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FC Köln: Horn im Interview: "Bis 35 will ich bestimmt noch spielen"

Torwart des 1. FC Köln im Interview : FC-Keeper Timo Horn: „Bis 35 will ich bestimmt noch spielen"

Timo Horn zählt zu den großen Identifikationsfiguren beim 1. FC Köln. Im GA-Interview spricht der Keeper über Trainer Steffen Baumgart, den Konkurrenzkampf im Tor und seinen möglichen Nachfolger.

In dieser Saison startet Timo Horn in seine zehnte Spielzeit als Nummer eins des 1. FC Köln. In Marvin Schwäbe hat der 28-Jährige einen neuen Konkurrenten hinter sich. Über seine Zukunft, den neuen Trainer und die Aussichten des FC sprach der Kölner Keeper mit Simon Bartsch.

Herr Horn, mögen Sie eigentlich Schlager?

Timo Horn: Schlager? Zu dem passenden Anlass höre ich auch Schlager. Es ist nicht meine favorisierte Musik, aber ab und an...

Ist der passende Anlass eine schweißtreibende Trainingseinheit? Immerhin lässt Sie Ihr neuer Trainer gerne zu Schlagermusik schwitzen.

Horn: Da waren wir alle schon ein bisschen überrascht. Wir wussten aber, dass der Trainer ein großer Fan deutscher Musik ist. Deswegen hat uns die Auswahl an sich dann nicht zu sehr überrascht.

So etwas haben Sie aber in Ihren zehn Jahren beim FC noch nicht erlebt, oder?

Horn: Nein, das war auch für mich neu. In der Kabine läuft schon mal motivierende Musik, aber das war eine neue Erfahrung.

Was ist Steffen Baumgart für ein Typ?

Horn: Er ist ein sehr offener Mensch. Der Trainer geht auf Dinge, aber auch auf die Spieler ein. Er spricht unheimlich viel mit uns. Manchmal wird er auch lauter, auch bei der Ansprache. Dabei ist er aber nie unfair oder beleidigend. Er fordert sehr viel von uns, gleichzeitig ist er ein Typ mit Humor. Der Trainer gesteht sich selbst Fehler ein. Es gibt diesen Typ Schleifer, vor dem man als Spieler schon fast Angst hat. Aber so ist er gar nicht.

Im vergangenen Jahr haben Sie in einem Interview betont, wie wichtig die Defensive im Abstiegskampf sei. Jetzt kommt Baumgart mit seiner Idee vom Offensivfußball daher, obwohl die Offensive eine große Baustelle im System war. Kann das gut gehen?

Horn: Unser Spiel wird sich von Grund auf verändern. Das hat man in den Testspielen und im Training gesehen. Wie wir es letztlich umsetzen werden, wird sich zeigen. Natürlich wird es Mannschaften geben, die versuchen werden, uns auszuspielen. Der Trainer legt großen Wert darauf, dass jeder von uns mitmacht. Das haben wir in der Vorbereitung intensiv trainiert. Wir werden früh attackieren, sehr aggressiv sein. Das ist ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen. Zumal wir großen Aufwand betreiben. Wir haben konditionell viel gearbeitet. Das ist bei unserem künftigen System aber auch von Nöten.

Es gab bereits einige Neuverpflichtungen, weitere sind wahrscheinlich. Ist der Kader stark genug für den Klassenerhalt?

Horn: Wir haben sicherlich auf der einen oder anderen Position sehr viel Qualität dazugewonnen. Mark Uth ist beispielsweise zurück und hat die Offensive direkt deutlich belebt. Auch im Training lässt er seine Qualität immer wieder aufblitzen. Vielleicht hat uns das in der Offensive im vergangenen Jahr gefehlt. Jetzt haben wir noch einen weiteren kreativen Spieler, der Ideen entwickelt, den Pass in die Tiefe spielen kann. Ich bin guter Dinge, dass wir eine bessere Runde spielen als im Vorjahr.

Was hat sich neben dem System und der Intensität durch den neuen Trainer noch verändert?

Horn: Die Stimmung ist aktuell super in der Truppe. Natürlich hängt das im Laufe einer Saison auch immer von Erfolgserlebnissen ab. Deshalb wollen wir alles daransetzen, gut in die Saison zu starten. Das haben wir in den vergangenen beiden Jahren leider verpasst. Da mussten wir das Feld von hinten aufrollen.

Bei den Neuverpflichtungen gibt es einen neuen Torhüter. Mit Marvin Schwäbe haben Sie einen starken Mann im Nacken …

Horn: Die Situation war in der vergangenen Saison ähnlich. Im letzten Jahr kam Ron-Robert Zieler, alle haben geschrieben, da kommt der Weltmeister. Das gehört zum Geschäft dazu. Ich weiß das richtig einzuschätzen. Es kam ja nicht überraschend, dass nach dem Abgang von Ron ein neuer Torwart geholt wurde. Ein Bundesliga-Verein muss da gut aufgestellt sein. Wenn der Stammkeeper verletzt ist, muss ein gleichwertiger Ersatz vor Ort sein.

Wie haben Sie seine Kampfansage erlebt?

Horn: Gelassen. Ich bin jetzt im zehnten Jahr als Nummer eins beim FC. Ich habe mich immer durchgesetzt. Bis auf die Zeit meiner Knieverletzung habe ich quasi jedes Spiel gemacht. Deswegen weiß ich sehr gut damit umzugehen.

Wo Sie Ron-Robert Zieler ansprechen. Nach anfänglicher Kritik haben Sie in der vergangenen Spielzeit eine sehr starke Saison gespielt, waren eine der Konstanten. Hat Zieler dabei eine Rolle gespielt?

Horn: Konkurrenz belebt immer das Geschäft – ein alter Spruch, der aber auch zutrifft. Wenn man auf konstant hohem Niveau trainiert, profitiert jeder davon. Deswegen ist es sicherlich gut, gute Jungs hinter sich zu haben. Ron hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Für ihn war es keine leichte Situation. Er war zuvor jahrelang Stammkeeper. Jetzt kommt er in Hannover wieder ans Spielen. Das freut mich für ihn wirklich sehr.

Apropos „keine leichte Situation“: Sie sind gebürtiger Kölner, haben mal abgesehen von den Anfängen in Rondorf immer für den FC gespielt, identifizieren sich mit dem Club wie kaum ein anderer. Wie sehr schmerzt es, von den eigenen Fans teils heftig kritisiert zu werden?

Horn: In meinem Gefühl hat sich das in der vergangenen Spielzeit um 180 Grad gedreht. In der vergangenen Saison gab es eher lobende Worte. Diese Kritik-Geschichte wird immer wieder hervorgeholt. Warum, kann ich nicht erklären. Ich glaube, dass ich eine sehr konstante, gute Saison gespielt habe – trotz der schwierigen Saison, die wir als Verein hinter uns haben.

Aktuell besteht noch die Chance auf Fans im Stadion. Wie groß ist die Vorfreude?

Horn: Ich hoffe, dass wir vor Zuschauern spielen dürfen. Wir sind auf jeden Fall ein Verein, der von seinen Fans lebt. Sicherlich mehr als andere Vereine. Jeder, der mal bei uns im Stadion war, wird die Stimmung nicht so schnell vergessen. Gerade gegen große Gegner pusht das ganz besonders. Das hat uns auch in der Vergangenheit geholfen, mal über uns hinauszuwachsen. Die Zuschauer haben uns in den letzten anderthalb Jahren sehr gefehlt. Die Emotionen gehen natürlich verloren. Es wäre schon schön, wenn es wieder klappen würde.

Im Trainingslager gab es ein vom FC produziertes Morgenmagazin, in dem Sie als Moderator aufgetreten sind. Zweites Standbein oder Plan für die Zukunft?

Horn: Unsere FC-TV-Jungs lassen sich da immer wieder gute Sachen einfallen. Uns wird jedenfalls nicht langweilig. Das war schon ein cooles Format und für die Fans mal ein etwas anderer Einblick in das Trainingslager. Es hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.

Aber mal im Ernst. Macht man sich mit 28 Jahren schon Gedanken über das Leben nach dem Fußball?

Horn: Ich denke, als Torwart kann man sicherlich noch ein paar Jahre länger spielen als ein Feldspieler. Ich fühle mich körperlich in der Lage weiterzumachen. Bis 35 will ich bestimmt noch spielen. Dann schaut man von Jahr zu Jahr, was der Körper sagt. Klar gibt es für die Zukunft Überlegungen, aber die sind noch nicht konkret.

Sie gehören mit mehr als 300 Einsätzen zu den Dienstältesten beim FC. Was hat sich in diesem Jahrzehnt in Köln, was im Umfeld des FC verändert?

Horn: Es sind viele Leute gekommen, viele gegangen. Das ist im Fußball der normale Lauf der Zeit. Es wird heutzutage viel und schnell gewechselt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Vertraute, die seit Jahren im Verein sind. Da gibt es schon schöne Erinnerungen. Die letzten beiden Jahre waren sportlich eher schwierig. In meinen ersten Jahren waren wir dagegen sehr erfolgreich, haben uns von Jahr zu Jahr verbessert, was dann in der Europa League gegipfelt ist. Für mich war es immer entscheidend, in Köln zu bleiben und den Weg mitzugehen.

Kampf um den Klassenerhalt, Europa League, Aufstiege, Abstiege – Sie haben beim FC in den vergangenen Jahren viel erlebt. Welche Momente sind besonders hängengeblieben?

Horn: Die Aufstiege waren toll. Das Gefühl, nach 25 Jahren wieder die Europa League zu erreichen, war schon gigantisch. Vor allem auch für die Familie, für Freunde, die alle mit dem FC mitleiden.

Sportlich dürfte der Gewinn der Silbermedaille in Rio sicherlich einer der größten Momente gewesen sein. Können Sie Salih Özcans Entscheidung, auf die Spiele zu verzichten, nachvollziehen?

Horn: Man muss die Entscheidung der Jungs respektieren. Ismail Jakobs hat gerade erst den Verein gewechselt. Er muss sich dort zunächst beweisen. Sonst besteht die Gefahr, erst einmal hinten dran zu sein. Ich verstehe die Jungs. Salih hat hier verlängert. Er will sich natürlich auch einen Stammplatz erspielen. Das wäre bei einer verpassten Vorbereitung schwerer geworden. Mir hat der FC damals auch keine Steine in den Weg gelegt. Mir hat man damals gesagt, ich soll die Reise genießen, eine Medaille mitbringen und gesund wiederkommen. Das war für mich eine großartige Erfahrung.

Zu dieser Zeit damals wurden Sie als mögliche Nummer Drei im DFB-Tor gehandelt. Haben Sie diese Ambitionen noch?

Horn: Aktuell kommt das für mich gar nicht infrage. Da muss man auch realistisch sein. Meine Konzentration gilt komplett dem FC.

Neben Steffen Baumgart haben Sie auch einen neuen Torwarttrainer. Gibt es unter Uwe Gospodarek einen anderen Fokus?

Horn: Es gibt bei Uwe verschiedene Ansätze, Dinge zu verändern. Da bin ich ein offener Typ, der die Vorschläge gerne annimmt. Er legt viel Wert auf Explosivität und Dynamik. Das sind sicher Punkte, bei denen ich noch Luft nach oben habe. Das ist eine Umstellung, aber ich glaube, dass ich da schnell reingekommen bin.

Mit Jonas Urbig wurde Ihr Kronprinz bereits ernannt. Er gilt als großes Talent …

Horn: Es ist wichtig, dass wir junge Talente an den Profikader heranführen. Jonas ist ein sehr guter Torwart, der auch im Trainingslager eine gute Leistung abgerufen hat. Es wäre schlimm, wenn da nichts nachkommen würde. Ich kann auch nicht ewig spielen (lacht). Es ist gut, wenn der FC diese Torhüter-Tradition fortsetzen kann. Wenn Jonas das ist, dann würde mich das sehr freuen. Er ist ein guter Junge.

Da stehen Sie auch mit Rat zur Seite …

Horn: Es wäre schlimm, wenn wir die Jungs nicht mit ins Boot holen würden. Dafür ist man als älterer Spieler ja da.