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Gegen den Abstieg: Glück allein wird dem 1. FC Köln nicht reichen

Gegen den Abstieg : Glück allein wird dem 1. FC Köln nicht reichen

Über mangelnde Fortune kann sich Köln auf der Zielgeraden der Saison wahrlich nicht beschweren. Gegen Schalke wird das allein aber nicht reichen.

Die Äußerungen der Spieler und Verantwortlichen des 1. FC Köln schwankten nach dem 0:0-Unentschieden bei Hertha BSC am 33. Spieltag der Bundesliga irgendwo zwischen Enttäuschung, Hoffnung und fast schon mantraartigem Zwangsoptimismus. Gefühlschaos pur. Auch bei den Anhängern herrschte keine einheitliche Meinung, ob der gewonnene Punkt nun gut ist oder die liegen gelassenen Zähler eine mittelschwere Katastrophe sind.

Die nüchterne Einordnung: Zwar hätte Köln mit einem Sieg die Abstiegsplätze verlassen, durch den Punktgewinn besteht aber immerhin noch die realistische Chance auf den Klassenerhalt – wenn auch mit Unterstützung der Konkurrenz, und da allen voran des Rivalen aus Mönchengladbach. Dennoch: Es handelt sich um eine Chance, an die vor wenigen Wochen nur die größten Optimisten in Köln geglaubt hätten. Ein Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz vor dem entscheidenden Spiel gegen bereits abgestiegene Schalker hört sich zumindest nicht aussichtslos an. Aber gefährlich: zumal der FC eine verheerende Bilanz im dramatischen Abstiegskampf aufzuweisen hat. Sechsmal war es auf der Zielgeraden extrem brenzlig, sechsmal stieg der FC letztlich auch ab. Nun gibt es immerhin noch einen Funken Hoffnung.

1. FC Köln mit Glück auf der Zielgeraden

In das diffuse Meinungsbild der Kölner mischte sich noch eine Äußerung von Timo Horn. Der Kölner Keeper vermisste hier und da ein wenig Glück in der Begegnung gegen Hertha. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht die zahlreichen verpassten Bielefelder Chancen im Heimspiel gegen Hoffenheim gesehen, wusste möglicherweise nichts von dem 40-minütigen Überzahlspiel der Bremer in Augsburg und dem parallel zur Torlinie verlaufenden Freistoßversuch von Leonardo Bittencourt. Oder anders ausgedrückt: Mit ein bisschen mehr Pech wäre das Kapitel Klassenerhalt für den FC bereits am 33. Spieltag abgehakt gewesen.

Über mangelnde Fortune kann sich Köln auf der Zielgeraden der Saison wahrlich nicht beschweren. Der Zittersieg gegen Augsburg, ein nicht gegebener Elfmeter für Leipzig in der Schlussminute, die Patzer der Konkurrenz ermöglichten überhaupt das spannende Saisonfinale am letzten Spieltag – den Dreikampf mit Bremen und Bielefeld um den Klassenerhalt. Einen Klassenerhalt, den sich der FC in dieser Spielzeit nicht wirklich verdient hat. Viele abgelieferte Leistungen der Kölner waren alles andere als erstligareif. „Unterm Strich stehen wir zu Recht da unten, das muss man ganz klar sagen“, gab Timo Horn am Samstag selbstkritisch zu. „Wenn man vor dem letzten Spieltag auf dem vorletzten Tabellenplatz steht, ist nicht alles richtig gelaufen.“

FC hat es nicht mehr in eigener Hand

Teils desolate Leistungen, ein unausgeglichener Kader mit überbesetztem Mittelfeld, aber fehlendem Angriff, das lange Festhalten an Markus Gisdol, dazu die Posse um den vermeintlichen Mediendirektor Fritz Esser und die „Spackenaffäre“ um Dominick Drexler – beim FC ist wahrlich nicht alles richtig gelaufen. Vielleicht ist sogar eher viel falsch gelaufen. Und dennoch können die Geißböcke die Spielzeit zu einem glücklichen Ende bringen. 

Glück allein wird dem FC aber nicht reichen. Ähnliche Auftritte wie gegen die Hertha oder 45 Minuten gegen Freiburg dürften gegen Schalke zu wenig sein. Die Waage zwischen Absicherung und Risiko muss klar Richtung Risiko ausschlagen. Funkel verteidigte unterdessen die vorsichtige Kölner Spielweise. Zu viele Begegnungen seien in der Schlussphase noch hergeschenkt worden. „Ich wusste, dass wir mit einem Punkt und einem Sieg dann gegen Schalke beide Konkurrenten überholen können“, sagte der Trainer.

Und darin liegt die Kölner Chance: Der FC muss gewinnen. Ein Unentschieden würde den Abstieg bedeuten. Absicherung braucht Köln nicht mehr. Funkel verspricht gegen Schalke einen riskanteren Fußball und zieht nun alle Register. Der Trainer „erlaubt“ den Kölnern sogar, am kommenden Samstag „Mönchengladbach die Daumen zu drücken“. Die Borussia spielt gegen Bremen um die letzte Chance auf Europa, ist ebenfalls zum Siegen verpflichtet. Das Glück der Kölner liegt also nicht nur in den eigenen Händen, sondern ausgerechnet bei den Fohlen. Zumindest zum Teil – einen weiteren Teil muss sich der FC erarbeiten.