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1. FC Köln gegen Leverkusen: In welchen Stadien die Fan-Kultur noch schläft

1. FC Köln gegen Leverkusen : In welchen Stadien die Fan-Kultur noch schläft

49.600 Fans haben das rheinische Duell des 1. FC Köln mit Leverkusen wieder live im Stadion verfolgt. Dennoch ist die Stimmung in den Stadien häufig nicht mit der vor der Pandemie zu vergleichen.

Fan-Gesänge und fliegende Schals, Vorfreude schon auf dem Weg zum Stadion. Vor dem rheinischen Duell zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen ist die Spannung greifbar. Im Rund[JR1] ist die Situation nicht anders: Die Hymne, der Einmarsch der Mannschaften - Gänsehaut. Anderthalb Jahre nach Beginn der Pandemie haben die Fans zurück in die Fußballtempel des Landes gefunden. Nahezu komplett.

Auch beim Spiel des FC gegen den Nachbarschaftsrivalen scheint alles wieder beim Alten. Das Duell findet erstmals wieder vor fast ausverkauftem Haus in Müngersdorf statt. 49.600 Zuschauer sind gekommen. Für FC-Trainer Steffen Baumgart spielt der daraus vermeintlich resultierende Heimvorteil allerdings keine allzu große Rolle: „In Leverkusen hätten wir auch ein Heimspiel“, sagt der Trainer wenige Tage vor dem Duell.

Doch schon nach den ersten 17 Minuten sind die FC-Fans nach vielen individuellen Fehlern ihrer Mannschaft und infolge zweier Gegentore nahezu verstummt. Während die angereisten Leverkusener Fans zur Halbzeit lautstark applaudieren, sind die Kölner Anhänger sichtlich bedient. Der FC bekommt die Partie zunehmend in den Griff, erspielt sich Chancen, dann auch Tore. Doch die sonst so ununterbrochene Unterstützung vonseiten der Fans bleibt aus. Nur vereinzelt sind „Come on Effzeh“-Rufe zu hören. In der voll besetzten Südkurve herrscht verbale Zurückhaltung.

Bereits vor zwei Wochen äußerte sich die „Südkurve 1. FC Köln“ zur aktuellen Zuschauer-Situation. In einer Stellungnahme informierte die Vertretung der Fangruppen über das beständige Ausbleiben des organisierten Supports: „Ohne diese [Auflagen] im Einzelnen bewerten zu wollen, liegt es in der Natur der Sache, dass es hierzu verschiedene Ansichten gibt, die wir so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen versuchen.“ Im Rheinenergie-Stadion gilt wie auch in der Leverkusener BayArena die 2G-Regelung und ein personalisierter Eintritt. Diese Regelungen ermöglichen den Vereinen eine volle Auslastung der Stadien. Fangruppen kritisieren daran den Ausschluss bestimmter Personen, sprechen von Diskriminierung. Vereinsvertreter verweisen hingegen auf ihr Hausrecht.

In manchen Fußball-Stadien geht es schon wieder lauter zu

Ähnlich wie in Köln warten auch andere Fan-Gruppierungen aus Nordrhein-Westfalen mit ihrer Rückkehr in die Stadien. So auch beim Heimspiel von Arminia Bielefeld gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag. „Eine Rückkehr ins Stadion kam und kommt für unsere Gruppe weiterhin erst in Frage, wenn eine volle Auslastung – möglichst bundesweit – gewährleistet ist“, so die Bielefelder Ultras. Durch die 3G-Regelung dürfen hier bisher 25.000 statt 26.500 Fans zum Spiel. Dortmund hatte zum letzten Heimspiel gegen Mainz von einer 2G- zu einer 3G-Regelung gewechselt. Trotz neu erlaubten 67.000 Zuschauern war keine organisierte Dortmunder Fan-Szene vor Ort.

Anders sieht es im Borussia-Park am Niederrhein aus. Da Personalisierungen, Abstände im Bereich der Stehplätze und eine Maskenpflicht am Platz zum Heimspiel gegen Bielefeld am 12. September aufgehoben wurden, stehen dort die Ultras von Borussia Mönchengladbach wieder in der Nordkurve. Insgesamt waren am Wochenende beim Remis (Endstand: 1:1) gegen Stuttgart unter der 3G-Regelung aber nur 41.600 Zuschauer von erlaubten 48.500 vor Ort, gegen die Bayern im Pokal am Mittwoch dann aber die maximale Auslastung. Ähnlich verhielt es sich am Sonntag in Bochum. Hier freuten sich nur 16.500 statt der erlaubten 20.000 Zuschauer über den 2:0 Sieg des VfL gegen Eintracht Frankfurt, im Pokal gegen Augsburg waren es 15.220 Zuschauer.

Die Fangruppen sind zwiegespalten

Auch in den anderen Bundesländern sind die Fangruppen zwiegespalten. Während bei Bayern München (3G plus, volle Auslastung), bei Mainz 05 (teils 2G/3G, Teilauslastung) und beim VfB Stuttgart (2G, Teilauslastung) die größten Fanclubs zurückgekehrt sind, warten sie bei Eintracht Frankfurt (3G plus, Vollauslastung ab dem nächsten Heimspiel) und Hertha BSC (3G, Teilauslastung) weiterhin auf die volle Lautstärke von den Rängen.

Wie viel Dezibel im Rheinenergie-Stadion erreicht werden können, durften die FC-Fans am Sonntag dann doch noch zweimal erleben. Beim Doppelpack von Anthony Modeste (Endstand: 2:2) ertönte das Stadion in gewohnter Lautstärke und ließ die Fans wieder ein Stück mehr die Kölner Kulisse spüren.