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Der 1. FC Köln hat sich gegen Bayern teuer verkauft

Trotz 1:5-Pleite : Der FC verkauft sich gegen die Bayern teuer

Der 1. FC Köln hat gegen Bayern München eine deutliche Niederlage kassiert. Dennoch zeigte der FC wieder einmal, dass er gegen die vermeintlichen Top-Mannschaften gute Leistungen abrufen kann.

Zwei, vielleicht drei Zentimeter fehlten, und Dominick Drexler hätte zum Matchwinner gegen den übermächtigen FC Bayern München werden können. Zwei, vielleicht drei Zentimeter und eine überragende Schlussphase der Geißböcke. Doch der gebürtige Bonner traf beim Stand von 3:1 anstatt ins leere Tor nur den Innenpfosten. „Wenn wir das 2:3 gemacht hätten, hätten wir natürlich noch auf einen Lucky Punch lauern können“, sagte Drexler.

Nur wenige Augenblicke später erhöhte Serge Gnabry erst auf 4:1 für die Bayern und traf dann zum 5:1-Endstand. Letztlich ein verdienter Sieg für die Bayern, wenn auch deutlich zu hoch. Denn der FC spielte ordentlich mit. FC-Trainer Markus Gisdol entschied sich einmal mehr für seine favorisierte Fünferkette. Marius Wolf beorderte der Trainer zurück in den Abwehrverbund, Kingsley Ehizibue musste Platz für Salih Özcan machen. Zwar stärkte Gisdol dadurch die Defensive, doch der FC spielte zunächst mutig nach vorn.

Dennoch, der Rekordmeister dominierte die Anfangsphase. Nachdem Sava Cestic seinen Keeper bereits in den ersten Sekunden durch einen extrem riskanten Pass in Nöte gebracht hatte, war es Leroy Sané, der Timo Horn aus der Distanz prüfte (10.). Schließlich wurde Leon Goretzka im Halbfeld nicht angegriffen, der Nationalspieler konnte dementsprechend frei chippen und Eric Maxim Choupo-Moting (18.) den Ball mustergültig auflegen. Der Angreifer traf zum 1:0.

Nach dem Gegentreffer agierten die Kölner zu passiv, stellten die Offensivbemühungen weitestgehend ein und ließen die Bayern ihre Dominanz entfalten. Nach einer Flanke von Süle verfehlte Lewandowski nur knapp. Emmanuel Dennis setzte den Angreifer dann aber nur wenige Minuten später ungewollt in Szene, als er den Ball auf Goretzka passte. Der Nationalspieler ließ Czichos aussteigen, passte auf Lewandowski (33.), der zum 2:0-Halbzeitstand vollendete.

Leistungssteigerung in Halbzeit zwei

Gisdol wechselte zur Halbzeit, brachte mit Jan Thielmann und Jannes Horn neue Kräfte. Tatsächlich erspielten sich die Kölner auch die erste Möglichkeit und nutzten sie. Ein Pass von Ondrej Duda fand über erschreckende Unzulänglichkeiten in der Bayern-Defensive den Weg zu Ellyes Skhiri (49.), der den Ball über Manuel Neuer lupfte. Und plötzlich schnupperten die Geißböcke wieder an der Überraschung.

Den Bayern fiel in dieser Phase dagegen wenig ein; mehr als ein Distanzschuss von Joshua Kimmich sprang lange Zeit nicht heraus. Bis Bayern-Coach Hansi Flick nach einer guten Stunde den wiedergenesenen Thomas Müller brachte. Müller passte mit seinem ersten Ballkontakt – 30 Sekunden nach der Einwechslung – zu Lewandowski (64.), der zum 3:1 einschob. Dieses Mal ließen sich die Kölner von dem Gegentreffer aber nicht aus dem Konzept bringen, versuchten es weiter.

Zu der größten Möglichkeit kam eben Drexler, der Manuel Neuer den Ball abluchste und aus spitzem Winkel aufs leere Tor schoss. „Manuel Neuer ist nicht gerade dafür bekannt, dass er viele Fehler im Spielaufbau macht. Da wird man in einem von hundert Fällen belohnt; wenn man den Ball dann nicht reinmacht, ist es natürlich doppelt bitter“, so Drexler. „Ich wollte erst direkt schießen, dann habe ich den Ball noch einmal mitgenommen. Klar, den muss ich machen.“ Auch Ondrej Duda und der spät eingewechselte Max Meyer vergaben aus aussichtsreichen Positionen.

„Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Torschütze Skhiri. „Heute hat man den Unterschied zu einem Top-Team gesehen, das seine Chancen einfach nutzt.“ Das tat der eingewechselte Serge Gnabry in der Schlussphase gleich zweimal. So stand am Ende eine 1:5-Niederlage, die vor dem Spiel nicht unwahrscheinlich, nach der Partie aber höchst unglücklich erschien. „Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht ganz wieder. Wir sind heute ein bisschen unter Wert hier rausgegangen“, sagte Trainer Gisdol, der der Niederlage aber auch positive Aspekte abgewann. „Ich finde, dass wir es dem Gegner in der ersten Halbzeit schon schwer gemacht haben, obwohl er mit voll besetztem Kader angetreten ist.“

Wieder einmal zeigte der FC, dass er gegen die vermeintlichen Top-Mannschaften gute Leistungen abrufen kann. Der mögliche Treffer von Dominick Drexler hätte dem Spiel durchaus einen anderen Verlauf geben können. Ausgerechnet Drexler, der noch vor wenigen Wochen durch seine kritische Äußerung gegenüber einigen Fans in die Kritik geraten war. Häme von den Kollegen wird er sich nun nicht gefallen lassen müssen. „Er muss sich sicher keine Sprüche von uns anhören“, sagte Özcan. „Da stehen wir alle zusammen.“