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Holstein Kiel: Das kommt auf den FC in der Relegation zu

Holstein Kiel : Das kommt auf den FC in der Relegation zu

28 Tage Quarantäne, zehn Spiele in 32 Tagen – Kiel droht auf der Zielgeraden die Puste auszugehen. Wir stellen den Gegner des FC vor.

Als die Enttäuschung am größten war, machte Hauke Wahl das, wofür er als Mannschaftskapitän unter anderem zuständig ist. Der gebürtige Hamburger leistete mentale Aufbauarbeit, indem er nach der schmerzhaften 2:3-Heimpleite der Kieler gegen Darmstadt im gemeinsamen Kreis gedanklich sofort ein paar Tage zurückblätterte. „Als wir in Quarantäne waren, hätten wir sofort unterschrieben, dass wir in die Relegation kommen. Jetzt wollen wir die beiden Spiele nutzen, um trotzdem hochzugehen“, feuerte der 27-Jährige seine Mitspieler an – als gerade die zweite große Chance auf den direkten Aufstieg in die Bundesliga vertan war.

Bereits eine Woche zuvor hätte Kiel ein Sieg in Karlsruhe das Ticket erster Klasse beschert. Doch nach einer 1:0-Pausenführung setzte es im Badischen eine 2:3-Niederlage. Exakt das gleiche Malheur unterlief dem Team von Ole Werner dann am Pfingstsonntag im eigenen Stadion gegen Darmstadt. Es war der nächste Tiefschlag für eine Mannschaft, die wie keine andere im deutschen Profifußball von der Corona-Pandemie gebeutelt wurde, im März und April für insgesamt 28 Tage in häusliche Quarantäne musste und beim ersten Relegations-Duell am Mittwoch in Köln ihr zehntes Spiel in den letzten 32 Tagen bestreitet. Und der auf der Zielgeraden der Saison die Puste auszugehen scheint.

Kiel schmeißt die Bayern aus dem Pokal

Zu was sie im Vollbesitz ihrer Kräfte in der Lage sind, bewiesen die Norddeutschen besonders eindrucksvoll Mitte Januar – als sie die Bayern im Kieler Schneetreiben im Elfmeterschießen aus dem Pokal warfen. An diesen Coup erinnerte FC-Coach Friedhelm Funkel (67) jetzt anlässlich des Besuchs aus Schleswig-Holstein noch einmal – und stellte das eigene Team auf einen Gegner in einer „Jetzt-erst-recht-Stimmung“ ein.

Genau diesen Widerstandsgeist muss sein 34 Jahre jüngerer Kollege Werner bei den „Störchen“ entfachen, will er unter diesen herausfordernden Bedingungen tatsächlich Historisches schaffen. Denn Holstein Kiel wäre der erste Bundesligist aus dem nördlichsten Bundesland. Und der Sieg über die favorisierten Kölner in der Endabrechnung am Samstag bekäme angesichts der speziellen Umstände einen besonders glanzvollen Anstrich.

Kiel vergibt zwei Matchbälle

„Bei uns ist es heute sehr, sehr still“, sagte Werner nach dem zweiten vergebenen Matchball über die Stimmung in seiner Mannschaft. Vorsichtig fügte er noch hinzu, es gelte nun, „das erneut unmöglich Erscheinende vielleicht doch noch möglich zu machen“. Und schon wieder spürbar am Lodern war Werners Angriffslust, als er beim Blick nach vorn erwähnte: „Wir waren immer dann am stärksten, wenn keiner mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt hat.“

Den Gefallen, sie zu unterschätzen, wird der in sportlichen Klassenkämpfen erfahrene Friedhelm Funkel den Kielern allerdings nicht tun. Der Sprung in die 1. Liga muss der Club, der 2008 – unter dem späteren FC-Trainer Markus Anfang – den Wolfsburgern in der Relegation unterlag, aus eigener Kraft schaffen. Und genauso angehen will die beiden Nervenspiele gegen den Geißbock-Club Fabian Reese. „Es passt zu unserer Saison, dass wir über die Relegation gehen“, sagt der Kieler Angreifer leicht fatalistisch, betont dann aber ganz im Sinne von Kapitän Hauke Wahl trotzig: „Diese Relegation hätte jeder vor der Saison unterschrieben. Jetzt wollen wir das Ding reißen.“