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Kommentar zum 1. FC Köln: Baumgarts Erwartungen können zu Belastung werden

Kommentar zu FC-Trainer Baumgart : Erwartungen können zur Belastung werden

Steffen Baumgart verbreitet im Umfeld des 1. FC Köln viel Euphorie. Seine Herangehensweise kann in eine bessere Zukunft führen, der Druck könnte aber auch zu groß werden, findet unser Autor.

Auf Bildern kann Steffen Baumgart schon sehr mürrisch schauen. So, als habe er gerade einen Fisch auf dem Wochenmarkt in Warnemünde angeboten bekommen, der dort schon eine Woche zuvor in der prallen Sonne gelegen hatte. Er habe eben kein anderes, sagte er einmal. Selbst bei freudigen Ereignissen ziehen sich seine Mundwinkel nur zaghaft nach oben. Dennoch versteht er es, Menschen für sich einzunehmen. Das war zumindest der erste Eindruck, den der gebürtige Rostocker im Rheinland, genauer: in Köln hinterließ. Baumgart ist der neue Trainer des 1. FC Köln, und die Vorfreude der Fans scheint schon jetzt eine Erwartungshaltung zu beinhalten, die auch zur Belastung werden kann. Aber Baumgart selbst hat ja auch nicht viel dazu beigetragen, die Zuversicht in der Stadt irgendwie kleinzureden.

Das Zutrauen der Fans in ihn wird sich auch an einem Ereignis orientieren, bei dem Baumgart selbst die Einheimischen in Müngersdorf verzückte. Als Trainer des SC Paderborn schlug er den FC vor drei Jahren mit 5:3. Ein Ergebnis, dass das Zutrauen in den damaligen Kölner Trainer arg ankratzte. Auch Markus Anfang war mit einem tadellosen Konzept in Köln erschienen, das Hoffnung verbreitete, den Verein in die Erstklassigkeit zu führen, um dann endlich den Paternoster zwischen den Ligen verlassen zu können. Doch wie alle Trainer, die den FC nach der Ära Peter Stöger in eine bessere Zukunft begleiten sollten, scheiterte er. Ob Anfang, der freundliche Fußball- und Gymnasiallehrer Achim Beierlorzer oder dessen Nachfolger Markus Gisdol, der trotz erfolgreicher Rettungsmission nie einen richtigen Zugang zum Verein fand: Jeder auf seine Art galt als Heilsbringer, um schließlich eine große Enttäuschung zu hinterlassen.

Nun verbreitet also Baumgart in Köln die Zuversicht, der Club habe diesmal den Richtigen verpflichtet, der mit glasklarer Herangehensweise und anpackender Art den FC zum Klassenerhalt führen kann. Mindestens. Denn der Trainer hat schon bekannt gegeben, dass er „ein bisschen mehr möchte“. Das findet natürlich Anklang im Umfeld des Vereins, das immer gerne viel mehr möchte. Doch auf dem neuen Trainer lastet ein gewaltiger Druck. Er trägt nicht nur Verantwortung für die sportliche Orientierung mit der notwendigen Verkleinerung des überdimensionierten Kaders. Er könnte auch ein Trainer sein, der die Risse im Verein kittet und ihm Zusammenhalt gibt. Das ist eine große Herausforderung. Doch Steffen Baumgart ist zuzutrauen, sie zu bewältigen. Zumindest nach dem ersten Eindruck. Und trotz mürrischen Gesichts.