Hängende Köpfe in Müngersdorf 1. FC Köln verliert trotz großem Kampf 0:2 gegen Leverkusen

Köln · Im rheinischen Derby empfing der abstiegsgefährdete 1. FC Köln am Sonntag den derzeitigen Tabellenführer Bayer Leverkusen. Das 2:0 für Leverkusen kann jedoch nur als Arbeitssieg bezeichnet werden.

Zwar siegte Leverkusen mit 2:0 gegen Köln, der FC machte es den Gästen aber nicht leicht.

Zwar siegte Leverkusen mit 2:0 gegen Köln, der FC machte es den Gästen aber nicht leicht.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Es waren einige hängende Kölner Köpfe zu sehen an diesem sonnigen Sonntag in Müngersdorf. Alles begann, als das Duell zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen noch nicht einmal richtig begonnen hatte. Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als Jan Thielmann zwar unabsichtlich, aber deutlich sichtbar dem Leverkusener Granit Xhaka mit Vehemenz von hinten auf die Achillessehne gestiegen war. Der Kölner Stürmer sah dafür eine berechtigte Rote Karte, nachdem Schiedsrichter Tobias Stieler allerdings erst den Videobeweis bemüht hatte.

Thielmann schlich geknickt vom Platz. Die Leverkusener nutzten die fast 80-minütige Überzahl, um die Partie mit 2:0 (1:0) für sich zu entscheiden. Das war verdient, aber die Kölner hatten in beinahe aussichtsloser Situation einen großen Kampf geboten. Gerne hätte es Sargis Adamyan gesehen, wenn „wir die Partie elf gegen elf zu Ende gespielt hätten“.

Geißböcke spielten Großteil der Zeit in der Unterzahl

Er wirkte enttäuscht, denn zumindest ein Punktgewinn schien selbst in Unterzahl möglich. Der Stürmer selbst hatte die beste Chance der Kölner zum Ausgleich ausgelassen, als er den Ball nach einer Flanke von Rasmus Carstensen volley an den Innenpfosten jagte (51.). „Wir waren giftig und richtig aggressiv“, sagte Adamyan, der erstmals seit dem 2. Spieltag im August wieder in der Startelf der Kölner auftauchte. Seitdem kam der Angreifer nur auf wenige Einsatzminuten, hatte nach eigener Einschätzung gegen Bayer jetzt aber „ein vernünftiges Spiel“ abgeliefert.

 Wie die ganze Kölner Mannschaft, die der spielerischen Überlegenheit des Klassenprimus mit großer Leidenschaft begegnete. Es war nicht mehr als ein, anders kann man es nicht nennen, Arbeitssieg, durch den die Leverkusener dem ärgsten Verfolger Bayern München nun zehn Punkte enteilt sind. Beachtliche 34 Pflichtspiele sind sie jetzt in dieser Saison ungeschlagen. Am Ende, so empfand es Schultz, sei es „ein verdienter Sieg“ gewesen. „Es sind immer Momente im Spiel, die die Richtung vorgeben. In Unterzahl war es ungleich schwerer gegen einen Gegner, der ohnehin viel Ballbesitz hat.“

Schultz hatte gleich ein Quartett an Neuen aufgeboten im Vergleich zum 1:1 in Stuttgart. Der genesene Innenverteidiger Timo Hübers kehrte in die Startelf zurück. Außerdem ließ er den offensiven Dreierpack Faride Alidou, Linton Maina und eben Adamyan von der Leine. Luca Kilian, Denis Huseinbasic, Kapitän Florian Kainz und Justin Diehl saßen zunächst auf der harten Bank. Hoffnungsträger Davie Selke stand nicht im Kader.

Bilder: Bayer Leverkusen siegt 2:0 gegen 1. FC Köln
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Leverkusen siegt 2:0 gegen FC Köln

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Die Leverkusener demonstrierten gleich einmal, warum sie zuvor in 33 Pflichtspielen ungeschlagen geblieben waren. Eine schöne Kombination schloss Jonas Hofmann mit einem Flachschuss ab – Zentimeter vorbei (4.). Im Aufeinandertreffen der besten Abwehr der Liga (Bayer hatte erst 16 Gegentore) und der schlechtesten Offensive der Liga (Köln hat erst 16 Tore erzielt) entwickelte sich ein munteres Spiel. Der turmhohe Favorit zeigte sich dabei gewohnt ballsicher und spielfreudig, Köln verordnete sich Defensive. Über Ballbesitz durfte sich die Schultz-Elf nur selten länger freuen. Bayer presste geschickt, ließ dem FC kaum mal Luft zum Atmen.

 Konter waren das Kölner Mittel der Wahl, um für Gefahr zu sorgen. So war es eine starke Einzelaktion Mainas auf der linken Seite, dessen maßgeschneiderte Flanke Dejan Ljubicic erreichte, doch der Kopfball strich knapp vorbei (11.). Ein erster Kölner Warnschuss. Doch der Schock folgte prompt. Nach Thielmanns Platzverweis wurde es hitzig. Ljubicic verdiente sich die Gelbe Karte nur drei Minuten später wegen Meckerns.

Fast 80 Minuten in Unterzahl gegen diese famose Leverkusener Elf – eine große Herausforderung für den FC. Dass die Gäste trotz aller spielerischer Brillanz auch ordentlich hinlangen können, bewies dann Jeremie Frimpong, der nach hartem Einsteigen gegen Timo Hübers im Kölner Strafraum ebenfalls Gelb sah (23.). Bayer schaffte immer wieder Überzahl in Ballbesitz, erzeugte einen Belagerungszustand in der gegnerischen Hälfte. Der Härtegrad blieb hoch (29.). Eric Martel hatte Glück, dass er nach einem Foul am Ex-Kölner Florian Wirtz mit der Gelben Karte davonkam. Köln legte sich nun eine Wagenburgmentalität zu, verdichtete die Räume. Suchte sein Glück weiterhin über Konter, doch Adamyan zögerte in aussichtsreicher Position zu lange mit dem Abschluss (35.).

Bayer suchte über die Außen die richtige Autobahn zum Ziel. Und das zeigte Wirkung. Eine Flanke Alejandro Grimaldos von links verteidigten Jeff Chabot und Hübers nur unzureichend, der Ball flutschte durch zu Frimpong, der ihn mit dem Außenrist an FC-Torhüter Marvin Schwäbe vorbei ins Tor drückte (37.). Bayer blieb dominant, und beinahe hätte Wirtz aus spitzem Winkel die Vorentscheidung herbeigeführt, doch Schwäbe parierte stark (41.).

Köln hatte dann Pech, dass ein fachgerechter Rempler von Grimaldo gegen Adamyan im Strafraum nicht mit einem Elfmeter bestraft wurde (44.). Der FC versteckte sich aber weiterhin nicht, Rasmus Carstensens gute Flanke setzte Alidou per Kopf jedoch neben das Tor (45.+3). Natürlich war die Leverkusener Führung verdient, doch das Schultz-Team zeigte sich bei Kontern durchaus präsent im Bayer-Strafraum.

Leverkusen siegte, ohne gefährlich zu werden

Das Bild des Spiels änderte sich nicht. Bayer kontrollierte die Partie, ohne gefährlich zu werden. Das übernahmen dann die Kölner mit einem rasanten Angriff: Alidou schickte Carstensen über rechts, der mit seiner Flanke den Fuß Adamyans fand. Der nahm den Ball versiert aus der Luft, doch der Innenpfosten verhinderte den Ausgleich (51.). „Seit ich hier bin, haben wir schon viermal den Innenpfosten getroffen“, ärgerte sich Schultz. „Es wird Zeit, dass solche Momente auch mal uns zufallen.“

Ein Schlupfloch durch das dichte Netz an Kölner Abwehrbeinen fanden die Gäste zunächst nicht. FC-Trainer Schultz brachte mit Justin Diehl einen weiteren Tempospieler, um die Bedrohung für die Gäste größer werden zu lassen. Doch der Stürmer verletzte sich bei einem Sprint und musste seinen Hilfseinsatz nach wenigen Minuten geknickt wieder beenden. Er verließ den Platz – mit hängendem Kopf.

Schwer tat sich das Gästeteam von Trainer Xabi Alonso weiterhin, in die gefährlichen Räume vorzustoßen. Köln verteidigte leidenschaftlich. Aber nicht immer gekonnt. So tankte sich der eingewechselte Amine Adli auf der rechten Seite des FC durch, seinen Servicedienst veredelte Grimaldo mit einem Schuss durch die Beine Schwäbes aus kurzer Distanz (73.). Ein Treffer – ja, das muss man so sagen – aus dem Nichts.

 Am Ende stand ein Bayer-Sieg, der mit einigen Mühen versehen war gegen ein Kölner Team, das in Unterzahl das Beste aus seinen Möglichkeiten machte. Was Timo Hübers zu einem Lob verleitete. „Die Art und Weise des Auftritts“ hatten dem Abwehrspieler gefallen und für das nächste Derby am kommenden Samstag bei Borussia Mönchengladbach Hoffnung geschürt: „Wir haben taktisch super diszipliniert gespielt“, sagte er. Und: „Das Herz auf dem Platz gelassen.“ Allerdings hat sich die Personalsituation weiter verschärft, mit den gesperrten Thielmann und Ljubicic und dem verletzten Diehl fallen drei wichtige Spieler aus.

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