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Kommunikationsdesaster und Pokal-Aus: Ein Tag zum Vergessen für den 1. FC Köln

Kommunikationsdesaster und Pokal-Aus : Ein Tag zum Vergessen für den 1. FC Köln

Der 3. Februar 2021 wird dem 1. FC Köln in schlechter Erinnerung bleiben: Auf die Posse um Medienchef Fritz Esser folgt das Aus im DFB-Pokal. In der Bundesliga wartet nun Gladbach.

Der 3. Februar 2021 war wieder mal einer dieser Tage, an die der 1. FC Köln sich nicht gerne wird erinnern mögen. Erst hielt die Posse um die Personalie des neuen Medienchefs Fritz Esser den Club in Atem, dann folgte das Ende aller Hoffnungen im DFB-Pokal. Das schmerzvolle 5:6 nach Elfmeterschießen im Achtelfinale bei Zweitligist Jahn Regensburg bedeutete die nächste Blamage an diesem Mittwoch. Irgendwie typisch Geißbock, aber selbst für einen so unruhigen Club zu viel für nur einen Tag.

Es war kurz vor Mitternacht, als die FC-Clubführung vor dem Jahnstadion in gespenstischer Stille und mit hängenden Schultern in bereitstehende Taxis einstieg. Der kurze Weg zum Flugplatz Straubing, wo der Flieger nach Köln wartete, dürfte Vorstand und Geschäftsführung nach den Ereignissen dieses 3. Februars lang vorgekommen sein. Zumal dem Club durch den verpassten Viertelfinaleinzug 1,4 Millionen Euro durch die Lappen gegangen sind. „Es ist eine große Enttäuschung, denn wir hatten die Chance nach elf Jahren wieder ins Viertelfinale einzuziehen“, hatte Kapitän Timo Horn kurz zuvor das Pokal-Aus zusammengefasst: „Viel mehr kann nicht zusammenkommen.“

„Es ist eine große Enttäuschung, denn wir hatten die Chance nach elf Jahren wieder ins Viertelfinale einzuziehen“

Der Torwart meinte zum Beispiel, dass sein Team nach den Toren von Ismail Jakobs (4.) und Neuzugang Emmanuel Dennis (22.) als Bundesligist eine 2:0-Führung gegen einen fußballerisch limitierten Außenseiter herschenkte. „Wir waren viel zu passiv und haben die langen Bälle der Regensburger schlecht verteidigt“, haderte Trainer Gisdol mit den Gegentoren durch Scott Kennedy (35.) und Jann George (44.).

Ein Knackpunkt war unmittelbar vor dem 2:2 auch das aberkannte Kopfballtor von Benno Schmitz zum 3:1 (39.). Kennedy hatte nach einer Ecke einen Ball aus dem eigenen Strafraum so geklärt, dass er bei Ondrej Duda landete, der als Flankengeber knapp aus dem Abseits kam. Der noch unerfahrene Videoassistent Pascal Müller schaltete sich ein und wertete die Aktion als „Torabwehrreaktion“, durch die keine neue Spielsituation entsteht. „Da bleibt die Abseitsposition bestehen. Deswegen mussten wir nach Absprache mit dem Kölner Keller das Tor annullieren“, erklärte Schiedsrichter Robert Hartmann.

„Es ist nicht wirklich begreifbar, dass das Tor nicht zählt. Die Schiedsrichter haben versucht, es mir zu erklären und ich habe mich auch bemüht, es zu verstehen. Habe ich aber nicht. Meiner Meinung nach ist die Aktion falsch bewertet worden“, gab sich FC-Sportchef Horst Heldt resigniert.

Marius Wolf musste nach einer halben Stunde wegen einer Knöchelverletzung raus

So ging der Pokalfight los und seinen eigenen Weg. Auch, weil Marius Wolf als unerlässlicher Führungsspieler nach 33 Minuten den Platz mit einer Knöchelverletzung verlassen musste. Nachdem Dennis einen Handelfmeter verschossen hatte (78.) und die Geißböcke ihre Kraftvorteile in der Verlängerung nicht ausnutzen konnten, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. „Das ist dann immer ein Stück weit Glückssache. So weit hätten wir es nicht kommen lassen dürfen“, resümierte Markus Gisdol enttäuscht.

Für den Trainer war es indes kein Problem, dass nicht jeder seiner Spieler am Punkt antreten wollte. Von fehlender Verantwortung oder mentaler Schwäche etwa bei Ellyes Skihri, Max Meyer oder Dominick Drexler wollte er nichts wissen: „Das gibt es in jedem Team und ich habe mehr Spieler gesehen, die schießen wollten.“ Am Ende waren Jorge Meré und Jannes Horn die Unglücklichen, während die Regensburger ihren Torwart Alexander Meyer für das dritte gewonnene Elfmeterschießen im diesjährigen Pokalwettbewerb feierten. „Das Elfmeterschießen war sinnbildlich für das ganze Spiel. Bei einem 2:0 müssen wir das besser und klüger zu Ende spielen“, beendete Timo Horn seine lange Liste.

Nächster Gegner in der Bundesliga ist Borussia Mönchengladbach

Markus Gisdol machen die permanenten Wellenbewegungen seines Teams inzwischen „richtig verrückt“. Der Coach prangerte die fehlende, taktische Disziplin an: „Wir müssen immer ans Maximum kommen. Das hat nichts mit fehlendem Willen, sondern mit Qualität zu tun.“ Die nächste Aufgabe wartet schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) und es ist nicht irgendeine. Der FC tritt zum Bundesligaspiel in Mönchengladbach an. Gisdol hofft, dass ihm neben Marius Wolf auch die in Regensburg fehlenden Sebastiaan Bornauw und Jonas Hector wieder zur Verfügung stehen. Denn eine Derbyniederlage ist für alle Kölner etwas, an das sie sich am liebsten nie erinnern wollen.