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Schwierige Suche: Ist Peter Stöger der richtige Trainer für den FC?

Schwierige Suche : Ist Peter Stöger der richtige Trainer für den FC?

FC-Sportdirektor Horst Heldt sucht aktuell nach einem neuen Trainer, obwohl weder Ligazugehörigkeit noch Kader feststehen. Keine leichte Aufgabe.

Bei der Verabschiedung von „seinen Jungs“ kämpfte Markus Gisdol im April sichtbar mit den Tränen. Der Ex-Trainer des 1. FC Köln stützte sich auf den Kabinentisch und wünschte seinen Schützlingen Glück. „Ich trage den Verein und jeden einzelnen von euch immer im Herzen“, sagte er mit viel Gefühl.

„Jeföhl“, wie der Kölner sagt. Ein einfaches Wort, das in der Domstadt aber eine große Bedeutung hat. Es ist Teil der kölschen Folklore, Lebensart. Zu der der Dom genauso wie der FC gehört. Und auch bei den Geißböcken scheint das „Jeföhl“ eine große Rolle zu spielen. „Es geht in Köln immer viel um das Gefühl und um das eigene Wohl, nicht immer ausschließlich um das Wohl des Clubs“, sagte Thomas Reinscheid dem GA. Der Chefredakteur des Fanzines effzeh.com meinte damit auch, die Bauchentscheidungen, zu denen man in Köln neigt. „Der FC scheint von sich selbst getrieben zu sein. Man trifft Entscheidungen, ohne davon überzeugt zu sein.“ Getreu dem Motto „Et hätt noch immer joot jejange“. Ehemalige Spieler wurden in Positionen gehoben, auch, weil es zum Image passen sollte. Es wirkt oft so, als wolle man es nur dem Fan recht machen.

Peter Stöger lässt eher defensiv spielen

Aktuell befindet sich der FC auf der Suche nach einem neuen Trainer. Drei Kandidaten sind bekannt, es soll zwei weitere geben. Als Topkandidat wird Peter Stöger gehandelt. Eben jener Coach, der den FC von der zweiten Liga in die Europa League führte. Kein anderer Trainer hielt sich beim FC so lange wie der Österreicher. Mit seinem Wiener Schmäh eroberte er die Kölner Fans, erreichte zwischenzeitlich mit kleinen Image-Trailern, aber allen voran mit dem lang gehegten Traum von Europa Kultstatus. Kein Wunder also, dass die Gespräche zwischen ihm und FC-Sportdirektor Horst Heldt bei zahlreichen Kölner Anhängern frühlingshafte Glücksgefühle hervorrufen.

Stögers bevorzugte Taktik war in der Zeit in Köln allerdings eine defensive. Meist agierte er mit zwei defensiven Viererketten und setzte in der Vorwärtsbewegung auf lange Bälle. Eine erfolgreiche Spielweise, vor allem Dank Anthony Modeste. Aber auch eine Spielweise, die dem FC in dieser Saison in einigen Begegnungen zum Verhängnis wurde, und an der letztlich auch Markus Gisdol scheiterte. 

Umbruch beim FC

In Köln wird es im Sommer voraussichtlich einen Umbruch geben – unabhängig von der Liga. Zahlreiche Verträge laufen aus, viele werden nicht verlängert. Einige Leistungsträger werden den Club verlassen, um dem klammen Verein Gelder in die Kassen zu spülen. Mit Dejan Ljubicic ist dagegen der erste Akteur für die kommende Saison verpflichtet worden. Ein eindeutiges Zeichen. Denn ganz andere Vereine haben sich um den Mittelfeldspieler bemüht. Ljubicic hat sich sicherlich nicht wegen eines üppigen Gehalts für den FC entschieden. Möglicherweise soll um ihn die künftige Mannschaft gebaut werden. Eine Prognose über die künftige taktische Ausrichtung und Arbeitsweise des neuen Trainers wäre also verfrüht.

Dementsprechend dürfte es aber auch Heldt ohne konkrete Ausrichtung schwerfallen, nach einem Trainer zu suchen und gleichzeitig den Kader für die kommende Saison zusammenzustellen. Eigentlich kann das nur gemeinsam mit dem neuen Trainer erfolgen. Stöger würde bei seiner defensiven Spielweise den Kader sicherlich anders formen, als Steffen Baumgart, ein weiterer Kandidat für den Trainerposten, allerdings einer, der für seinen Offensivfußball bekannt ist.

Heldt will sich in dieser Woche mit dem aktuellen Trainer Friedhelm Funkel zusammensetzen. Im Interview mit dem „Express“ gab Funkel bekannt, das Heldt zum Thema Kaderplanung Funkels Meinung hören wolle. Zudem hat der Kölner Sportdirektor mit der Vertragsverlängerung von Jan Thielmann sowie dem Profivertrag von Marvin Obuz eine Richtung für die kommenden Jahre vorgegeben. Es soll verstärkt auf die Jugend gesetzt werden. Dabei geht es dem Sportdirektor aber nicht um das Gefühl, viel mehr um ein finanzierbares Konstrukt.