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Der 1. FC Köln tritt in Leverkusen an: Der FC ist auf der Suche nach dem Derbyhelden

Der 1. FC Köln tritt in Leverkusen an : Der FC ist auf der Suche nach dem Derbyhelden

Mit dem neuen Trainer Friedhelm Funkel will der 1. FC Köln noch die Wende schaffen. Zum Auftakt steht das schwere Spiel beim Lokalrivalen aus Leverkusen auf dem Programm.

Irgendwie ist er mittendrin und doch nicht dabei: Toni Polster. Der Angreifer dürfte wohl der letzte Profi im Dienste des 1. FC Köln gewesen sein, der an einer echten Meisterfeier teilgenommen hat – zumindest in gewisser Weise. Vor 24 Jahren, auf dem Münchner Rathaus-Balkon. Damals rollte Mario Basler zu den Feierlichkeiten des 14-Meistertitels ein lebensgroßes Poster des FC-Angreifers aus.

Der echte Polster befand sich vermutlich in seiner Wahlheimat Köln oder auf dem Weg in den wohl verdienten Urlaub. Eine Woche zuvor hatte der österreichische Nationalspieler gleich drei Mal gegen Leverkusen getroffen, dem FC zum 4:0-Erfolg im rheinischen Derby und dem FC Bayern zur Meisterschaft verholfen. Kein Wunder also, dass sich Basler bei seinem Freund besonders bedankte. Ein Jahr zuvor hatte Polster dem FC in Leverkusen ebenfalls mit einem Treffer zum 2:1-Sieg verholfen, doch der Hattrick, der Bayer die Meisterschaft kostete, schmeckte besser.

Die Rache folgte ein Jahr später, als der FC am letzten Spieltag nur mit einem deutlichen Sieg den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte noch hätte verhindern können. Tatsächlich führte Köln 2:0, bevor Markus Feldhoff und ausgerechnet FC-Legende Dirk Lottner in der Schlussphase ausglichen. Zahlreiche dramatische und torreiche Derbys wurden bereits gespielt, immer wieder der Pathos des Derbyhelden bedient. 2011 als Lukas Podolski beim 4:0-Erfolg doppelt traf und Milivoje Novakovic einen Treffer auflegte, 2015 als Abwehrchef Dominic Maroh zwei Tore erzielte. Aber auch schon 1982, als Tony Woodcock drei Mal gegen Bayer traf.

Auf der anderen Seite stoppte Moussa Diaby erst im vergangenen Dezember die Mini-Erfolgsserie des FC. Leverkusen untermauerte mit dem beeindruckenden 4:0-Erfolg die Titelambitionen des damaligen Tabellenführers. „Das sind Geschichten, die schreibt der Fußball. Mein letztes Spiel war gegen Leverkusen, das erste jetzt wieder“, sagt der neue FC-Coach Friedhelm Funkel vor dem nächsten Derby am Samstag in Leverkusen (18.30 Uhr, Sky). „Ich bin immer völlig gelassen in solche Spiele reingegangen, das ist nichts Außergewöhnliches.“

Funkel strahlt seit seinem Amtsantritt eine stoische Ruhe aus. Dabei steht ihm direkt eine schwere Aufgabe bevor, der FC wartet seit zwei Monaten auf einen Sieg.

Der FC setzt auf den Motivationsschub des neuen Trainers

Einen Sieg, der bei drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer enorm wichtig wäre. Die Hoffnungen der Kölner Verantwortlichen ruhen beim Auswärtsspiel aber nicht nur auf der Geburt eines weiteren Derbyhelden, der FC setzt viel mehr auf den Motivationsschub des neuen Trainers. „Friedhelms Erfahrung ist für uns wohltuend in dieser schwierigen Situation. Er ist extrem engagiert, fokussiert und hat einen Plan, der erkennbar ist“, so Sportdirektor Horst Heldt. „Man hat gemerkt, dass die Mannschaft sich dem neuen Trainer präsentieren will. Die Jungs wollen sich empfehlen, da ist Feuer drin.“ Laut Heldt sei der Optimismus vor der Begegnung gegen Leverkusen groß.

Bayer ist in der Tat bei Weitem nicht mehr so gefährlich wie noch im Hinspiel. Im Gegenteil: Das Aus in der Eruopa-League gegen Bern, die Blamage gegen Rot-Weiss Essen im DFB-Pokal und die unerklärliche Schwächephase seit der Niederlage gegen die Bayern Ende Dezember haben tiefe Spuren hinterlassen. Bayer wirkt verunsichert. Auch nach dem Trainerwechsel in der Länderspielpause hat Leverkusen noch nicht zurück in die Spur gefunden. Gegen Schalke und Hoffenheim holte Hannes Wolf mit seinem Team zwar vier Punkte, wirklich überzeugen konnte Bayer nicht.

„Wir wissen, was auf uns zukommt an individueller Klasse und Schnelligkeit“

Doch Funkel lässt sich nicht blenden. „Wir kennen den Gegner und wissen, was auf uns zukommt an individueller Klasse und Schnelligkeit“, sagt der 67-Jährige.

Und gegen diese Klasse wird Motivation alleine nicht reichen. Zumal auch Funkel den größten Schwachpunkt seiner Mannschaft ausgemacht hat: Die mangelnde Offensivkraft. Auf Sebastian Andersson wird Funkel nicht zurückgreifen können. Der Angreifer  hat wieder mit seinem lädierten Knie zu kämpfen. Der Schwede tat dem FC zuletzt sichtbar gut. Mit ein wenig mehr Fortune zu Beginn hätte Andersson gegen Mainz zum Matchwinner werden können. Noch am Nachmittag hatte der Trainer auf den Einsatz des Schweden gehofft. „Ich wünsche mir natürlich, dass er dabei ist. Aber wir müssen Vernunft walten lassen“, sagte Funkel.

Dafür nominierte der 67-Jährige den zuletzt ausgemusterten Emmanuel Dennis. So oder so: Ein Poster eines Derbyhelden wird es bei der Münchner Meisterfeier 2021 nicht geben.