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DFB-Pokal: 1. FC Köln bezwingt Jena erst im Elfmeterschießen

DFB-Pokal : 1. FC Köln bezwingt Jena erst im Elfmeterschießen

Beim Pflichtspiel-Debüt von Trainer Steffen Baumgart hat der 1. FC Köln das Elfmeterschießen benötigt, um sich in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten Carl Zeiss Jena durchzusetzen. FC-Keeper Marvin Schwäbe parierte zwei Strafstöße.

Seinen ersten Auftritt in einem Pflichtspiel in dieser Saison bestritt der 1. FC Köln auf einer Baustelle. Die Nordkurve im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ist abgerissen, der Umbau des Stadions in vollem Gange. Die Gerade glich einer Trümmerlandschaft. Und auch die Aufführung des FC beim Pflichtspieldebüt von Trainer Steffen Baumgart offenbarte einige Baustellen. Zwar erreichten die Kölner die zweite Runde im DFB-Pokal, doch bei Carl Zeiss benötigten sie dafür das Elfmeterschießen, um den Regionalligisten mit 5:3 (1:1, 1:1) zu besiegen. Eine Blamage wendeten sie gerade noch ab und verhinderten so, dass die Pokal-Ziele nicht erneut schon früh in Trümmern liegen.

Im Elfmeterschießen jedoch zeigten die Kölner eine starke Leistung. Mit Tim Lemperle, Louis Schaub, Jan Thielmann und Ondrej Duda trafen alle vier FC-Schützen souverän.  Der ansonsten kaum geforderte Pokal-Torhüter Marvin Schwäbe parierte zweimal prächtig. Auch Baumgart dürfte eine große Last von den Schultern gefallen sein. „In der ersten Hälfte fehlte uns ein bisschen die Geschwindigkeit, das Ding nach vorn zu spielen. Aber insgesamt gehen wir nicht unverdient als Sieger vom Platz“, sagte der 49-Jährige. Und: „Erst mal sind wir jetzt froh, dass wir weitergekommen sind.“ Zumindest das Ergebnis sollte Mut machen für den Bundesliga-Auftakt am kommenden Sonntag gegen Hertha BSC.

Trotz des verspäteten Jubels: Das Baumgart-Team war zwar das bessere Team, doch der immense Klassenunterschied wurde erst im Laufe des Spiels sichtbar. Gemächlich ging es los bei den Gästen. Carl Zeiss jedoch startete aggressiv und überraschte mit einigen Vorstößen. Einer davon überrumpelte die Kölner. Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue verhinderte die Flanke nicht, Linksverteidiger Benno Schmitz irrte orientierungslos im Strafraum umher, schien irgendwas zu suchen, fand es aber nicht. Und der Jenaer Maximilian Wolfram war ob so viel Freiraum nicht überrascht, nahm den Ball volley und zirkelte ihn an Torhüter Marvin Schwäbe vorbei ins Tor – 1:0 für den Außenseiter (5.). Der Mann mit der Mütze, Trainer Baumgart, war bedient, griff zur Wasserflasche.

Als Wachrüttler diente der Rückstand nicht. Zu langsam agierten die Kölner gegen sich zurückziehende Jenaer, zu unentschlossen. Die Abstände funktionierten noch nicht. Ein großes Loch klaffte zwischen Abwehr und Angriff. Das Tempo fehlte. Dabei setzte Baumgart auf jene erwartete Startformation, die auch in der Bundesliga zum Start gegen Hertha auflaufen könnte. Vor Schwäbe stellte er die Viererkette mit rechts Kingsley Ehizibue, Rafael Czichos, Timo Hübers und links Benno Schmitz. In der Mittelfeldraute lief Salih Özcan als Sechser auf, Kapitän Jonas Hector links und Florian Kainz rechts. Als Unterstützung für die beiden Stürmer Anthony Modeste und Jan Thielmann spielte Mark Uth auf der Zehner-Position.

Doch die Gastgeber hielten sehr gut mit, schoben geschickt die Räume zu. Dem FC fehlten die Ideen und die Läufe in die Tiefe. Baumgarts Rufe, „nachsetzen, nachsetzen“ tönten über die Baustelle. Zwar kam sein Team natürlich auf mehr Ballbesitz und dominierte, aber es zeigte keine Präsenz in den gefährlichen Räumen. Rasse und Klasse im Offensivspiel suchten die 360 Kölner Fans unter den 2700 Zuschauern vergeblich. Da war der Viertligist schon wesentlich zielstrebiger in seinen Aktionen nach vorn. Maximilian Krauß zog aus der Distanz ab, der Ball ging knapp vorbei (30.).

Ein Kopfball von Modeste (36.) war das einzige Lebenszeichen des Stürmers vor dem Wechsel. Wenn die Kölner gefährlich wurden, dann nach Fehlern der Gastgeber. Thielmann eroberte den Ball, zog auf und davon; sein Schuss, mit der Härte einer Rückgabe auf die Reise geschickt, war eine sichere Beute von Jenas Keeper Lukas Sedlak (40.). Die Gastgeber zogen ein dichtes Geflecht vor ihrem Strafraum auf, in dem der FC zunächst kein Schlupfloch fand.

Mit mehr Energie kam der FC aus der Kabine. Ein abgefälschter Schuss von Mark Uth ging knapp vorbei (47.). Dann, endlich, lag der Ball im Netz. Doch der Treffer von Uth zählte nicht. Schiedsrichter Florian Badstübner hatte zuvor ein Stürmerfoul von Hübers gesehen. Klar, die Kölner dominierten und drückten weiterhin. Doch die letzte Entschlossenheit fehlte. Baumgart reagierte, brachte Angreifer Sebastian Andersson und Ellyes Skhiri, den der FC möglicherweise noch verkaufen wird. Doch noch ist der Mittelfeldspieler da. Und wie. Mit seinem ersten Ballkontakt schob er den Ball ins Tor (69.). Uth wurde in die Tiefe geschickt, ein Wackler, Rückpass, dann tunesische Maßarbeit – 1:1.

Noch blieb Zeit, die Verlängerung zu vermeiden. Hector versuchte es von der Strafraumgrenze – zu schwach (75.). Schwächer wurden dann auch die Kräfte des Regionalligisten erst mal nicht. Der Tank wurde nicht entscheidend leerer, auch wenn er für Ausflüge nach ganz vorn nicht mehr reichte. Jena hielt weiterhin dagegen. Die Kölner liefen an und ihnen die Zeit davon. So war es wieder Skhiri, der Sedlak prüfte (86.). Es war die letzte von nicht allzu vielen Chancen der Kölner, die sich mit dem Nachsitzen abfinden mussten.

Die Rollen blieben in der Verlängerung die gleichen. Köln drückte, Jena verteidigte. Und hatte Glück, dass Badstübner den Gästen erneut einen Treffer verwehrte. Andersson soll Torhüter Sedlak behindert haben, ehe der Ball von Hübers Rücken ins Tor trudelte (95.). Das Bemühen war offensichtlich, allein das entscheidende Werkzeug fehlte: eine effektive Chancenverwertung. Die Angriffswellen schwappten weiterhin auf die Jenaer zu, und so war es Duda, dessen strammer Schuss nur knapp vorbeiging (108.). Auch Andersson scheiterte (116.). Und Tim Lemperle fand in Sedlak seinen Meister (120.+1). Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Und Köln durfte doch noch jubeln. „In der zweiten Hälfte haben wir die Situationen einen Tick besser gelöst“, bilanzierte Baumgart, „und wenn man die Chancen zählt, hätte es auch schon früher für uns ausgehen können.“