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Unstimmigkeiten mit der Stadt: Der 1. FC Köln reduziert Stadionpacht

Unstimmigkeiten mit der Stadt : Der 1. FC Köln reduziert Stadionpacht

Seit dem Frühjahr nimmt der Verein bei der Stadionpacht eigenmächtig Kürzungen vor. Jetzt lassen sich der FC und die Stadt anwaltlich beraten, um eine Lösung zu suchen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr und dem damit verbundenen Zuschauerausschluss bei Spielen der Fußball-Bundesliga überweist der 1. FC Köln die Stadionpacht nicht mehr in voller Höhe. Diese Kürzung hat der Verein nach Informationen dieser Zeitung eigenmächtig vorgenommen.

Der Club habe den Betrag „erheblich reduziert“, heißt es im Rathaus. Der WDR berichtet davon, dass der FC aktuell nur 25 Prozent der vereinbarten Summe überweist. Einvernehmen gibt es über diese Zahlungsverweigerung nicht. Seit April laufen Verhandlungen zwischen dem FC, der Sportstätten GmbH als Stadionbetreiber und der Stadtkämmerei.

Nach der Debatte um den ausstehenden Pachtvertrag für die Erweiterung des Trainingsgeländes auf der Gleueler Wiese (wir berichteten) droht dem Verein neuer Dissens mit der Stadt. „Der FC ist unser Ankermieter, mit dem wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Aber der Verein muss die Zahlen auf den Tisch legen, dann können wir über Vieles reden“, sagte Ulrich Breite (FDP), Aufsichtsratsmitglied der Sportstätten GmbH. Das Geschäftsjahr des FC ist am 30. Juni zu Ende gegangen, den Geschäftsbericht hat der Verein noch nicht vorgelegt.

FC will sich nicht zu Details äußern

Von „unfassbar herausfordernden Zeiten“ hatte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle jüngst im Interview mit dieser Zeitung gesprochen und den pandemiebedingten Umsatzverlust auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Die Verringerung der Pachtzahlung wollte der 1. FC Köln am Mittwoch nicht kommentieren. „Wir möchten uns zu Details der Gespräche mit der Stadt nicht äußern, solange diese laufen“, ließ Vereinssprecher Jürgen Homeyer wissen. Nun bedürfe es eines „fairen Vergleichs“ meint Ulrich Breite. Dem FC fehlen Zuschauereinnahmen in Millionenhöhe, aufgrund der Werbeeinnahmen und der Fernsehübertragungen ist der Club jedoch auf die Nutzung des Stadions angewiesen. Jörg Detjen (Linke), künftiges Mitglied des Sportausschusses, mahnte, der FC solle „ein normales Verfahren entwickeln und nicht einseitig agieren“.

Alexander Wehrle hat derzeit reichlich Arbeit, um die Zahlungsfähigkeit des Clubs aufrecht zu erhalten, es werde „an allen Stellen versucht, die Umsatzverluste zu reduzieren“, sagte er dieser Zeitung im Interview. Die Höhe der Stadionpacht ist dem Verein schon lange ein Dorn im Auge, mit 9,5 Millionen Euro pro Saison (7,9 Millionen Euro Pacht plus Betriebskosten) zahlt der FC nach Eintracht Frankfurt die zweithöchste Stadionmiete der 18 Bundesligisten.

Sportstätten GmbH ist auf die Pacht angewiesen

Auf Betreiben des finanziell angeschlagenen FC war der Pachtvertrag im Sommer 2013 verändert worden, Präsident Werner Spinner hatte damals zähneknirschend gestanden, der Vereine habe „keinen Verhandlungsspielraum“ gehabt. Zuvor hatte der FC für die Zweite Liga 3,5 Millionen Euro Pacht gezahlt und für die Bundesliga 6,9 Millionen Euro. Schon damals hatten bei den Verhandlungen seitens der Stadt und des 1. FC Köln Juristen mit am Tisch gesessen. Jetzt lassen sich beide Seiten erneut anwaltlich beraten, um eine Lösung zu suchen, die mit dem kommunalen Finanzrecht vereinbar ist.

Die Sportstätten GmbH ist auf die Pacht des FC in erheblichem Maße angewiesen. Voriges Jahr erwirtschaftete die städtische Tochtergesellschaft einen Verlust von 3,9 Millionen Euro. Das Minus gleicht der Stadtwerkekonzern aus.