1. Sport
  2. 1. FC Köln

Eine unendliche Geschichte: Der FC und der Abstiegskampf

Eine unendliche Geschichte : Der FC und der Abstiegskampf

Dem 1. FC Köln droht bereits am Samstag der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. Das Bundesliga-Gründungsmitglied hat sich zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt. Ein Rückblick.

Der Freudenschrei, der durch das fast leere RheinEnergie-Stadion im Spiel gegen Freiburg schallte, verstummte nach nur wenigen Sekunden. Jan Thielmann hatte kurz zuvor den Ball in die Maschen gehämmert. Schiedsrichter Marco Fritz entschied auf Handspiel von FC-Kapitän Jonas Hector. Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit im Duell gegen Freiburg. Spielstand: 1:2. Vermutlich hätte der FC ein Remis verteidigt und sich möglicherweise keine Konter mehr eingefangen. Die Ausgangssituation vor dem Abstiegsgipfel gegen Hertha und Schalke wäre eine andere, eine bessere gewesen.

Ganz so eindeutig wie Schiedsrichter Marco Fritz die Situation einschätzte, war sie dann doch nicht. Der Ball rollte Jonas Hector über die Schulter, vielleicht auch über die Brust oder über den Arm, ein eindeutiges Handspiel war es jedenfalls nicht. Der FC und der Videoassistent finden nicht so recht zusammen. Dabei hätte sich Köln vor 23 Jahren wohl nichts sehnlicher gewünscht als eben jene Unterstützung aus einem Kölner Keller.

Der FC steigt 1998 erstmals ab

April 1998: Nach einer durchwachsenen Saison befindet sich der FC im Tabellenkeller. Nach 35 Jahren droht Köln erstmals der Gang in die zweite Liga. Für diesen Traditionsclub, das Gründungsmitglied der Bundesliga, den mehrfachen deutschen Meister, unvorstellbar. Doch die Ausgangslage ist bedrohlich, aber nicht aussichtslos. Im Gegenteil: Der FC befindet sich nach dem 31. Spieltag über dem Strich. Es steht am vorletzten Spieltag das direkte Duell gegen die Arminia an. Zuvor will sich Köln aber auf Schalke noch Luft im Abstiegskampf verschaffen. Für die Königsblauen geht es um nicht weniger als einen Uefa-Cup-Platz.

Doch Köln macht eine ordentliche Begegnung, erspielt sich Chancen. Ein Tor fällt lange nicht. In der 80. Minute nimmt sich René Tretschock ein Herz. Sein Schuss aus knapp 15 Metern passiert S04-Keeper Jens Lehmann. Doch der Ball landet nicht im Tor. Defensivspieler Oliver Held lenkt das Leder über die Latte. Mit der Hand. Schiedsrichter Uwe Kemmling hat die Szene nicht gesehen. Nach heftigen Kölner Protesten befragt Kemmling den Übeltäter. Der bestreitet das klare Handspiel. Köln kassiert in der 92. Spielminute das 0:1 und verliert eine Woche später auch das Keller-Duell gegen Bielefeld. 1:2. Doppeltorschütze? Der Ex-Kölner Uwe Fuchs, der fünf Jahre zuvor noch beim FC spielte und in der Saison 1997/1998 auf zwei Einsätze von Beginn an und drei Tore kommt.

Mit drei Punkten und fünf Toren Rückstand auf den KSC und damit zum rettenden Ufer geht der FC ins letzte Saisonspiel. Köln schnuppert gegen den Uefa-Cup-Teilnehmer Bayer Leverkusen sogar an der Überraschung. 2:0 führt Köln gegen den Lokalrivalen. Markus Feldhoff und FC-Legende Dirk Lottner treffen in der Schlussphase zum 2:2-Ausgleich uns besiegeln endgültig den ersten Kölner Abstieg.

Leverkusens Patzer kostet dem 1. FC Köln den Klassenerhalt

Vier Jahre später ist die Situation ähnlich. Nach dem 31. Spieltag belegt der FC den 17. Tabellenplatz. Fünf Punkte beträgt der Abstand zum 1. FC Nürnberg auf Rang 15. Trainer Friedhelm Funkel hat im Februar übernommen, in der Hoffnung Köln vor dem zweiten Abstieg zu bewahren. Unter Funkel hat der FC einige Zähler geholt. Am 32. Spieltag spielt Köln beim Titelkandidaten aus Dortmund. Und das überraschend gut. Zwar führt der BVB schnell durch Tomas Rosicky, aber der FC hat Chancen zum Ausgleich. Carsten Cullmann trifft die Latte, Dirk Lottner im zweiten Abschnitt das Tor. Es deutet viel auf einen unerwarteten Punkt. Vielleicht sogar mehr: Denn Lottner vergibt aus elf Metern frei vorm Tor. Auf der anderen Seite soll Jörg Reeb in der Schlussminute Jan Koller gehalten haben – eine fragwürdige Entscheidung. Doch sie führt zum Elfmeter und damit zum 2:1 durch Marcio Amoroso.

Der Abstand auf Nürnberg bleibt, die Hoffnung auch. Köln macht seine Hausaufgaben gegen Mitkonkurrent Freiburg. Cullmann und Matthias Scherz sorgen für das 2:0. Nürnberg sorgt parallel für eine kleine Sensation. Der Club bezwingt den bisherigen Tabellenführer Leverkusen und versaut Bayer die sicher geglaubte Meisterschaft. Für den FC steht der zweite Abstieg fest.

Dass Köln auch ohne Drama absteigen kann, zeigt der FC in der Spielzeit 2003/2004 eindrucksvoll. Nachdem Funkel mit den Kölnern umgehend zurück in die Bundesliga kehrte, muss er nach dem zehnten Spieltag gehen. Der FC gibt in dieser Spielzeit auch unter Christoph John und Marcel Koller ein desolates Bild ab. Der Abstieg steht bereits am 31. Spieltag fest. Immerhin: Koller integriert Lukas Podolski als A-Jugendlichen in der 1. Mannschaft, ein Idol ist geboren.

Ein Idol, dass den FC zwei Jahre später aber nicht vor dem vierten Abstieg bewahren kann. Am 31. Spieltag wahrt Köln die Chance auf den Klassenerhalt mit einem 3:1 über Mitkonkurrent Duisburg. Nun steht das schwere Heimspiel gegen den Tabellenzweiten aus Hamburg auf dem Spielplan. Schon nach drei Minuten rennt der FC dem Rückstand hinterher. Lukas Sinkiewicz trifft ins eigene Netz. Doch Köln wehrt sich wieder einmal mit Händen und Füßen gegen den Abstieg. Christian Springer trifft in der Schlussphase ins Tor, doch steht im Abseits. Köln verliert 0:1, Abstiegskonkurrent Mainz bezwingt den ebenfalls krisengebeutelten VfL Wolfsburg 3:0, der Abstand zum rettenden Ufer beträgt zwei Spieltage vor Saisonschluss sechs Zähler. Nur noch ein Wunder kann den FC retten. Die Geißböcke erleben am vorletzten Tag ein Wunder, ein blaues. Gegen Bremen gibt es eine 0:6-Klatsche und den vierten Abstieg.

1:4-Pleite gegen Freiburg gibt für den FC den Ausschlag

Nach drei ruhigen Bundesliga-Jahren wird es in der Spielzeit 2011/2012 erneut brenzlig. Köln belegt am 32. Spieltag den Relegationsplatz, hat vier Zähler Rückstand auf Augsburg. Da am letzten Spieltag das Duell bei den Bayern auf dem Programm steht, muss der Relegationsplatz abgesichert werden. Das scheint möglich, denn Köln trifft nun auf Freiburg, ein schlagbarer Gegner. Verfolger Hertha BSC spielt bei den starken Schalkern und kassiert eine 0:4-Klatsche. Köln kämpft, will den Relegationsplatz unbedingt sichern. Michael Rensing kann eine gefühlte Rückgabe nicht aufnehmen: Freiburg führt. Rückkehrer Lukas Podolski gleicht aus. Die Freude währt nicht lange, Freiburg setzt sich nicht unverdient 4:1 (!) durch. Es kommt zum Endspiel gegen die Bayern, die zwar keine Chance mehr auf den Titel haben, sich aber beim 4:1 dennoch keine Blöße geben. Da Hertha überraschend Hoffenheim schlägt, muss Köln ein fünftes Mal in die zweite Liga.

Unter Peter Stöger wird aber alles anders. Köln steigt nicht nur auf, der FC spielt plötzlich auch in der ersten Liga guten Fußball. So guten, dass er sich auf einmal 2017 in der Europa League wiederfindet. Die Euphorie wird schnell ausgebremst. Köln kann in der folgenden Spielzeit nicht mehr gewinnen. Erst am letzten Spieltag der Hinrunde gelingt in der Liga der erste Dreier. Zu diesem Zeitpunkt hat der FC schon neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Zu viel. An ganzen vier Spieltagen der Saison belegt Köln nicht den letzten Tabellenplatz und kann nach dem 32. Spieltag für die zweite Liga planen.