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Geißböcke treten am Samstag bei Union Berlin an

FC-Trainer Markus Gisdol feilt an seiner Startelf : Eine Frage der Taktik

Nach dem mutigen offensiven Auftritt des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln am vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen deutet sich im Gastspiel der Geißböcke bei Union Berlin an diesem Samstag wieder eine defensivere Ausrichtung an.

FC-Trainer Markus Gisdol ist in dieser Spielzeit nur selten durch große taktische Überraschungen aufgefallen. Am vergangenen Sonntag erwischte der Coach des 1. FC Köln dann aber sein Gegenüber Florian Kohfeldt doch auf dem falschen Fuß. Zum ersten Mal seit der 0:5-Klatsche gegen den SC Freiburg am 15. Spieltag entschied sich der Trainer wieder für die Viererkette, durchaus mit Erfolg. Der FC zeigte sich stark verbessert.  Gegen die tief stehenden Bremer spielte Köln mutig nach vorn und war über nahezu 90 Minuten das bessere Team. 632 Pässe spielte der FC, 87 Prozent davon kamen bei den Mitspielern an. Allerdings endeten die Kölner Angriffsbemühungen in aller Regel wieder einmal vor dem 16-Meter-Raum.

Und so durften sich die Kölner letztlich bei Bremens Keeper Jiri Pavlenka bedanken, dass es dank eines dicken Patzers zumindest einen Punkt für sie gab. „Wir wollten über eine flache Viererkette mehr Ballkontrolle haben. Das ist sehr gut aufgegangen, weil wir so einen Spieler mehr im Mittelfeld hatten“, sagte Gisdol. Die taktische Ausrichtung des FC war verheißungsvoll und ist ein Hoffnungsschimmer für den Endspurt in der Liga. „Die Viererkette ist durchaus eine Option für die nächsten Wochen“, stellte der Trainer erfreulicherweise in Aussicht.

Doch mit dem erfrischenden Offensivspiel wird es voraussichtlich an diesem Samstag schon wieder vorbei sein. Der FC ist zu Gast bei Union Berlin, darauf folgt das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. In der vergangenen Spielzeit waren die Eisernen noch ein Team auf Augenhöhe, eine offensive Ausrichtung für die Domstädter somit eine Option. In dieser Saison spielt Union in anderen Sphären als der FC. Während die Kölner voraussichtlich bis zum 34. Spieltag um den Klassenerhalt zittern müssen, hat Berlin durchaus die Chance, in der kommenden Spielzeit europäisch zu spielen.

„Union wird sicherlich nicht so tief stehen wie die Bremer am vergangenen Spieltag. Die Berliner werden uns früh unter Druck setzen“, sagte der Kölner Keeper Timo Horn und deutete damit bereits an, dass eine defensivere Spielweise im Auswärtsspiel zumindest eine Option ist – eine sehr wahrscheinliche.

Das Team von Union-Coach Urs Fischer spielt ein mannorientiertes Pressing, setzt den Gegner so in der Tat früh unter Druck und provoziert Ballverluste. Auch Fischer  wechselte zuletzt die taktische Grundausrichtung. Eine defensive Spielweise ist aber nicht zu erwarten. „Bremen hatte uns viel Platz gegeben und war sehr passiv, Union ist aber viel aktiver im Spiel gegen den Ball und übt viel mehr Druck auf den Gegner aus“, stimmte der FC-Trainer seinem Torhüter zu, der wiederum noch eine weitere Stärke beim Gegner ausgemacht haben will: „Durch die Verpflichtung von Spielern wie Max Kruse hat Berlin auch spielerische Elemente mit ins Spiel aufgenommen“, sagte Horn.

Max Kruse steht nicht nur für die Offensivqualität, die dem FC aktuell fehlt, im vergangenen Sommer wäre der Angreifer dem Vernehmen nach selbst beinahe in Köln gelandet. So waren beide Seiten offenbar an einem Deal interessiert. Der FC entschied sich schließlich aufgrund der unklaren Vertragssituation gegen Kruse. Nun fehlt den Kölnern ein torgefährlicher Strafraumstürmer, während im zentralen Mittelfeld – auch dank Max Meyers guter Leistung gegen Bremen – ein deutliches Überangebot vorliegt.

Es spricht im Auswärtsspiel also deutlich mehr für einen Berliner Sieg. Zumal der FC die bisherigen drei Erstliga-Spiele gegen Union allesamt verloren hat. Doch genau darin liegt die große Kölner Chance. Gegen die vermeintlich stärkeren Gegner sahen die Geißböcke in dieser Spielzeit bereits oft gut aus. „Gerade unter Druck haben wir immer wieder gezeigt, dass wir punkten und Mannschaften schlagen können, wo uns keiner einen Erfolg zugetraut hat“, sagte Horn unter der Woche. „Darauf bauen wir in diesen Situationen, auf unsere mannschaftliche Geschlossenheit.“

Markus Gisdol mag bei der taktischen Ausrichtung beim Gegner nur selten für Verwirrung sorgen, in puncto Ergebnis ist der FC in dieser Spielzeit aber immer für eine Überraschung gut.