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1:1 statt Torfestival: Der 1. FC Köln vergibt erneut zu viele Chancen

1:1 statt Torfestival : Der 1. FC Köln vergibt erneut zu viele Chancen

Wieder das bessere Team, wieder nur ein Punkt. Der 1. FC Köln tritt in der Bundesliga auf der Stelle. Vor allem, weil die Offensive zu harmlos ist. Nur Anthony Modeste trifft nach Laune. Doch der hat sich verletzt.

Steffen Baumgart verschränkte die Arme vor seiner Brust und starrte mit zusammengekniffenen Augen auf das Spielfeld. Der Kölner Coach hatte in diesen Sekunden unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff im Bundesliga-Duell mit dem FSV Mainz am Sonntagabend viel zu verarbeiten. Zunächst den Treffer von Jonathan Burkardt zur Mainzer Führung, bei der Innenverteidiger Luca Kilian – von den Rheinhessen ausgeliehen – und dann Keeper Timo Horn nicht die beste Figur machten. Kilian ließ sich auf engstem Raum austanzen, Horn spekulierte zu früh, entschied sich für die falsche Ecke.

Nur wenige Sekunden später foulte Stefan Bell Kölns Torjäger Anthony Modeste, erhielt eine Gelbe Karte, obwohl er wohl letzter Mann gewesen war und später zugab, dass auch der rote Karton eine Option für den Schiedsrichter gewesen sei. Baumgart musste Modeste, die Kölner Lebensversicherung, auswechseln. Der Franzose verließ unter Tränen den Platz. „Ich glaube, es ist eine schwere Prellung. Das heißt für mich gedanklich erst einmal, dass da nichts kaputt ist. Es wird ein paar Tage wehtun, aber da muss er durch“, sagte Baumgart.

Ondrej Duda lässt drei gute Chancen liegen

Dem Trainer werden wohl zu diesem Zeitpunkt die zahlreichen vergebenen Chancen wehgetan haben. Schon nach zwei Minuten vergab Ondrej Duda aus kurzer Distanz. Der Slowake, der noch in der vergangenen Woche von einer erfolgreichen Länderspielreise mit vier Treffern heimgekehrt war, vergab nach 20 Minuten sogar eine Doppelchance. Und zwar kläglich. Zunächst scheiterte Duda aus wenigen Metern an Mainz’ Robin Zentner, dann an seinen eigenen Nerven, als er den Abpraller über das Tor jagte. Eine unerklärlich vergebene Chance.

„Es ist doch super, dass nicht nur Tony in die Position kommt, sondern Ondrej hatte auch eine Riesentorchance, als er als Zehner in eine gefährliche Position kommt“, sagte Thomas Kessler, Leiter der Kölner Lizenzspielerabteilung. „Der Weg ist doch durchaus positiv, es fühlt sich dennoch ein bisschen schlechter an, weil wir deutlich die bessere Mannschaft waren.“

Auch Luca Kilian hatte die Kölner Führung auf dem Kopf, verfehlte das leere Tor aber ebenfalls deutlich. Und schließlich Modeste, der im Alleingang Zentner und nicht ins Netz traf. „Ich glaube, wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, sieht, wie wir gespielt haben, welche Torchancen wir hatten, dann kannst du über 90 Minuten nicht zufrieden sein“, sagte Baumgart. „Wir hatten sehr, sehr gute, viele Torchancen. Wir haben ja schon vor dem Spiel gesagt, dass wir daran arbeiten.“

Das Kölner Manko ist die Chancenverwertung

Das hat Baumgart, noch am vergangenen Freitag. Denn das Duell mit Mainz offenbarte einmal mehr das große Manko des ansonsten attraktiven Kölner Spiels: Der FC lässt zu viele Chancen liegen, bis auf Modeste will der Kölner Angriff nicht zünden. „Die Jungs wollen sicherlich das eine oder andere Tor mehr machen“, hatte der Kölner Coach am Freitag noch optimistisch gesagt. Dass die „Jungs“ das eine oder andere Tor mehr machen wollten, steht außer Frage. Bei der Umsetzung haperte es allerdings, zumindest bei den Offensivkräften. Denn es war unmittelbar nach dem Wechsel Mittelfeldmann Salih Özcan, der für den FC ausglich und sein erstes Bundesligator überhaupt erzielte. „Das wurde langsam auch Zeit“, sagte der Torschütze.  Nach dem Treffer blieb der FC dann aber erschreckend harmlos.

Dabei ist Köln das drittbeste Team der Liga in Sachen Torabschluss. 185 Mal schoss der FC auf das gegnerische Gehäuse – nur Bayern und Gladbach sind noch besser. Für die Geißböcke sprangen allerdings gerade einmal 18 Tore heraus, davon erzielte Modeste alleine acht. In der internen Torschützenliste folgt der defensive Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri mit drei Treffern. Sebastian Andersson und Mark Uth kommen gemeinsam auf zwei Tore.

„Wenn Tony so weiter trifft und die anderen fangen langsam damit an, dann wird es noch besser werden“, hatte Baumgart vor dem Mainz-Spiel gesagt. Aber ausgerechnet „Tony“ könnte nach seiner Muskelprellung kommende Woche im Derby fehlen. Der FC wäre dann auf Torgefahr der „anderen“ angewiesen. „Ich glaube nicht, dass das bei den Jungs eine eigene Erwartungshaltung ist“, sagte Kessler. „Wir kommen ja in die Situationen. Du hast manchmal ein bisschen Glück, manchmal ein bisschen Pech. Wir müssen jetzt daran arbeiten, dass die Bälle dann auch reingehen.“