Wirkungstreffer statt Mutmacher 1. FC Köln hadert und steht vor schwierigen Wochen

Köln · Der 1. FC Köln gerät immer mehr unter Druck nach der Niederlage gegen Bremen: Timo Schultz hat mit seinem Team die Top-Spiele gegen Stuttgart und Leverkusen vor der Brust.

 Aufreger: Werder-Torhüter Michael Zetterer (rechts) springt FC-Abwehrspieler Luca Kilian in den Rücken. Der Elfmeterpfiff blieb aus.

Aufreger: Werder-Torhüter Michael Zetterer (rechts) springt FC-Abwehrspieler Luca Kilian in den Rücken. Der Elfmeterpfiff blieb aus.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Nein, dazu wollte er sich nicht äußern. Der Mann aus Ostfriesland kann da durchaus stur sein. Nein! Dabei bot die Szene ausreichend Material, sich damit auseinanderzusetzen. Das hatte Timo Schultz wahrscheinlich auch, doch im Eifer nach dem Gefecht sich beschweren? Nein, das vermied der Trainer des 1. FC Köln am TV-Mikrofon, nachdem seine Mannschaft zuvor gegen Werder Bremen eine erschreckende Harmlosigkeit demonstriert hatte beim 0:1. Aber diese eine Szene kurz vor Ultimo… Luca Kilian hatte sich in den gegnerischen Strafraum vorgeschlagen, und Michael Zetterer sprang in den Abwehrspieler, der nicht nur das Bremer Tor im Rücken hatte, sondern plötzlich auch das Knie des Werder-Torwarts.

Zetterer erwischte offensichtlich Kilian, nicht aber den Ball mit seinen Händen. Die Kölner forderten verständlicherweise Elfmeter, der durchaus seine Berechtigung gehabt hätte. Doch Schiedsrichter Daniel Siebert, der den Kontakt wahrnahm, ihn aber nicht als ausreichend strafbar einstufte, verweigerte diesen sehr zum Entsetzen des Kölner Kapitäns, der sich dann doch äußerte. „Für mich ein ganz klarer Elfmeter“, ereiferte sich Florian Kainz. Es sei vollkommen unverständlich, wie man sich „das nicht anschauen kann. Aber die dürfen ja machen, was sie wollen. Zetterer trifft den Ball nicht und geht mit dem Knie hinten in Kilian rein, das ist Elfmeter.“ Er müsse da „aufpassen, was ich sage“. Dass die Aktion einer Überprüfung des Schiedsrichters entging, war auch der Einschätzung des VAR geschuldet, der nur einzuschreiten hat bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung des Unparteiischen.

Kölner hadern mit Schiedsrichter

Die Kölner hadern nun erneut, nachdem sie bereits gegen den VfL Wolfsburg (1:1) einen Elfmeter aus ihrer Sicht zu Unrecht nach einem Handspiel von Moritz Jenz nicht erhalten hatten. Sich an solchen Situationen festzuhalten und in die Ecke des Benachteiligten zurückzuziehen, wäre im brettharten Abstiegskampf jedoch nicht das geeignete Mittel. Das hat wahrscheinlich auch Schultz recht schnell in seiner reflektierten Herangehensweise erkannt. Für ihn zählen in diesen schwierigen Zeiten allein die Betrachtung seiner Mannschaft und die eigene Möglichkeit des Einwirkens. Und diese sollte er nutzen in den kommenden Tagen vor der Partie am Samstag beim starken Überraschungsteam VfB Stuttgart. Denn die Niederlage leitete zwar in Marvin Schwäbe der üblicherweise große Rückhalt des FC ein, der nach einer Flanke des Ex-Kölners Mitchell Weiser am Ball vorbeisprang, ehe Justin Njinmah den Ball über die Linie drückte, doch der Torhüter („Ich kann definitiv hinkommen, am Ende sieht es scheiße aus, ganz klar“) ist aus der Verantwortung zu nehmen, wenn es um das Große und Ganze und Gesamtgefüge auf dem Platz geht.

Ein Plan jedenfalls, wie das mit dem Toreschießen gehen sollte gegen die humorlose Gästeverteidigung, schien nicht zu existieren. Vor allem mangelte es am vom Trainer eingeforderten Mut, zielsicher die gefährlichen Räume anzusteuern, womöglich an der Qualität. Erst nach dem Gegentreffer befreite sich die Schultz-Elf etwas von ihren mentalen Fesseln. Zu spät. „Wir hatten uns heute viel, viel mehr vorgenommen, daher sind wir sehr enttäuscht. Es fehlten Überzeugung und Mut, um mit dem Ball mehr zu kreieren. Defensiv war es anständig, offensiv müssen wir aber eine Schippe drauflegen“, sagte der Trainer. Und dann dieser Zusatz: „So wird es nicht reichen!”

Enttäuschung und Hoffnung

Das klingt vor den nächsten beiden extrem schwierigen Aufgaben in Stuttgart und gegen Bayer Leverkusen alles andere als ermutigend. Auch Kainz’ Einlassung war dann eher von düsterer Vorahnung geprägt als von einem erhellenden Versuch, eine Jetzt-erst-recht-Stimmung zu erzeugen. Natürlich, es sei „ein Dämpfer gewesen“, sagte er, „nicht nur wegen Stuttgart und Leverkusen: Es sind schwierige Wochen in unserer Situation. Wir werden uns darauf vorbereiten und versuchen, die drei Punkte zu holen. Wir werden nicht hinfahren und Angst haben“, aber: „Wir müssen das jetzt verdauen.“ Die Bremen-Partie, sie war ein Wirkungstreffer statt eines Mutmachers.

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