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Verdienst des Trainers: Darum ist die Mannschaft des 1. FC Köln so intakt

Verdienst des Trainers : Darum ist die Mannschaft des 1. FC Köln so intakt

Der FC zeigt nicht nur sportlich zurzeit eine beeindruckende Leistung. Auch innerhalb der Mannschaft scheint es zu stimmen. Auch Dank des Trainers.

Es war noch keine halbe Stunde in der Begegnung des 1. FC Köln gegen RB Leipzig absolviert, da bereitete Rafael Czichos schon seinen Abgang vor. Während RB-Angreifer André Silva behandelt wurde, schlich Czichos zum Kölner Trainer und flüsterte ihm mit vorgehaltener Hand etwas ins Ohr. Steffen Baumgart nickte, schaute sich kurz um und beorderte Jorge Meré zum Warmlaufen. Czichos schlich wieder Richtung Silva, den er nur wenige Minuten zuvor mit einem hohen Bein zu Fall gebracht hatte. Dem Kölner Innenverteidiger drohte schon zu diesem Zeitpunkt die Gelb-Rote Karte. Natürlich wusste er das, doch nicht jeder Spieler hätte deswegen direkt auf Spielzeit verzichtet. Zwei Minuten später verließ der 31-Jährige den Platz, Meré wurde eingewechselt. „Die Situation war ja klar, wir haben alle gesehen, dass er auf der Kippe stand“, so Baumgart. Köln spielte die Begegnung mit elf Mann zu Ende. 

Der spanische Einwechselspieler setzte sich umgehend mit zwei starken Zweikämpfen in Szene. „Ich glaube schon, dass Jorge ein bisschen enttäuscht war, dass er nicht von Anfang an gespielt hat“, sagte der Trainer. „Super, dass er gleich im Spiel war und gleich für Stabilität gesorgt hat.“ In der Tat überraschte der Coach mit seiner Startelf. Luca Kilian, der gegen Bochum für Meré eingewechselt worden war und eine starke Halbzeit gespielt hatte, erhielt den Vorzug vor Meré. Der Spanier gewann im Duell gegen Leipzig dann aber mehr als die Häfte seiner Zweikämpfe und brachte 95 Prozent seiner Pässe beim Mitspieler unter. Von Frust, Enttäuschung oder Lustlosigkeit fehlte zumindest auf dem Platz jede Spur. Dafür zeigte die Leistung, wie intakt die Mannschaft ist.

Baumgart vertraut den Spielern von der Bank

Ein Verdienst des Trainers. Immer wieder setzt Baumgart auf Spieler von der Bank, die eigentlich schon abgeschrieben schienen. Der 49-Jährige sucht den Dialog gibt den Spielern Selbstvertrauen. Und die Akteure vertrauen ihrem Coach. Das zahlt sich auch auf dem Platz aus und eben nicht nur bei der ersten Elf. „Dann bringen wir die Jungs rein und die brennen dann auch dafür, voll mitzugehen. Für uns ist der komplette Kader sehr, sehr wichtig und nicht nur die erste Elf“, sagte nach dem 1:1 auch Mark Uth. „Das ist Steffens Erfolgsrezept.“

Ein Rezept, das aufgeht. Auch Louis Schaub war im Sommer ein Transferkandidat. Der Österreicher blieb. „Mit neuem Trainer oder Sportchef ist es ja meistens so, dass die Karten neu gemischt werden“, sagte Schaub dem „GeißbockEcho“. „Ich habe nach der EM mit dem Trainer telefoniert, und er hat mir gesagt, dass ich meine Chance bekommen werde.“ Schaub bekam die Chance, wurde in vier von fünf Spielen eingewechselt und dankte dem Coach für sein Vertrauen mit einem Treffer gegen Bochum. „Der Trainer betont immer, dass jeder Spieler des Kaders gebraucht wird. Auch die Einwechselspieler können neue Impulse setzen.“

Baumgart imponiert die Einstellung

Das bewiesen die Einwechselspieler auch gegen Leipzig. Kingsley Ehizibue rettete mit einer spektakulären Grätsche gegen Christopher Nkunku, Sebastian Andersson leitete die Großchance kurz vor Schluss ein. In den vergangenen Spielen fiel unter anderem Tomas Ostrak positiv auf, den kaum noch einer auf dem Zettel hatte. In den ersten fünf Saisonspielen hat Baumgart 21 Spieler eingesetzt. 

Doch es sind nicht nur die „brennenden“ Einwechselspieler, die ein Zeichen der mannschaftlichen Geschlossenheit sind. „Es hat mir imponiert, dass bei den Fehlern, die du gegen einen solchen Gegner wie Leipzig machst, immer einer da war und diese ausgebügelt hat.“ So zum Beispiel auch Czichos, der sich nach einem Fehler im Mittelfeld Gelb abholte und später mit seinem hohem Bein die Einwechslung von Jorge Meré einleitete. Die Einstellung der Mannschaft stimmt. Baumgart freute sich natürlich über den Punkt gegen den Vizemeister. „Klar, der Punkt ist gut für die Tabelle. Aber mir haben auch sehr, sehr viele Dinge gefallen, an denen ich erkenne, dass die Mannschaft einen sehr sehr geilen Weg geht.“