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Droht ein Machtkampf beim 1. FC Köln?

Nach Entlassung von Mediendirektor : Droht ein Machtkampf beim 1. FC Köln?

Nach der Entlassung von Mediendirektor Tobias Kaufmann suchen FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle und der Vorstand des Clubs eine einheitliche Linie.

Die vom Zeitpunkt her sicher unerwartete, in ihrer Entstehung aber keineswegs überraschende Demission von Tobias Kaufmann, wirft neue Fragen nach dem Binnenverhältnis beim 1. FC Köln auf. Der seit fast einem Jahr im Amt befindliche neue Vorstand des FC mit Präsident Werner Wolf an der Spitze hatte das Aus für den Medien- und Kommunikationschef am Mittwochabend zu Beginn eines virtuellen Mitglieder-Stammtisches verkündet. Eine ungewöhnliche Bühne für eine solch einschneidende, personelle Veränderung. „Herr Kaufmann hat in den vergangenen sieben Jahren viel für unseren Club geleistet. Das war eine Entscheidung, die beiden Seiten nicht leicht gefallen ist, aber sie ist gefallen. Herr Kaufmann wird uns verlassen“, sagte Wolf.

Es braucht kein langes Rätselraten, um zu erkennen, dass dem neuen Vorstand die sofortige Trennung von Kaufmann zuzuschreiben ist und gegen den Willen von FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle durchgezogen wurde. Der 44-jährige Kaufmann hatte sich vor den Vorstandswahlen im September 2019 auf der Seite der amtierenden Vize-Präsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach positioniert und damit das Vertrauensverhältnis zum Vorstandsteam mit Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger belastet. Ein Misstrauen, dass beide Seiten trotz vieler Gespräche und Versuche offenbar nie ausräumen konnten.

Auch nicht als Carsten Wettich aus dem Mitgliederrat für den zurückgetretenen Sieger auf den Posten des Vizepräsidenten nachgerückt war. Vielmehr gab es neue Konflikte in der Zusammenarbeit, die den Vorstand schließlich dazu bewogen, auf der Position des Medienchefs eine Veränderung herbeizuführen. Etwa bei der Kommunikation bezüglich des Spielers Birger Verstraete und seiner Corona-Ängste oder der Dauerkarten-Regelung für die kommende Saison.

Wehrle, der den FC bislang vorbildlich durch die Corona-Krise geführt hat, konnte Kaufmanns Entlassung auch deshalb nicht verhindern, weil der Mediendirektor unter den Abteilungsleitern auf der Geschäftsstelle eine Sonderrolle einnimmt. Er ist nicht nur bei der KGaA angestellt und damit der Geschäftsführung (Wehrle und Sportchef Horst Heldt) unterstellt, sondern als Sprecher des Vorstands auch kommunikative Schnittstelle zwischen KGaA und eingetragenem Verein. Da der Vorstand aber kein nachhaltiges Vertrauen zu Kaufmann aufbauen konnte, fiel nun seitens Wolf und Co. die Entscheidung gegen Kaufmann – und damit im Grunde genommen auch gegen Wehrle.

Zwangsläufig stellt sich nun die Frage, ob die personelle Veränderung in der Medienabteilung einen internen Machtkampf zur Folge haben wird, oder ob Alexander Wehrle sich fügt und konstruktiv an der neuen Ausrichtung des Vorstands beteiligt? Zumal der Finanzchef auf dem virtuellen Stammtisch am Mittwoch den Mitgliedern in Folge der Corona-Krise Mindereinnahmen in Höhe von 25 Millionen Euro mitteilen musste und durch diese schwierige, wirtschaftliche Lage zusätzlich unter Druck steht. Wer sich unter den 112 000 Mitgliedern des 1. FC Köln aktuell Sorgen um die Zukunft des Clubs macht, hat Grund dazu.