Schultz‘ Duell mit dem Ex-Club Der 1. FC Köln setzt gegen Werder Bremen auf defensive Stabilität

Bonn · Alltag im Abstiegskampf nach dem Karneval: Gegen Werder Bremen setzt FC-Trainer Timo Schultz weiterhin auf eine kompakte Abwehr. Lediglich ein Spieler könnte in die Startelf rotieren.

Ein „fantastisches Erlebnis“ hatte Timo Schultz (rechts, dahinter Davie Selke) auf dem FC-Wagen beim Rosenmontagszug – doch der Fokus liegt längst auf der anstehenden Partie gegen Werder Bremen.

Ein „fantastisches Erlebnis“ hatte Timo Schultz (rechts, dahinter Davie Selke) auf dem FC-Wagen beim Rosenmontagszug – doch der Fokus liegt längst auf der anstehenden Partie gegen Werder Bremen.

Foto: dpa/Oliver Berg

Nein, einen Vorwurf darf man ihm da nicht unterbreiten, nicht alle Traditionen des kölschen Karnevals verinnerlicht zu haben. Nicht nach so kurzer Zeit. Denn etwas hatte Timo Schultz dann doch nachhaltig beeindruckt, als am Veilchendienstag für ihn eigentlich alle Zeichen auf Buße und Einstimmung auf die Fastenzeit nach den tollen Tagen standen. Es muss schon auf Mitternacht zugegangen sein, als plötzlich unter seinem Fenster ein Heulen und Schreien durch die Nacht blies. Dienstagabend habe er eigentlich gedacht, es sei zu Ende, sagt er am Aschermittwoch. Den Gefallen wollten ihm die Kölner jedoch nicht tun. „Ich saß bei mir in der Wohnung, da hörte ich von unten wieder alle schreien und grölen.“ Er setzte ein Lächeln auf, der Trainer des 1. FC Köln. Und berichtete von seinem herzhaften Eingreifen gegen die nächtlichen Ruhestörer. Als der Nubbel, „irgendeine Puppe“, so Schultz, verbrannt wurde für alle Sünden, da habe er „direkt noch ein paar draufgeworfen“ auf den Scheiterhaufen.

Das traditionelle Abbrennen des strohigen Sündenbocks vor den Kneipen der Stadt hat den Mann aus den Tiefen Ostfrieslands dann doch wieder angezogen. Zumal dieser Karneval nicht jene Spuren des vergangenen Jahres, als der FC auch krankheitsgeschwächt die Spur verließ und eine Negativserie startete, zu hinterlassen scheint. Eine solche wäre für die Kölner natürlich der sichere Weg im Paternoster: abwärts. Doch die ersten Spiele unter seiner Führung haben deutlich gemacht, dass sich das fragile Gebilde stabilisiert hat. Sechs Punkte aus fünf Partien holte Schultz, was reicht, um den Abstand auf die beiden direkten Abstiegsplätze vergrößert zu haben und den Rückstand auf Platz 15 nicht utopisch hat werden lassen. Einen Zähler gab es am Karnevalssamstag in Hoffenheim und einen ordentlichen Vortrag seines Teams – zumindest, was die Kompaktheit betrifft.

Werder überzeugend ins Jahr gestartet

Also durfte der 46-Jährige ein zufriedenes Fazit seines ersten Fasteleers in Köln ziehen. „Fantastische Erlebnisse“ seien es gewesen und „Wahnsinns-Erfahrungen“, die der Trainer auf der FC-Sitzung im Maritim, vor allem aber hoch auf dem Wagen im Rosenmontagszug gemacht habe. Ob seine Spieler nicht auch dem Wahnsinn erlegen seien und den einen oder anderen Zapfenstreich überzogen hätten, das wusste Schultz nicht so recht. Oder er wollte es gar nicht wissen. „Wenn sie sich gut verkleidet haben, könnten sie auch länger unterwegs gewesen sein“, sagte er mit einem Schmunzeln. In der hauptamtlichen Ausübung ihres Berufes wirkt es jedoch nicht so, dass sie dem Treiben zu intensiv gefolgt wären, dem Hang und Drang, zum Leben und leben zu lassen. Denn „die Spieler machen auf dem Trainingsplatz einen guten Eindruck“, bestätigte Schultz. Ausfälle gibt es jedenfalls nicht zu beklagen. Vielleicht hat der Trainer beim Verbrennen einiger Puppen mehr ja auch schlicht seine Akteure im Sinn gehabt. Es sei eben „eine sehr spezielle Zeit“.

Die nächste sehr spezielle Zeit geht für ihn, der erst Anfang des Jahres in Köln angekommen ist, an diesem Freitag weiter, wenn die Aufgabe in Müngersdorf gegen Werder Bremen ansteht (20.30 Uhr/Dazn). Eine Aufgabe, die dem FC erneut alles abverlangen wird, sind die Bremer doch vortrefflich ins neue Jahr gestartet. Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen, darunter ein 1:0-Coup bei den Bayern – das ist eine beachtliche Bilanz. Zuletzt folgte allerdings der Rückschlag gegen Aufsteiger Heidenheim (1:2). Schultz spricht mit großer Wertschätzung über die Bremer und ein „Gefüge, das zusammengewachsen ist, sich in der ersten Halbserie entwickelt hat und jetzt dementsprechend die Punkte einfährt. Das kann für uns sogar vielleicht ein kleines Vorbild sein, wenn man stabil bleibt, an sich glaubt, an den Themen arbeitet und Kontinuität auf den Platz bringt, dass man dann auch mal eine kleine Serie starten kann.“

Anschauungsunterricht beim Ex-Club

Anschauungsunterricht also beim beim Ex-Club, in dessen Internat es Schultz als Jugendlicher von seinem Heimatverein TuS Esens aus zog. Bei Werder habe er „tolle Jahre verbracht, es sei ein „toller Verein“. Rund um die erste Mannschaft kenne er aber niemanden mehr. Aber, keine Frage, die aktuelle erste Mannschaft ist ihm natürlich nicht unbekannt. „Sie haben doppelt so viele Tore geschossen wie wir und haben zehn Punkte mehr.“ Das ist ein Fakt, den der Trainer mit seiner in Köln implementierten Spielweise begegnen will. Es ist ein sehr seriöser Fußball, der auf Kontrolle aus ist und wenig gemein hat mit dem unter Steffen Baumgart verordneten Hauruckstil. Eine Umkehrung der Spielidee, zu der das Wandern auf dem berüchtigten schmalen Grat dazugehört. In Hoffenheim ließ das Herausspielen von Chancen fast alle Wünsche offen. Immer eine „Fußspitze fehlte dort“, die „Präzision im Pass“. Er sehe, dass „die Jungs Schritte machen“, doch „natürlich müssen wir uns mehr Chancen erarbeiten. Das war zu wenig.“

Er mahnte fehlenden Mut an, sonst „wäre in der Offensive deutlich mehr drin gewesen“. Schultz jedoch ist auch ein Mann der Prinzipien in dieser schwierigen Gemengelage, und daher stehe die defensive Stabilität „über allem“. Überhaupt ist der Begriff der Stabilität ein viel verwendeter in diesen Tagen des Abstiegskampfs. Auch was die Aufstellung betrifft. Die wird sich gegen Bremen kaum ändern. Es ist beinahe sicher, dass Timo Hübers nach seiner Erkrankung ins Abwehrzentrum zurückkehren wird, und es gilt als gesichert, dass an seiner Seite Luca Kilian für den gesperrten Jeff Chabot spielen wird. Weitere Wechsel kämen überraschend, selbst wenn Schultz Sprinter Linton Maina einräumt, eine „Top-Variante für die erste Elf“ zu sein. „Es ist selbstverständlich, dass wir gerade gut daran tun, vielleicht für eine gewisse Stabilität und Kontinuität auf dem Platz zu sorgen“, sagte der Anleiter. „Das tut den Spielern auch gut. Und die, die derzeit spielen, zahlen es mit gutem Engagement und sehr guten Leistungen zurück.“

Schultz freut sich schon auf den nächsten Karneval

Die neue Kompaktheit lässt Schultz dann hoffnungsfroh auf die kommenden Monate blicken. Und weiter – bis zum kommenden Karneval. Er hoffe, dass „wir uns im nächsten Jahr besser und länger darauf vorbereiten können“, dann wäre er schon „ein alter Karnevals-Hase mit einer gewissen Erfahrung“. Das närrische Fieber scheint auch ihn nach den wenigen Tagen in der Stadt gepackt zu haben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort