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Der 1. FC Köln rüstet sich für die neue Saison und batelt am Kader

Personalwechsel in Kader und Management : 1. FC Köln rüstet sich für die neue Saison

Der Präsident des 1. FC Köln, Werner Wolf, sieht schwere Zeiten auf den Club zukommen. Jörg Jakobs und Thomas Kessler ersetzen Manager Horst Heldt. Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle bleibt im Club, der auf eine höchst mäßige Saison blickt.

Große Lust verspürte keiner der fünf Kandidaten auf dem heißen Stuhl, in Zeiten der emotionalen Saisonrückblicke zurückzublicken. Ihre Sichtweise sollte sich auf die Zukunft beziehen. Doch da gab es ja noch einiges aufzuarbeiten nach turbulenten Tagen, in denen dem 1. FC Köln zunächst der Klassenerhalt glückte. Dieses Glück reichte für Horst Heldt aber nicht, der einen Tag später seinen Posten als Sport-Geschäftsführer räumen musste. Die Kaderzusammenstellung und die Ergebnisse hätten nicht gereicht, teilte FC-Präsident Werner Wolf am Montag mit. Danke. Und Punkt. Die Zukunft kann nicht warten.

Doch bis die Zukunft in Köln beginnen kann, musste Wolf einige Minuten warten. Es gab dringliche Fragen zu beantworten auf der digitalen Pressekonferenz, die die jüngste Vergangenheit betrafen. Natürlich ging es zunächst um die Entlassung Heldts, nicht einmal so sehr um das Warum – denn der 51-jährige Königswinterer hatte sich ja in der Tat einige Fehler in der Kaderzusammenstellung erlaubt (wenngleich das Minimalziel Klassenerhalt erreicht wurde) –, vielmehr um das Wie. Die Begleitumstände der Trennung ließen dem Vorstand mit seinen drei Vertretern, der dem Gemeinsamen Ausschuss und somit dem Entscheidungsgremium über solche Personalien angehört, so kurz nach der Rettung kein sonderlich gutes Zeugnis ausstellen.

Heldt sehr enttäuscht

Die Entscheidung über eine Demission Heldts soll schon vor der Schalke-Partie festgestanden haben. Am Mittag nach dem Sieg in Kiel waren dann die beiden Geschäftsführer Akexander Wehrle und Heldt im Büro von Vizepräsident Eckhard Sauren zu einer Bestandsaufnahme erschienen. Länger als eine Stunde trug der Sportchef dabei seine Saisonanalyse den Zuhörern – neben Wolf und Sauren der zweite Vize Carsten Wettich – vor, um gleich danach von seiner Freistellung zu erfahren. Der Kater nach dem Rausch, die Enttäuschung war „sehr groß“ bei Heldt, wie er im „Kölner Stadt-Anzeiger“ bekannte. „Das kam nach dem Klassenerhalt überraschend.“ Ganz so überaschend kam aus Saurens Sicht der Schritt nicht. Schon vor dem Schalke-Spiel habe er mit Heldt telefoniert, sagte er, „wir haben ihm gesagt, dass es im Abstiegsfall eng für ihn wird. Auch im Falle des Klassenerhalts wollten wir ihm keine Garantie geben. Wir haben versucht, den Ball so flach wie möglich zu halten, damit der volle Fokus auf der Relegation liegen konnte“.

Am Sonntagmorgen dann das nächste Telefonat. Eine „vernünftige Begründung“, das war das Mindeste, was man Heldt mitgeben wollte. „Wir waren am Ende mit der Art der Analyse nicht zufrieden. Ich denke, wir haben das vernünftig kommuniziert.“ Und Wolf ergänzte: „Ich habe Horst Heldt oft meine Bedenken mitgeteilt. Das kam nicht aus heiterem Himmel.“ Himmel. Gutes Stichwort, um nun aber endlich den Blick nach vorn zu richten. Ordentlich kommuniziert hat die Kölner Führung nämlich am Montag die Nachfolge von Heldt. Zunächst werden dessen Aufgaben Jörg Jakobs (50), der den FC schon einmal in einer prekären Lage steuerte und die strategische Ausrichtung des sportlichen Bereichs und der Kaderplanung nun verantwortet, und Thomas Kessler (35) übernehmen. Der Ex-Torhüter wird als operativer Leiter der Lizenzspielerabteilung das Bindeglied zwischen Jakobs und Lukas Berg (27), Leiter Administration Lizenzspielerabteilung, sein.

Jakobs zumindest ist keine langfristige Lösung. Ein Jahr in dieser Position ist geplant. Doch jetzt muss er in Absprache mit dem neuen Trainer Steffen Baumgart und seinem Team den Kader für die kommende Saison zusammenstellen. „Wir stehen vor der Glaskugel und wissen nicht, wie der Sommer ablaufen wird“, sagte er. Sicher sei jedoch, dass „wir so schnell wie möglich in die Gespräche gehen. Wir müssen mit Steffen Baumgart zeitnah planen“.

Jakobs soll den Kader planen

Jakobs, der daneben einer Beschäftigung an der Sporthochschule nachgeht, muss also kurzfristig starke Lösungen finden. Doch Langfristigkeit ist in Köln eigentlich das oberste Gebot. Wolf berichtete, einen Siebenjahresplan aufgestellt zu haben. In diesem spielen jetzt Jakobs/Kessler zunächst eine entscheidende Rolle. Selbst wenn der Präsident betont, die beiden seien „keine Zauberer“.

Ein Hauch magischer Fähigkeiten stünde ihnen gleichwohl nicht schlecht, denn die Zukunft zeichnet der Vorstand selbst recht düster. Er stimmte auf zwei „sehr, sehr harte Jahre“ ein. „Wir“, sagte Wolf mit leichter Schwermut, „haben einen Umsatzverlust von 65 Millionen Euro. Das schwächt uns enorm. Wir rechnen uns eine Chance aus, die Klasse zu halten, aber es wird schwierig.“ Offenbar muss zudem ein Transferüberschuss von 20 Millionen Euro in der nächsten Saison erwirtschaftet werden. „Ich hoffe aber, es wird uns nicht so viele Nerven kosten wie diese Saison.“ Zuversicht klingt anders.