Zugang in die gefährlichen Räume zu finden. Das gelang. Eindrucksvoll. Nach einem Fehlpass von Kainz, erneut im defensiven Mittelfeld aufgeboten, zündeten sie den Turbo über Sané und Choupo-Moting, der noch an Schwäbe scheiterte. Doch dann war es – wer sonst? – dieser unwiderstehliche und gefürchtete Harry Kane, der im Stil eines Torjägers trocken abstaubte (20.). Seinen 18 Treffer im zwölften Ligaspiel. Und hätte nicht zwei Minuten später Schwäbe gegen Choupo-Moting glänzend pariert, die Vorentscheidung wäre schon zu diesem Zeitpunkt gefallen.

Immer wieder waren es Schnellangriffe der Münchner, vorgetragen mit chirurgischer Präzision, die die Kölner Abwehr vor unlösbare Probleme stellten. So war es Sané, fein in Szene gesetzt von Choupo-Moting, der den Ball zwar an Schwäbe vorbeischob, aber auch um Zentimeter am ziemlich großen Tor (28.). Müde, niedergeschlagen oder jetleggeplagt wirkten sie nicht die Gäste. Und die Kölner? Sie blinzelten höchstens hin und wieder hinüber in die gegnerische Hälfte, eine Kainz-Flanke am zweiten Pfosten erreichte Rasmus Carstensen, bei dessen Kopfball Neuer nur leichte Probleme offenbarte (31.). Zu der Kälte in Köln gesellte sich nun auch der Regen, doch Schwäbe konnte es gar nicht kalt werden. Er parierte erneut stark gegen Kingsley Coman (41.). Der FC dagegen sah sich kaum einmal in der Lage, für Entlastung zu sorgen, ließ sich tief fallen, was eigentlich nicht der Spielidee Baumgarts entspricht. Der Ball lief gut beim Meister, der Gegner hinterher. Mut schöpfen konnte die Baumgart-Elf allein aus dem Resultat, das sich auf die knappe Führung der Bayern begrenzte.

Baumgart beorderte nach dem Wechsel Thielmann auf die rechte Seite, dafür rückte Maina in den Sturm. Der hatte in der Defensive immer wieder nur die Hacken Sanés gesehen. Hinterher liefen die Kölner nun zunächst nicht, das Tuchel-Team zog sich etwas zurück, hatte aber keine Mühe mit den zarten FC-Versuchen. Die Dreierkette funktionierten die Kölner bei Münchner Ballbesitz um in eine Fünferkette und boten so wenig Raum für schnelle Gegenangriffe. Auch Baumgart verspürte keine Kälte, im T-Shirt trieb er sein Team nach vorn. Doch die Bayern mit all ihrer Spielstärke und Gelassenheit ließen das nicht zu.

Eigener Ballbesitz bei den Kölnern war so selten wie Paraden Manuel Neuers, der sich immer wieder mit gewagten Ausflügen aus seinem Tor warmzuhalten versuchte. Sein Team spielte abgeklärt und geduldig und verordneten der Baumgart-Elf strikte Abwehrarbeit. In die gefährlichen Räume drangen die Münchner aber auch nur selten vor. So kamen erst Sané und Coman einem weiteren Treffer nahe (77./78.). Der FC schaffte das trotz sichtbarem Engagement nicht mehr.

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