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Der 1. FC Köln und seine Pokal-Blamagen

Vereinshistorie : Der 1. FC Köln und seine Pokal-Blamagen

Das Finale im DFB-Pokal bleibt seit Jahren für den 1. FC Köln nur ein Traum. Zuletzt waren häufig die frühen Runden Endstation – inklusive einiger Blamagen.

Steffen Baumgart macht sich so seine Gedanken, natürlich auch über andere. Als am Dienstag ein heftiger Regenguss kurz vor dem Ausbruch stand, sorgte er sich nicht einmal um seine eigene Trockenheit, sondern um die der vor ihm stehenden Journalisten. „Ich werde nass“, sagte er ungerührt, „da mache ich mir eher Gedanken um euch.“ Doch nicht nur die Fragesteller hat der Trainer des 1. FC Köln in seine Gedankenspiele eingeschlossen, der kommende Gegner findet da auch schon seinen Platz. Das erste Pflichtspiel steht für den neuen Trainer des 1. FC Köln am Sonntag (15.30 Uhr) auf dem Programm, gegen den FC Carl Zeiss Jena im DFB-Pokal. Klar, beschäftigt habe er sich schon mit dem kommenden Gegner, der in der Regionalliga Nordost mit nur einem Punkt aus drei Spielen einen schwachen Start hinlegte. Ins Detail wollte Baumgart noch nicht gehen, so viel aber schon verraten: Er erwarte einen „tiefstehenden Gegner“, und er gehe davon aus, „dass wir mehr Ballbesitz haben werden und in engen Räumen Lösungen finden müssen“. Nach Balleroberungen hofft er, „dass wir relativ gut Richtung Tor marschieren können“.

Das mit dem Marschieren ist so eine Sache bei den Kölnern, die zuletzt 2010 das Viertelfinale der Pokal-Runde erreicht hatten. Die Pokalhistorie des viermaligen Siegers ist reich an Erfolgen, in den vergangenen Jahren war sie jedoch eher gekennzeichnet durch zu frühe Niederlagen. Zum Teil peinliche: 2:3 in der zweiten Runde beim 1. FC Saarbrücken, Viertligist (!), vor zwei Jahren.

So weit möchten es Baumgart und seine Spieler am Sonntag selbstredend nicht kommen lassen. Zweifel will der Trainer nicht aufkommen lassen. Er sagt: Wir sind Favorit und wollen weiterkommen, das ist klar.“ Und. „Der DFB-Pokal ist ein Wettbewerb“, sagt Baumgart, „bei dem es darum geht, nach Berlin fahren zu wollen.“ Dass die geplante Reise in die deutsche Kapitale mitunter schon an der Kölner Stadtgrenze endete, sollte als Warnung dienen. Ein Überblick über die größten Pokal-Blamagen der Kölner:

  • Viktoria Aschaffenburg, Saison 1987/1988: Erste Risse in der einstigen Liebesbeziehung des FC zum Wettbewerb offenbarten sich schon unter Erfolgstrainer Christoph Daum in der damaligen Hochphase. Unter anderem mit den späteren Weltmeistern Bodo Illgner, Jürgen Kohler, Pierre Littbarski und Thomas Häßler angetreten, unterlag der Bundesligist beim Außenseiter aus der Amateuroberliga Hessen (3. Liga) in Runde zwei mit 0:1.  
  •  FC Bayern München II, Saison 1993/1994: Ebenfalls bei einem Drittligisten entsetzten die Kölner ihre Fans erneut. Auch wenn der Name des Siegers furchterregnd ist, es war nur die Reserve des Weltclubs. Da durfte es Trainer Morten Olsen wenig trösten, dass bei den „kleinen“ Bayern einige Größen wie der heutige FC-Torwarttrainer Uwe Gospodarek, Max Eberl, Hansi Pflügler oder Dietmar Hamann mitwirkten. Die Münchner setzten sich nach torlosen 120 Minuten mit 5:4 nach Elfmeterschießen durch. Die dritte Runde war diesmal Endstation.
  • SpVg Beckum, Saison 1995/1996: Morten Olsen, Pokal-Grausen Teil zwei. Diese Pleite in der ersten Runde gilt bis heute als die “Mutter aller Blamagen” der Kölner und kennzeichnet zugleich den sportlichen Niedergang Mitte der 1990er Jahre. Das Team um die Topstars Bruno Labbadia, Toni Polster, Bodo Illgner und Sunday Oliseh musste mit 3:4 nach Elfmeterschießen beim Viertligisten SpVg Beckum die Segel streichen. Christian Dollberg und Labbadia zeigten Nerven am Punkt. SpVg-Torwart Jürgen Welp wurde zum Helden des Oberligisten, der zuvor mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet war, und im Anschluss an das Pokalwunder mit dem Helikopter ins ZDF-Sportstudio geflogen. Der FC flog aus dem Wettbewerb, Trainer Olsen gleich hinterher. Das sei die größte Enttäuschung seiner Laufbahn gewesen, sagte der spätere dänische Nationaltrainer noch mehr als 20 Jahre nach seiner Demission. „Es ist für mich bis heute unbegreiflich, dass man mich nach nur zwei Spielen entlassen hat. In dieser Zeit gab es so was wohl nur in Köln.“
  • SSV Ulm, Saison 1997/1998: Nur zwei Jahre später das nächste Desaster – ebenfalls in Runde eins. Zumindest verhinderte der FC das Elfmeterschießen. Denn beim von Ralf Rangnick trainierten Regionalligisten musste er sich nach 90 Minuten geschlagen geben – 1:3. FC-Coach Peter Neururer musste wenige Wochen später gehen, Lorenz-Günther Köstner kam, was nicht verhinderte, dass der Verein am Ende der Saison erstmals in die zweite Liga abstieg.
  • 1. FC Magdeburg, 2000/2001: Auch Trainer Ewald Lienen musste erfahren, was der berühmte Rehhagel-Satz „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ tatsächlich bedeutet. Denn das Urteil sah vor, dass der FC wieder einmal nach der ersten Runde an den Pokal-Feiertagen frei hatte. Mit 2:5 ging die Mannschaft um Dirk Lottner und Matthias Scherz beim Oberligisten unter.
  • Werder Bremen II, 2007/08: Ein weiteres peinliches Aus leistete sich Christoph Daum – diesmal an der Weser. Seine Mannschaft, damals selbst der zweiten Liga angehörig, unterlag der Reserve des Bundesligisten mit 2:4 nach Verlängerung, die Treffer zur 2:0-Führung durch Milivoje Novakovic und Nemanja Vucicevic reichten nicht. Immerhin: Am Ende der Saison stieg der FC auf. Und diese Niederlage beim Regionalligisten blieb die bislang letzte in der ersten Runde des DFB-Pokals. Eine Statistik, die Steffen Baumgart jedoch einigermaßen gleich sein dürfte.